Mannheimer schreiben Bibel ab

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Entstanden ist das Projekt als „Schnapsidee“, sagt Pfarrer Stefan Scholpp von der ChristusFriedenGemeinde: Die ganze Bibel abschreiben von vorne bis hinten. Inzwischen haben sich schon viele Interessierte als „Abschreiber“ gemeldet. Das Projekt startete am 2. April in der Christuskirche mit einer Informationsveranstaltung und dem ersten Skriptorium.

Was bei der Klassenarbeit untersagt ist, dazu sind alle Mannheimerinnen und Mannheimer in den nächsten Monaten eingeladen: Abschreiben. Im Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ entsteht eine einmalige Mannheimer Bibel. Dafür gilt es, von Hand insgesamt 1.189 Kapitel mit rund 12.000 Versen abzuschreiben. Sie werden vermutlich 3.500 Seiten füllen.

Bibel-Projekt trifft einen Nerv

„Wir wollen die Bibel ins Gespräch bringen und in die Stadt tragen“, beschreibt Pfarrer Scholpp das verwegene Projekt. Anfänglich Zweifel, ob das zu schaffen sei, sind abgelöst durch Begeisterung. „Es scheint einen Nerv zu treffen, sich mit diesem Text auseinanderzusetzen.“ Inzwischen gebe es schon einige Paten für die insgesamt 66 Bücher der Bibel, so Scholpp. Gemeinsam mit den beiden Gemeindemitgliedern und Fachleuten Dr. Michael Wegner (ehemaliger Synodenvorsitzender und Vorstand beim Bibliographischen Institut) und Dr. Klaus Hohlfeld (ehemaliger Leiter der Stadtbibliothek Mannheim) organisiert er das Vorhaben.

Papier, Stifte und Buchbindung

Auch in den Materialien sei das Bibelprojekt ein Mannheimer Projekt, sagt Dr. Wegner: Bei der Frage um die Papierqualität brachten sich Experten des TECHNOSEUMS mit ein. Das mit Linien bedruckte lichtbeständige Papier, auf dem geschrieben wird, stammt von der Mannheimer Buchdruckerei Schwörer. Die Mannheimer Buchbinderin Annette Schrimpf wird die handschriftlichen Seiten zu einem fünf Bände umfassenden Werk binden.

Die Gedanken haben Zeit, den Worten zu folgen

Die Bibel selbst lesen und verstehen können, das war eines der zentralen Anliegen Martin Luthers. Auch das greift das Abschreibe-Projekt auf. Denn die Erfahrung zeige ganz deutlich, berichtet Pfarrer Scholpp, dass beim Schreiben die Gedanken Zeit haben, den Worten zu folgen. Abschreiben, betont auch Dr. Hohlfeld, „erzeugt ein anderes Verstehen des Textes. Man achtet auf den Text in seiner Gesamtheit und nicht als Fragment“. Die elementare Erfahrung des Schreibens hält er im heutigen, stark digitalisierten Alltag für besonders bedeutsam.

Mitmacher waren gesucht. Schönschrift nicht erforderlich

Mitmachen konnten bei dem Projekt alle, unabhängig von Konfession oder Religionszugehörigkeit. Papier, den besonderen Kugelschreiber und eine Anleitung gab es kostenlos im Pfarrbüro. Dort konnten sich Mitmacher melden und auch, so es nicht schon vergeben war, ein Lieblingskapitel angeben. Schön müsse die Handschrift nicht sein, leserlich wäre hilfreich, so Scholpp.

Martin Luther übersetzte im Herbst 1521 auf der Wartburg in nur elf Wochen sprachschöpferisch das Neue Testament ins Deutsche. Die jüngste Revision erschien letztes Jahr als „Lutherbibel 2017“. Die Mannheimer Bibel soll am Reformationstag 31. Oktober 2017 in einem festlichen Gottesdienst in der Christuskirche präsentiert werden.

Infos: Pfarrbüro ChristusFriedenGemeinde, Montag bis Freitag von 10-12 Uhr, Mittwoch von 16-18 Uhr, Tel. 0621 / 43031920, Mail: christusfriedengemeinde@ekma.de

 (dv)

Weitere Informationen unter: http://mannheimer-bibel.de/

Aktuelle Berichte:

60 Prozent des Bibeltextes bereits vergeben (18.04.2027)

Auftakt mit Mitschreibern (03.04.2017)

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Dr. Klaus Hohlfeld (li), Pfarrer Stefan Scholpp (Mitte) und Dr. Michael Wegner vom Projekt-Team „Mannheimer Bibel“ freuen sich über alle Abschreiber. Foto: de Vos

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Bibelstelle gedruckt – und handgeschrieben. Geschätzt 3.500 handschriftliche Seiten wird die Mannheimer Bibel umfasst. Foto: de Vos