Aktuelles

"Kirche kann sich nicht aus der Politik heraushalten"

Festgottesdienst am Reformationstag. Friedhelm Klein erhält Konkordienmedaille

Der 73-Jährige erhält diese höchste Ehrung der Evangelischen Kirche in Mannheim für sein ehrenamtliches Engagement.

Die Kirche, so Engelhardt in seiner Predigt, dürfe "die säkulare Welt nicht sich selbst überlassen" und die politisch Verantwortlichen "nicht im Regen stehen lassen". Gerade auch angesichts der Bilder aus Kobane/Syrien und der Ebola-Nachrichten dürfe sich die Kirche nicht "abwenden von der Welt mit ihren uns in diesen Wochen so verstörenden Realitäten". Denn wer wegschaue, "der schaut weg vom Gekreuzigten"."Gott hat sich in unseren Niederungen seinen Platz gesucht, damit wir dort die Kraft erhalten, nicht wegzuschauen und damit wir das Vertrauen haben, dass Hoffnung aufblühen kann."

Aktuelle Themen: Flüchtlinge. Aktive Sterbehilfe

Aus zwei Politikfeldern, betonte Engelhardt, könne „sich Kirche – und das sind wir ja alle – heute nicht heraushalten“,nämlich die aktive Sterbehilfe und die Flüchtlinge. Wenn laut Umfrage 67 % der bundesdeutschen Bevölkerung sich für aktive Sterbehilfe aussprächen, müsse diskutiert werden, was Christen das von Gott gegebene Leben wert sei, auch das begrenzte, hilflos geworden nicht mehr selbstbestimmte Leben. Zentral sei auch die Frage, wie die Kommunen mit den oftmals traumatisierten Flüchtlingen umgehe. Er erinnerte an den Propheten Jeremia, der die religiöse und politischen Elite Jerusalems, die nach Babylon vertrieben wurde, in seinem Brief auffordert: "Suchet der Stadt Bestes". Die sich fremd fühlen, werden aufgefordert, zum Gedeihen der Stadt beizutragen. "Was für ein Perspektivwechsel!", so Engelhardt. "Den Einheimischen wird zugetraut, die Fremden nicht als Last anzusehen, sondern als Mitgestaltende. Dazu bedarf es der vom Evangelium ermutigten Phantasie".

Auszeichnung für Friedhelm Klein

In seinem Wirken als Synodenvorsitzender von 2008 bis 2013 hat Friedhelm Klein den Kurs der Bezirksgemeinde maßgeblich mit geprägt, sagte Hannelore Dänzer in ihrer Laudatio auf den Träger der Konkordienmedaille 2014. Der Dank gelte auch seiner Ehefrau, die dem absehbar zeitaufwändigen Engagement ihres Mannes zugestimmt hatte. Auch Erster Bürgermeister Christian Specht würdigte stellvertretend für den Oberbürgermeister und die politische Gemeinde Mannheims in seinem Grußwort Friedhelm Kleins Einsatz für die Menschen in der Stadtgesellschaft. Auch bei schwierigen Entscheidungen habe Klein nie den Humor verloren und stets Freude ausgestrahlt, die er sicherlich auch aus seinem Glauben schöpfe. Mit Hinweis auf die Initiative der evangelischen Kindervesperkirche betonte Specht, er schätze die evangelische Kirche auch dafür, dass sie oftmals auf Missstände hinweise. Er selbst sehe die Bergpredigt als die Basis dafür, dass "es uns gelingt, miteinander friedlich im Sinne Gottes und in Achtung der Würde des Einzelnen zu leben".

Ein „Bohai“ für einen prägenden Mitgestalter

Er wolle kein Aufhebens um seine Person,„machen Sie bloß kein großes Bohai“, so reagierte Friedhelm Klein, als er von der Auszeichnung erfuhr. Ein Bohai hatte er um seine Mitarbeit in der Evangelischen Kirche nie gemacht, die er gleichwohl als Synodenvorsitzender durch bewegte Gewässer begleitet hatte. Die Haushaltskonsolidierung, Zusammenschlüsse von Gemeinden und auch der Abriss von Kirchen waren Herausforderungen seiner Amtszeit. Inhaltliche Akzente setzten die Themen Armut von Kindern, Ehrenamt sowie Schule und Gemeinde. Die Stärkung der Ökumene in Mannheim fand Ausdruck in der Fortschreibung der Ökumenischen Rahmenvereinbarung. Mit dem Beschluss, die evangelischen Heime zu stärken, verdeutlichte die Kirche zudem ihren"Auftrag, für die Menschen Sorge zu tragen, die unserer kirchlichen Aufmerksamkeit immer mehr bedürfen", führte Dänzer aus. Die Stärke der evangelischen Kirche in Mannheim, so zitierte sie Klein, läge darin, dass verkündende Kirche und Diakonie nicht nebeneinander existierten, sondern "sich als zwei Seiten einer Medaille verstehen".

Friedhelm Klein ist ehrenamtlich seit mehr als 50 Jahren in der evangelischen Kirche engagiert. In der Pfingstberggemeinde, in der er sich in der Jugendarbeit engagierte, war er seinerzeit der jüngste Kirchenälteste. Auch in seinen Berufsjahren als Historiker im Dienst der Bundeswehr, wo er überwiegend im Bereich militärgeschichtlicher Forschung und Lehre tätig war, bleib er seiner Kirche eng verbunden. Als er nach zahlreichen beruflichen Ortswechseln nach Mannheim zurückkehrte und 2007 in der Markusgemeinde ins Ältestenamt gewählt wurde, sprach ihn der damalige Dekan Günter Eitenmüller auf das Amt des Synoden-Vorsitzenden an. Klein kandidierte und wurde mit großer Mehrheit von den Synodalen gewählt. Sichtlich bewegt nahm er nun von seiner Nachfolgerin Hannelore Dänzer die Konkordienmedaille entgegen. Sein Mitwirken in der evangelischen Kirche habe er "immer als ein unglaubliches Privileg und Geschenk zugleich angesehen", sagte Klein. Er werte die Auszeichnung "als ein besonderes Zeichen der Wertschätzung des ehrenamtlichen Dienstes der vielen Frauen und Männer, die in unserer Evangelischen Kirche in Mannheim und ihren Gemeinden unermüdlich Dienst tun." (dv)

Bildunterschrift: Hannelore Dänzer und Dekan Ralph Hartmann gratulieren Friedhelm Klein zur Konkordienmedaille 2014. Foto: ekma/dv

Lesen Sie hier die Predigt von Prof. Dr. Klaus Engelhardt

Zurück zur Liste