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50 Jahre Kirchenschiff "Wichern"

Schifferseelsorge begleitet in Freud und Leid - Jubiläumsgottesdienst mit Gedenken an das schwere Unglück im Hafen

Die Jubilarin "Wichern" steht dafür, dass Kirche "unterwegs zu den Menschen" ist, gerade auch "in den schweren Stunden", sagte Pfarrer und Schifferseelsorger Peter Annweiler am 8. Juli beim Gottesdienst auf dem Museumsschiff des TECHNOSEUM, der zu Ehren des Schiffsgeburtstags stattfand.

Seit dem 27. Mai 1962 ist das evangelische Kirchenschiff in den Häfen Mannheims und Ludwigshafens unterwegs. Auf ihr finden Trauungen und Taufen statt, sie verbindet die Binnenschiffer mit der Landgemeinde. Sie ist erfahren in Freud und Leid.

"Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind"

Aufgabe von Kirche und Schifferseelsorge sei, "für die Seelen der Menschen zu sorgen", so Pfarrer Annweiler. Daher wurde der Festtag, der im Schatten des tragischen Unfalls im Mühlauhafen stand, ganz bewusst nicht abgesagt. Vielmehr gab der Gottesdienst Raum für das Gedenken an den 14jährigen Ruderer, der am Mittwoch tödlich verunglückte. "Denn hier in einem Gottesdienst der Schifferseelsorge ist Raum, das Unglück aufzugreifen. Hier ist ein Ort für unsere Klage, unsere Ohnmacht, unser Gedenken". Bei dem Gottesdienst, an dem Dekan Ralph Hartmann und Pfarrer Louis Krüger von der niederländischen Schiffergemeinde mitwirkten, spielte der Feudenheimer Bläserchor, dem der verunglückte Ruderer als Jungbläser angehörte. "Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind", zitierte Pfarrer Annweiler einen Psalm und gedachte der Familie, der Freunde und Kameraden, der Besatzung des Schubschiffs und der Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, DLRG, der Rettungsdienste und Notfallseelsorger.

Kirche ist unterwegs zwischen Zeit und Ewigkeit

In seiner Predigt über die Petrusgeschichte beschrieb Pfarrer Annweiler den, wie er in der Bibel benannt ist, "Menschenfischer" Petrus als einen, der die Menschen ins Boot holt und das Bild von der Kirche als Schiff mit geprägt hat. Ein Schiff, das Geborgenheit bietet, aber auch Wind, Wetter und Gefahren ausgesetzt ist. Ein Schiff, das nicht über den Gefahren steht, sondern auch Leck schlagen kann. "Kirche ist unterwegs zwischen Zeit und Ewigkeit", so Pfarrer Annweiler. Andere ins Boot zu holen war auch Ziel des Pioniers der Schifferseelsorge, nach dem das Kirchenschiff, die "schwimmende Kirche" benannt ist: Johann Hinrich Wichern, der sich nicht nur für Binnenschiffer, sondern auch für verwahrloste Kinder in den Hamburger Elendsvierteln einsetzte.

Zu den Menschen kommen

Die 12 Meter lange "Wichern", die die Evangelische Kirche vor 50 Jahren für 70.000 DM bauen ließ, stehe dafür, dass die Kirche zu den Menschen komme, sagte Dekan Ralph Hartmann in seinem Grußwort. Auch Bürgermeister Christian Specht und Hafendirektor Roland Hörner betonten die große Bedeutung der Schifferseelsorge. "Eine Kirche, die zu den Menschen kommt, die bringt etwas mit. Das ist ein Geschenk", sagte Hörner. Die Stadt Mannheim hoffe, dass diese Einrichtung erhalten bleibe, so Specht. Er gedachte Aller, die von dem tragischen Unglück im Hafen betroffen sind.

Die "Wichern" wurde reich beschenkt: Von der Hafendirektion erhält sie ein neues Funksystem. Bürgermeister Christian Specht kündigte Unterstützung für die Anschaffung neuer Schwimmwesten an. Die Schiffsparade, den der Mannheimer Schifffahrtsverein von 1894 e.V. schenken wollte, entfiel hingegen. Der Korso von neun Schiffen wird auf einen anderen Zeitpunkt verschoben. Damit wolle er allen von dem tragischen Unglück Betroffenen "ein Zeichen geben, dass wir in Gedanken bei ihnen sind und dass wir auf diese Weise mithelfen wollen, einen kleinen Teil der Last und der Ohnmacht zu tragen", sagte Thomas Hartmann, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. (dv)

Lesen Sie hier die Ansprache von Pfarrer Peter Annweiler

und das Grusswort von Thomas Hartmann, stv. Vorsitzender des Mannheimer Schiffahrtsvereins

[ Eintrag von: Ekma ]

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