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Pfarrerin Ilka Sobottke

Interreligiöse Feierstunde in Erinnerung an die Ereignisse an 9/11 vor zehn Jahren

 

Ansprache von Pfarrerin Ilka Sobottke           zu Mt 5

 

Liebe Freundinnen und Freunde des Dialogs und des Friedens, wie wunderbar, dass wir heute hier zusammen sind, wie wertvoll, dass wir gemein-sam beten zu unserem Gott und wie kostbar, dass wir gemeinsam hören auf das, was uns gesagt ist.

 

Der Jude Jesus sagte: „Selig sind die Frieden stiften!“ Leichter gesagt ist das als getan und offensichtlich, dass es den Religionen besser gelingt, den Frieden für das eigene Haus, die eigene Kirche, die eigene Gemeinschaft zu fordern und zu verwechseln mit dem Streben nach Sicherheit. Die Sicherheit der einen ist aber ein Garant für den Unfrieden und die Unsicherheit der Anderen. Denn Sicherheit wird zumeist auf Kosten der Anderen durchgesetzt. Das Sicher-heitsdenken der westlichen Kulturen hat für sich in Anspruch genommen, Frieden weltweit zu stiften indem Kriege angezettelt wurden, von denen bislang die Rüstungsindustrie weltweit

mehr profitiert als gleich welches Land, welche Kultur oder Religion.

 

Der Irak im Unfrieden, wenngleich der Diktator nicht mehr ist. Afghanistan im Unfrieden, und voll Unsicherheit was wird, wenn die NATO geht, wenngleich Bin Laden tot ist. Und was wird aus Libyen, wenngleich Gaddafi verschwunden ist.

 

Die Religionen werden ins Feld geführt, die Rede vom gerechten Krieg geführt. Dietrich Bonhoeffer meinte, Christen dürften nicht auf ihre eigene Unschuld beharren, wenn es darum ginge, dem

 

 

 

 

 

 

Unrecht zu wehren. Er stärkte den Attentätern gegen Hitler den Rücken. Er tat das, um Schlimmeres Unleid abzuwehren von so vielen. Gibt es also doch einen gerechten Krieg? Es ist nicht immer leicht, das Richtige zu entscheiden, um Frieden zu erwirken bei uns in jeder Familie, in den Gemeinden, unter den Religionen und zwischen den Völkern dieser Welt. Gott aber schenkt uns die Kraft zum Frieden, das Vertrauen zum Miteinander und den Glauben an die Versöhnung aller Menschen.

 

Die Methode Jesus Christi war die vieler Gläubiger aller Religionen. Es war die Methode der Gewaltlosigkeit und der Hingabe. Liebe gegen Sicherung der Macht. Ganz Jude war er da und hat dem Christentum diesen Stempel aufgedrückt. „Selig sind die Frieden stiften!“

 

Und das gelingt nur, wo wir auf eigene Sicherheit verzichten. Wo wir Vertrauen wagen, statt immer unser Recht und unsere Sicherheit durchzu-setzen und dem anderen seinen Frieden und seine Sicherheit zugestehen.

 

Frieden braucht Vertrauen und dazu bedarf es der Beziehungen. Daran arbeiten wir in Mannheim in vielen kleinen Schritten: in der christlich jüdischen Gesellschaft ebenso wie in der Christlich-Islamischen und im Forum der Religionen.

 

Dorothee Sölle sagte einmal: Frieden muss man mit seinen Feinden machen, mit den Freunden wäre es ja leicht. Wir hier in Mannheim sind inzwischen soweit, dass wir den Frieden der Religionen mit Freunden aus den anderen Religionen leben. Das ist ein großes Geschenk.

Und gerade wenn es wieder einmal schwierig ist

sind wir dankbar, dass die Wege zueinander inzwischen kurze Wege sind. Was wir voneinander und miteinander immer wieder lernen und miteinander üben, ist: dass Versöhnung und Frieden uns allen aufgegeben sind. Yom Kippur und Bayram und Weihnachten

sind unsere wichtigsten Feste. Immer und überall geht es um die Versöhnung. Die fängt bei jedem Einzelnen an und wir wollen sie hinaustragen

und der Welt davon erzählen:

„Selig sind die Frieden stiften!“ Amen

 

 

 

 

Ilka Sobottke, 11. September 2011

[ Eintrag von: Ekma ]

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