Die Stadt Mannheim präsentiert sich mit den Erfindern Karl Drais und Carl Benz als Stadt der Mobilität. Auch die evangelischen Gemeinden sind in Bewegung. Wegen der hohen Kosten im Bauunterhalt prüfen Gemeinden seit einigen Jahren verstärkt Möglichkeiten, ihren Gebäudebestand zu verkleinern und dadurch deutlich Kosten zu sparen. Nun trennt sich im Mannheimer Süden die Immanuel-Pfingstberggemeinde mit Ausnahme der Pfingstbergkirche von ihrem derzeitigen Gebäudebestand.
Auf dem Areal, das bislang Pfarr- und Gemeindehaus, eine Kita und ein Kirchendienergebäude umfasst, wird ein deutlich kleineres Gemeindezentrum mit einer Kita errichtet. Auf dem Gelände der Immanuelkirche wird ein Investor noch im Jahr 2010 beginnen, in mehreren Bauabschnitten neuen Wohnraum in ökologisch hochwertiger Bauweise zu schaffen.
"Unsere zahlreichen und damit im Unterhalt kostspieligen Gebäude würden die Gemeinde in absehbarer Zeit vor unlösbare Probleme stellen, da wir sie nicht mehr finanzieren könnten", berichtet Pfarrer Hansjörg Jörger. Die in den 60er Jahren errichteten Bauten stammen aus einer Zeit, in der die demographische Entwicklung bei der Planung keine große Rolle spielte. "Inzwischen sind diese Gebäude mit ihrem hohen Energieverbrauch ein Kostentreiber, so dass wir uns Alternativen überlegen mussten", berichtet Pfarrer Jörger. Die Gemeinde entschloss sich in enger Beratung mit der Evangelischen Kirchenverwaltung, sich von den Gebäuden zu trennen, um die Gemeindearbeit auch weiterhin auf eine sichere finanzielle Basis zu stellen.
Auch die Lebenshilfe Mannheim, die im Gemeindehaus mit einem befristeten Mietvertrag untergebracht ist, ist von dieser Veränderung betroffen. Früh in diesen Veränderungsprozess mit eingebunden, hatte die Kirchenverwaltung der Lebenshilfe sinnvolle Alternativen angeboten. Besonders viel versprechend war dabei die Option, ins Gemeindehaus neben der Martinskirche in Rheinau-Süd zu ziehen. Denn mit der dortigen Kita ist die Lebenshilfe bereits kooperierend verbunden. Die Gespräche vor Ort waren schon recht weit fortgeschritten, doch nun hat die Lebenshilfe einen Rückzieher gemacht. "Aus für uns nicht erkennbaren Gründen hat die Lebenshilfe von dem synergiereichen Angebot wieder Abstand genommen", bedauert Dekan Günter Eitenmüller. "Es ist schade, denn Lage und Zustand des Gemeindehauses sind gut geeignet für eine Nutzung durch die Lebenshilfe."
Auch in der Martinsgemeinde bereitet man sich seit längerem auf Umstellungen vor. Das Gemeindehaus wurde bereits an die Evangelische Kirchenverwaltung zurückgegeben und damit für andere Nutzungen frei. "Die Einnahmen aus der Vermietung oder dem Verkauf des Gemeindehauses fließen in die bauliche Optimierung der Martinskirche, die dann bei Beibehaltung des sakralen Charakters multifunktional nutzbar sein wird", blickt Dekan Eitenmüller in die Zukunft. Von Stillstand ist die evangelische Kirche in Mannheim weit entfernt. (dv)
[ Eintrag von: Ekma ]