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Spirituelle Kraft des Kinos

Ökumenischer Filmempfang zum Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg

Die Themen der Filme ließen sich im Zeitgeschehen in den Schicksalen von Flüchtlingen aus Syrien und Irak, von verfolgten Christen in Nigeria und Sudan oder stellvertretend für Hoffnungslose und Gestrandete in Mannheim, Deutschland und der westlichen Welt in der Realität fortschreiben, so Jung. Daher sei es umso wichtiger, dass auch in diesem Jahr wieder eine Fachjury, bestehend aus Mitgliedern des Netzwerks kirchlicher Filmarbeit INTERFILM und der Katholischen Filmkommission SIGNIS, am 16. November im Stadthaus N1 den mit 1500 Euro dotierten Ökumenischen Filmpreis vergeben wird.

Der Präsident der Ökumenischen Jury, Alain Le Goanvic, der das Buch eine „Kleine Kinotheologie“ von Michel Cazenave und Jean Collet zitierte, pflichtete Dekan Jung bei. Großes Kino entstehe durch den Blick auf den verlorenen Menschen, der in seiner inneren Not, Verirrung und Versuchung mitnähme, eine Botschaft, eine Realität, ein Hoffen hinter den Bildern kreiere. „Ein Film ist dann ein großer Film, wenn er ein Jenseits des Bildes erschließt“ – also mitnimmt auf eine ganz reale spirituelle Reise.

Von einer solchen aktuellen Reise berichtete der stellvertretende Vorsitzende der evangelischen Stadtsynode, Pfarrer Stefan Scholpp, vor dessen Wohnzimmerfenster seit mehreren Nächten eine Frau auf einer Bank übernachtet. „Das ist ein Bild, das mich beschäftigt und nach dem Menschlichen in unserer Gesellschaft fragen lässt“. Das zeige, welche Kraft von einer Momentaufnahme kontrastierender Lebensrealitäten ausgehe. Und auch beim Filmfestival passiere genau das: „Hier werden Miniaturen ins Gespräch gebracht“, so Scholpp. Damit aus diesen Miniaturen ein bewegendes Bild der Realität – des Lebens wie der weltweiten Bandbreite von individuellen Filmen – entsteht, ist für das 63. Internationale Filmfestival eine feinfühlige und gleichzeitig radikale Auswahl nötig. Das bestätigte Festivaldirektor Dr. Michael Kötz, der die „unverschämte, erzwungene Auszeit“, die der Ökumenische Filmempfang seit vielen Jahren von ihm im Festivalalltag fordert, nicht mehr missen möchte.

Die Auswahl an Wettbewerbsbeiträgen bewertet die ökumenische Jury mit Präsident Alain Le Goanvic, Aix-en Provence (Frankreich), Markus Leniger, Schwerte (Germany), Nathalie Resch, Graz (Österreich), Christin Ris, Schüpfen/Bern (Schweiz) und Isolde Specka aus Mannheim (Deutschland), hinsichtlich ihrer filmischen Komposition, ihrer Darstellung menschlicher Erfahrung und in wie weit sie im Einklang mit Lesarten der Bibel steht. Für Spiritualität, existenzielle wie soziale Fragen, aber auch mit Blick auf den interreligiösen Dialog zu sensibilisieren, das alles muss daher ein mit dem Ökumenischen Filmpreis ausgezeichnetes Werk leisten. (schu / Bilder: ekma.de/dv & kathma.de)