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Ökumenischer Flüchtlingsgottesdienst in Karlsruhe

LANDESBISCHOF CORNELIUS-BUNDSCHUH UND ERZBISCHOF BURGER: „GOTTES BARMHERZIGKEIT ZEIGEN UND AUSBREITEN"


„Viele beruflich und ehrenamtlich Engagierte haben in den letzten Monaten Christus ihre Hände und Füße, ihre Ohren und ihren Mund zur Verfügung gestellt, damit Gottes Barmherzigkeit sich in unserer Stadt zeigen und ausbreiten konnte“, würdigte der evangelische Landesbischof von Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh, in der Lutherkirche Karlsruhe das vielfältige Engagement. Erzbischof Stephan Burger (Erzbistum Freiburg) erklärte: "Lassen wir nicht zu, dass sich eine Stimmung in unserem Land Bahn bricht, die Ängste schürt, die jeglicher Grundlage entbehren."

Menschen, die sich ehrenamtlich oder beruflich für Flüchtlinge engagieren, werden nach den Worten von Erzbischof Stephan Burger "zu Freudenboten, die Rettung bringen" und zu Botschaftern der Hoffnung: "Sie sind Zeugen der Liebe Gottes. Ja, Gott wirkt auch heute – durch uns und mit uns. Denn Menschen brauchen mehr als ein Dach über dem Kopf, als Essen und Trinken und ein Bett zum Schlafen." Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh äußerte die Hoffnung dass die Flüchtlinge in Deutschland endlich zur Ruhe kommen: „Wir vertrauen darauf, dass Gott Ihre Not sieht und wenden wird. Dass Gott Ihnen und unserer Welt Frieden und Gerechtigkeit schenken wird.“

Erzbischof Burger verwies auf die derzeit notwendige "Nahrung für die Seele", nämlich Zuwendung und Wertschätzung: " Eine Gesellschaft, die sich dieser Aufgabe nicht mehr stellen würde, wäre eine arme Gesellschaft, auch wenn sie materiell noch so reich wäre." Eine Gesellschaft aber, die dem Frieden diene, die Gerechtigkeit und Solidarität fördere, sei im tiefsten Sinne des Wortes„wohl-habend“, da sie das Wohl der Menschen im Blick habe: "Sie alle, die Sie sich für Flüchtlinge engagieren, bezeugen eindrucksvoll, dass die Botschaft der Heiligen Schrift keine Botschaft aus der Vergangenheit ist, sondern dass sie auch heute Wirkung hat und in die Zukunft weist. Sie, die Sie helfen, handeln so, wie auch sie behandelt werden wollten, wenn Sie selbst auf der Flucht wären." Engagierte in der Flüchtlingsarbeit seien wertvolle Begleiter: "Sie gehen viele Wege für die Menschen und mit den Menschen. Sie bauen Brücken; leben Miteinander statt Gegeneinander; stiften Versöhnung statt Vorurteile; zeigen Verantwortung statt Desinteresse, leben Gemeinschaft statt Egoismus – das sind Markenzeichen derer, die aus der Kraft Gottes leben, das sind die Brücken in eine menschliche Zukunft."

Beide Bischöfe dankten den Engagierten für ihren Einsatz in der Flüchtlingsarbeit: "Es lohnt sich, die Sprache der Verständigung zu sprechen, das Alphabet von Frieden und Liebe zu erlernen. Durch das Wort Gottes, das Mensch geworden ist, durch den Glauben an Jesus Christus könne Wirklichkeit werden, was wir alle ersehnen: eine Welt als Gemeinschaft aus vielen Völkern, Nationen und Sprachen. Eine Welt, die auch in finanziell und wirtschaftlich schwierigen Zeiten getragen ist von Solidarität und Frieden: Weil wir um die Verantwortung vor Gott und den Menschen wissen. Das Wort Gottes wirkt in uns Menschen, wird lebendig durch unser Tun und ermöglicht auch so manches, was zunächst für unmöglich gehalten wurde.“

Die beiden großen christlichen Kirchen wollen in ihrem Einsatz für Flüchtlinge auch im Jahr 2015 eng zusammenarbeiten und die Aktivitäten koordinieren. Die evangelische Landeskirche und das katholische Erzbistum haben zusätzlich in diesem Jahr insgesamt mehr als 5,1 Millionen Euro bereitgestellt, um Asylbewerbern zu helfen, Engagierte in der Flüchtlingsarbeit zu betreuen und zudem Flüchtlinge in Nordirak und in Syrien zu unterstützen, die dort in Notunterkünften den Winter überleben müssen. Seitens des Erzbistums wurden 15 kirchliche Gebäude bereitgestellt, um Flüchtlinge unterzubringen und so die Städte und Gemeinden bei der Suche nach Unterkünften zu unterstützen. Die badische Landeskirche wird für die nächsten drei Jahre die Flüchtlingssozialarbeit um sechs Stellen ausbauen. Beide Bischöfe hatten in den vergangenen Wochen die Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) für Flüchtlinge in Karlsruhe besucht und das persönliche Gespräch mit Flüchtlingen und engagierten Begleiterinnen und Begleitern gesucht. Der Gottesdienst in Karlsruhe war auch in arabischer Sprache mitgestaltet worden - von Priester Abud Dis von der syrischen antiochenisch-orthodoxen Kirche.