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Reformation und Toleranz

Festgottesdienst in der CityKirche Konkordien. Margot Leichsenring mit Konkordienmedaille ausgezeichnet. Predigt von Reinhold Bernhardt

"Eine gute Seele unserer Gemeinde"

"Schwester Margot ist die gute Seele unserer Gemeinde. Es ist ein Segen, dass sie da ist", würdigte Stadtsynodenvorsitzender Friedhelm Klein das Wirken von Margot Leichsenring in seiner Laudatio. Seit mehr als 45 Jahren ist sie in der Neckarauer Matthäusgemeinde fest verwurzelt. Bereits während ihrer Berufstätigkeit als Leiterin des Margarete-Blarer-Haus für geistig, körperlich und mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche setzte sie sich ehrenamtlich in der Gemeinde ein und half mit, wo es notwendig war. So hat sie beispielsweise lange ehrenamtlich im Pfarrbüro mitgearbeitet und vertritt die Kirchendienerin bis heute. "Von erster Stunde an" hat sie im Hospizdienst und bei der Vesperkirche mitgearbeitet. All das tue sie als Selbstverständlichkeit. "Das ist doch ein Geschenk, dass ich noch Menschen helfen kann, dass ich noch etwas tun darf und nicht vor der Glotze versauern muss", zitiert Klein die heute 83-Jährige.

Auch Erster Bürgermeister Christian Specht, der in seinem Grußwort die Grüße des Oberbürgermeisters und des Gemeinderats überbrachte, dankte Frau Leichsenring für ihre Tätigkeit und ihr Engagement in der Kirche, denn "der Geist der Gemeinde ist geprägt von Persönlichkeiten". Er betonte den festen Halt, den der Glaube gebe, vor allem in Situationen, in denen Schicksalsschläge und auch menschliches Fehlverhalten ertragen werden müssten. 

Magna charta der christlichen Toleranz

Die "magna charta der christlichen Toleranz", so Festprediger Bernhardt, stehe im Matthäus-Evangelium 13, Vers 24-30, im Gleichnis vom Unkraut: In einer Nacht- und Nebelaktion habe jemand ein tückisches Unkraut zwischen den Weizen des Bauern gesät. Doch dieser versucht nicht, es herauszureißen, denn zu sehr gleicht das Unkraut in Korn und Wuchs dem Weizen: "Lasst beides wachsen, denn letztlich wisst ihr nicht, was Weizen und was Unkraut ist". Dieser Satz, so Bernhardt, sei der Toleranzansatz schlechthin geworden. Die Unterscheidung gebühre Gott allein. Für die heutige Zeit resultiere daraus, dass nicht jeder Zweck jedes Mittel heilige: Eine Selbstbeschränkung der Mächtigen sei notwendig, es dürfe keine endgültigen Strafen geben, keine gerichtliche und keine militärische Todesstrafe wie beispielsweise die Tötung durch Drohnen. Auch für die aktuelle Diskussion über verschiedene Partnerschafts- und Lebensformen gelte der Toleranzansatz. "Nicht die Gestalt einer Partnerschaft ist entscheidend, sondern ihr Gehalt", betont Bernhardt, die Akzeptanz anderer Lebensformen bedeute keine Abwertung der Ehe zwischen Mann und Frau. Die Toleranz aus dem Glauben heraus, für den die evangelische Kirche eintrete, bedeute einen respektvollen Umgang mit Andersgläubigen. "Wo sich die Kirche auf ihren Grund besinnt, der sei trägt, da wird die Kirche offen für andere Glaubens- und Lebensformen", sagte Prof.  Bernhardt.
Lesen Sie hier die Predigt.

2014 beginnt mit dem Themenjahr "Reformation und Politik" die zweite Halbzeit der Lutherdekade: 2017 werden 500 Jahre Reformation gefeiert.

Margot Leichsenring erhält Konkordienmedaille. Lesen Sie hier die Laudatio.