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Gutachten stellt "eine niederschmetternde Diagnose"

Feudenheim: Zukunft der Epiphaniaskirche ist ungewiss

Der Beton bröckelt Der Kirchturm ist bereits seit mehreren Jahren gesperrt. Zum 50. Geburtstag der Epiphaniaskirche wird nun deutlich, wie schlecht ihr baulicher Zustand ist. Betonkorrosion hat der Stahlbetonkonstruktion und der Fassade zugesetzt, der Beton bröckelt. Holzverstärkungen schützen die großen Glasfenster an der Eingangswand vor dem Herausfallen, die markante Wabenfassade ist nicht mehr zu retten. Ein aktuell vorgelegtes Gutachten des renommierten Mannheimer Büros Bräuer + Späh kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. Aufgrund der "gravierenden Schäden an der Betontragstruktur sowie an der Betonfassade" bestehe "dringender Handlungsbedarf". Die "Standsicherheit der Tragstruktur" sei "zwar noch gegeben", doch bestünde eine "erhebliche Gefahr für einzelne Bauteile", insbesondere für die markante Süd- und die Nordfassade. Nur eine aufwändige Betonsanierung könnte die Kirche erhalten. "Die Fensterwand ist nur zu retten, wenn anstelle der kaputten Wabenwand eine neue Fassade gesetzt wird, die die Fensterwand vor Licht- und Witterungseinflüssen schützt", sagt Gutachter Felix Späh. Hinzu kämen weitere erforderliche Baumaßnahmen und erhöhte Instandhaltungskosten. Die Sanierung werde auf mehr als 2 Millionen Euro geschätzt. Geld, das die Evangelische Kirche in Mannheim nicht hat. Im Doppelhaushalt 2014/15 sind für die Sanierung und den Bauunterhalt aller 31 Kirchen sowie der Gemeinde- und Pfarrhäuser in der Bezirksgemeinde Mannheim 2,8 Millionen Euro eingeplant. "Eine niederschmetternde Diagnose" stelle das Gutachten, sagt Dekan Hartmann. Die ursprünglichen Planungen für Gebäudeoptimierung in der Feudenheimer Gemeinde, bei der die Epiphaniaskirche nicht in Frage stand, sind schon weit fortgeschritten. Denn der Feudenheimer Gebäudebestand, bei dem an zwei Standorten, an der Johannes- und an der Epiphaniaskirche, je das komplette Ensemble von Kirche, Gemeindehaus samt Kita und Pfarrhaus, vorhanden ist, ist nicht mehr finanzierbar. Nun müsse aufgrund des neuen Sachstandes neu überlegt werden, so der Dekan. Die Stimmung im Ältestenkreis ist sehr gedrückt, wie dessen Vorsitzende Dorothea Horz berichtet. Ein Teil hoffe auf den Erhalt der Kirche, ein anderer Teil sei auch bereit, eine Entscheidung gegen deren Erhalt mitzutragen. "Wir sehen den Ernst der Lage und gehen verantwortungsvoll mit ihm um", so Horz. Der Ältestenkreis der Gemeinde ist über das Gutachten informiert, die innerkirchlichen Gremien der Bezirksgemeinde Mannheim beraten nach der Sommerpause, in einer Gemeindeversammlung im November informiert Dekan Hartmann über das weitere Vorgehen und präsentiert dann eine mit den kirchlichen Leitungsgremien und der Gemeinde vor Ort abgestimmte angestrebte Lösung. Die Epiphaniaskirche entstand 1963-1965 nach Plänen des Mannheimer Architekturbüros Lange und Mitzlaff. Im ersten Bauabschnitt waren bereits 1956/57 das Gemeindehaus mit Kita und Jugendräumen sowie das Pfarrhaus entstanden. 1963-65 folgten die Kirche und der 28,5 Meter hohe, freistehende Glockenturm. Kennzeichen des kubusförmigen Baus sind die gelben Klinkerwände sowie die in Betonwaben aufgelöste Altarwand mit der künstlerischen Verglasung des Tuttlinger Künstlers Emil Kiess. Die Kirche, in der ein Mal pro Monat Gottesdienst gefeiert wird und die seit 2008 unter Denkmalschutz steht, bereichert durch Konzerte und Ausstellungen das Kulturleben im Stadtteilt. Sie gehört gemeinsam mit der Johanneskirche, die im alten Ortsteil steht, zur Evangelischen Gemeinde Feudenheim. Auch die Johanneskirche hat einen beachtlichen Sanierungsbedarf. (dv)