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"Die Vesperkirche stellt die Gerechtigkeitsfrage"

17. Mannheimer Vesperkirche beginnt am 6. Januar 2014



Der Geschmack vom Reich Gottes

"Die Vesperkirche bringt uns zu unserem christlichen Grundauftrag", sagt Dekan Ralph Hartmann. Sie biete praktische Hilfe, setze ein politisches Zeichen und habe eine prophetische Dimension:„Sie vermittelt den Geschmack vom Reich Gottes, denn sie kehrt die Verhältnisse um“, betont er. "Menschen, die sich sonst eher als Belastung erleben und wenig Wertschätzung erfahren, werden in der Vesperkirche respektvoll, freundlich und als Gäste behandelt", führt er aus. An gedeckten Tischen werden die Bedürftigen von Helfenden bedient. Täglich sind 50-60 Ehrenamtliche im Einsatz. Sie geben Essen und Getränke an die Bedienungen aus, bedienen an den Tischen, bereiten die Vesperbeutel vor, spülen das Geschirr. "Es wird Außergewöhnliches geleistet, damit hier Außergewöhnliches geschieht",so Hartmann.

Vesperkirche ändert nicht die Verhältnisse, doch viel für die Bedürftigen

Als die Mannheimer Vesperkirche 1998 startete, ging es darum, das Tabu-Thema Armut in Deutschland ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Inzwischen, so Pfarrerin Ilka Sobottke von der CityKirche Konkordien, wo die Vesperkirche stattfindet, sei Armut "kein Aufreger" mehr. "Es ist beschämend, dass die Existenz von Armut inzwischen als eine Selbstverständlichkeit hingenommen wird", sagt sie. Dabei klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander, die Armut wächst stetig, in Mannheim leben mehr als 10 % der Bevölkerung von Hartz IV, in Deutschlandland sind knapp 19,6 % von Armut und damit von sozialer Ausgrenzung betroffen, erläutert Peter Hübinger, Direktor des Diakonischen Werks.

„Wir sind kein politischer Akteur, die gesetzlichen Rahmenbedingungen können nicht wir ändern“, so Dekan Hartmann. "Doch es macht einen großen Unterschied, ob es einen Ort wie die Vesperkirche gibt oder nicht". Für die Öffentlichkeit stellt sich dort täglich die Frage nach Gerechtigkeit. Für die Gäste bedeutet die Vesperkirche eine wertvolle und positive Erfahrung in einem winterkalten Monat, ein Miteinander mit anderen Bedürftigen und mit Helfenden sowie die Möglichkeit, ohnehin sehr knappes Geld sparen zu können.

Die Mannheimer Vesperkirche hat vom 6. Januar bis 2. Februar täglich von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Mittagessen gibt es bis 14 Uhr. Täglich sind bis zu 60 Ehrenamtliche im Einsatz, darunter viele Mannheimer Schülerinnen und Schüler. Die Vepserkirche wird von einer Predigtreihe begleitet, die immer sonntags um 10 Uhr unter dem Thema "vom himmel reich" steht. In diesem Jahr gibt es erstmals drei Benefizkonzerte: mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester (12. Januar, 17 Uhr), dem SAP-Sinfonieorchester (19. Januar, 18 Uhr) und den Friends for Vesperkirche (26. Januar, 17 Uhr). Die Vesperkirche lebt vom freiwilligen Engagement der insgesamt 500 Helfenden.
Die Aktion kostet pro Jahr mehr als 90.000 Euro und wird durch Spenden finanziert. Spendenkonto: Evangelische Bezirksgemeinde Mannheim, Sparkasse Rhein Neckar Nord, BLZ 670 505 05, Konto-Nr. 3900 3007, Stichwort: Vesperkirche. Am 1.2.2014 kommt die SEPA-Umstellung. Dann kommt die Spende unter Angabe der neuen IBAN-Kontonummer sicher an: IBAN: DE44670505050039003007; BIC: MANSDE66XXX (für SEPA-Überweisungen vor dem 1.2.2014).

In Baden-Württemberg gibt es inzwischen 27 Vesperkirchen. Die Mannheimer gehört mit Stuttgart und Reutlingen zu den ältesten Angeboten. Info: www.vesperkirche-mannheim.de(dv)