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Menschenwürde und Zukunftsperspektiven

Synode: Unterstützung für Flüchtlinge. Trauer über die Anschläge in Paris.

Menschenwürde und Zukunftsperspektiven

(16.11.15) Auf der zweitägigen Herbstsitzung beschloss die Synode der Evangelischen Kirche in Mannheim ein Grundsatzpapier zur Unterstützung Flüchtender. Darin fordert sie, dass das Asylrecht „unstrittiger Bestandteil unserer Gesetzgebung“ bleibe. Zudem sollen auch von der Landeskirche ausreichende Mittel für die Arbeit in den Erstaufnahmeeinrichtungen und die Betreuung unbegleiteter Minderjähriger zur Verfügung gestellt werden. Als „Flüchtlingspaten“ wollen die christlichen Gemeinden Flüchtlingen, die einen Aufenthaltsstatus erhalten, dabei unterstützen, eine „Perspektive für ihre Zukunft“ zu finden.

Überschattet war der zweite Synodentag mit seinem inhaltlichen Schwerpunkt „Menschen auf der Flucht – Menschen in Mannheim“ durch die grauenvollen Anschläge in Paris. „Es ist wichtig, dass wir weiterhin tun, was dem Frieden und dem Leben dient. Es ist wichtig, dass wir als Religionen Farbe bekennen.“ Mit diesen Worten begrüßte Schuldekan Andreas Weisbrod die knapp 100 Synodalen am Samstagmorgen. Dekan Hartmann betonte, es sei „pervers, im Namen Gottes zu töten“. Aufgabe der Kirche sei, sich an die Seite der Schutzbedürftigen zu stellen, die vielfach wegen Gewalt und Terror aus ihren Heimatländern fliehen.

Kirche und Diakonie seien dabei in drei großen Handlungsfeldern aktiv: Schon seit vielen Jahren bieten Diakonisches Werk und Caritasverband sozialdiakonische Betreuung in der Landeserstaufnahme (LEA) an und wollen dies auch in den neuen Flüchtlingsunterkünften auf Spinelli und in den Hammond-Baracks tun. Die Bewerbung läuft. Auch in der seelsorgerlichen Betreuung der Flüchtlinge, die ja überwiegend religiös geprägt sind und von denen rund 10-20 Prozent Christen sind, ist die Kirche aktiv. Für den hohen Bedarf an seelsorgerlichen Angeboten möchte die Kirche in Benjamin Franklin Village einen Gebetsraum für Andachten und Gespräche einrichten. Als Drittes sei wichtig, Begegnungsräume und Netzwerke für gelingende Integration anzubieten. Dafür haben die beiden Kirchen zusätzlich ein ökumenisches Projekt gestartet, um durch Patenschaften 50 Flüchtlingsfamilien in 50 Mannheimer Gemeinden zu begleiten.

In vielen Gemeinden sind Initiativkreise in der Flüchtlingshilfe aktiv. Ehrenamtliche wirken in Kleiderkammern und beim Deutschunterricht, bei Näh-Treffen und in Kinderspielstuben, bieten Repair-Cafés an, laden zu internationalen Cafés, Stadtteilspaziergängen oder Chorprojekten ein und bieten vor allem eine breite Vernetzungsmöglichkeit für Hilfsbereite. Dazu gehört auch, Hilfe für Helfende anzubieten, die Ehrenamtliche bei ihrer durchaus belastenden Tätigkeit stützt. Über eine„ungebrochene Welle der Hilfsbereitschaft von Mannheimerinnen und Mannheimern“bestätigte auch Bürgermeister Michael Grötsch, der den Synodalen über die aktuelle Situation in Mannheim berichtete: „Sie leisten hier Hervorragendes.“

Doppelhaushalt 2016/2017 mit hohen Bauinvestitionen

Außerdem wurden der Synode die Eckpunkte des nächsten Doppelhaushaltes vorgestellt, der für 2016 ein Volumen von 60 Millionen Euro hat und 2017 59 Millionen Euro umfassen wird. Darin enthalten sind Bauinvestitionen in Höhe von insgesamt fast 20 Millionen Euro für Kitas, Kirchen und Gemeindehäuser sowie Mietimmobilien. Zukunftsorientiert ist auch die Neufassung der Geschäftsordnung, die die Synodalen beschlossen.

Kooperationsregionen und Dienstgruppen

Künftig gliedert sich die Bezirksgemeinde Mannheim nicht mehr in die vier Regionen Mitte, Nord, Süd und Ost, sondern in sieben Kooperationsregionen. Ziel dieser strukturellen Änderung ist es, stärker sozialräumlich orientiert zu wirken und gemeindeübergreifend noch intensiver zusammenzuarbeiten. In sogenannten überparochialen Dienstgruppen können die Gemeinden ihre Zusammenarbeit verlässlich definieren. Das erleichtert, Dienste und Angebote stellvertretend füreinander wahrzunehmen und ermöglicht eine Profilierung der Gemeinden. Die sieben Kooperationsregionen sind:

Kooperationsregion Süd: Johannes-Calvin-Gemeinde, Versöhnungs-, Martins-, Immanuel-Pfingstberg- und Erlösergemeinde
Kooperationsregion Almenhof-Lindenhof-Neckarau: Matthäus-, Markus-, Lukas- und Johannisgemeinde
Kooperationsregion Mitte: Thomas-,ChristusFriedenGemeinde, CityGemeinde Hafen-Konkordien, Personalgemeinde Trinitatis
Kooperationsregion Neckarstadt: Gemeinde in der Neckarstadt, Paul-Gerhardt-Gemeinde
Kooperationsregion Ost: Gemeinde Feudenheim, Petrus- und Vogelstanggemeinde, Gemeinde Käfertal und im Rott,
Kooperationsregion Waldhof-Gartenstadt: Auferstehungs-, Gnadengemeinde, Gemeinde Waldhof-Luzenberg
Kooperationsregion Nord: Schönau-und Dreieinigkeitsgemeinde

In allen Kooperationsregionen sollen beispielsweise die Glaubenskurse weitergeführt werden, die im Januar 2015 feierlich im CityAirport Mannheim starteten. An den insgesamt 80 Kursen in der Metropolregion, davon 25 allein in Mannheim, hatten 1.000 Interessierte teilgenommen. Viele Mannheimer Gemeinden setzen dieses Angebot fort.

Zu Beginn der Herbstsitzung verabschiedeten Dekan Ralph Hartmann und Synodenvorsitzende Hannelore Dänzer den langjährigen ehrenamtlichen Vorsitzenden des Bauausschusses: Hans- Ulrich Waldmann hatte diese verantwortungsvolle Aufgabe 14 Jahre lang übernommen, dabei vier Abteilungsleiter erlebt. Er hat den Gebäudeoptimierungsprozess mit auf den Weg gebracht und dabei das Entstehen preisgekrönter Architektur (Gemeindezentrum Neuhermsheim) ebenso begleitet wie schmerzliche Entscheidungen wie den Abriss der Kreuz- und der Immanuelkirche. Hartmann und Dänzer dankten Waldmann, der weiterhin Synodaler bleibt, für sein langjähriges und kompetentes Engagement.(dv)