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Klarer Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs

Landeskirche übt "Null Toleranz" bei sich erhärtenden Verdachtsfällen

In Fällen sexuellen Missbrauchs übt die Evangelische Landeskirche in Baden einen klaren Umgang aus. Im Zusammenhang mit den bekannt gewordenen Missbrauchsfällen in kirchlichen und staatlichen Einrichtungen wies der Bildungsreferent der Landeskirche noch einmal auf entsprechende Leitlinien aus dem Jahr 2002 hin.



Karlsruhe/Gaienhofen (11.3.10).
In den bislang bekannten und bearbeiteten Fällen sei rechtlich gegen die Täter vorgegangen worden. Dennoch schreibt die Landeskirche die ehemaligen Schülerinnen und Schülern an.

"Wir wollen ganz sicher sein", ist Oberkirchenrat Christoph Schneider-Harpprecht, Bildungsreferent der Evangelischen Landeskirche in Baden und Vorsitzender der im Jahr 2002 gegründeten landeskirchlichen Schulstiftung, entschlossen. Daher schreibt die Landeskirche alle ehemaligen Schülerinnen und Schüler der bestehenden und geschlossenen Internate in landeskirchlicher Trägerschaft an und gibt ihnen Gelegenheit, bislang unbekannte Fälle sexuellen Missbrauchs der Kirchenleitung anzuzeigen. "Wir wollen eine lückenlose Aufklärung an allen Schulen der Stiftung und werden in der Verfolgung der Verdachtsfälle null Toleranz üben", so Schneider-Harpprecht. Eine Arbeitsgruppe, an der ein Jurist beteiligt ist, werde sich um die Aufarbeitung möglicher gemeldeter Vorfälle bemühen und dabei mit den staatlichen Behörden eng zusammenarbeiten.
"Wir haben klare Leitlinien, die eine frühe Einbindung der Justizbehörden vorsehen", berichtet der Bildungsreferent. In diesen Leitlinien heißt es unter anderem, dass Anschuldigungen unverzüglich nachzugehen und bei Erhärtung des Verdachts Strafanzeige zu erstatten sei – auch gegen Mitarbeitende, die sich bereits im Ruhestand befinden. Zudem sehen sie eine unverzügliche Suspendierung der möglichen Täter und Hilfsangebote für die Opfer vor. "Wir suchen mit Opfern das Gespräch und bieten allen, die sich erst jetzt uns offenbaren können oder wollen, entsprechende Hilfe an", so Schneider-Harpprecht.
Der Bildungsreferent bedauert zutiefst den Vertrauensbruch, den einzelne Lehrkräfte oder Erzieher an den Schutzbefohlenen begangen haben. In allen bislang bekannten Fällen sei stets zeitnah und konsequent gehandelt worden. So wurden an der Internatsschule Gaienhofen bereits in früheren Jahren Fälle entsprechend verfolgt: "Nach unserem derzeitigen Wissen wurden fünf Heimerzieher bzw. Lehrkräfte des Internats in Gaienhofen im Zeitraum seit Anfang der 60-er Jahre entlassen, weil ihnen sexueller Missbrauch bzw. in einem Fall der Besitz von Kinderpornographie vorgeworfen wurde. In zwei Fällen wurde von den Betroffenen Anzeige erstattet." In allen Fällen zog es also für die Heimerzieher und Lehrkräfte die Konsequenz nach sich, dass das Dienstverhältnis mit ihnen aufgelöst wurde. Weitere Fälle aus Gaienhofen oder den anderen bereits geschlossenen Internaten sind Schneider-Harpprecht derzeit nicht bekannt.
Das Internat in Gaienhofen ist das einzige Schulinternat der Evangelischen Landeskirche in Baden. Bereits in den 90er-Jahren wurden die Internate in Heidelberg und Mannheim geschlossen.

Weitere Informationen zur Schulstiftung, den Beratungsangeboten der Evangelischen Landeskirche in Baden sowie die Leitlinien zum Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs finden Sie unter www.ekiba.de.

[ Eintrag von: Ekma ]

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