Aktuelles

"Fürchtet Euch nicht! Diese Worte des Engels führen uns zusammen"

Weihnachtsbotschaft von Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh

"Fürchtet Euch nicht! Diese Worte des Engels führen uns zusammen"

 

(21.12.2015) Weinheim/Karlsruhe. Der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh hat in seiner Weihnachtsansprache die Zusage des Engels Gottes in den Mittelpunkt gestellt: Fürchtet Euch nicht! Die Furcht habe gegenwärtig „ganz verschiedene Gesichter“ und zeige sich in den „großen politischen Fragen oder den ganz persönlichen Sorgen“. In Anlehnung an den Aufbruch der Hirten zur Krippe Jesu in biblischer Zeit ermutigte Cornelius-Bundschuh zur Bewegung, die der Furcht entgegentritt:„Wer aufbricht und in Bewegung kommt, der findet heraus, dass Begegnungen wichtig sind. Dass andere Menschen mich brauchen und ich andere Menschen brauche. Dass sie von mir Gutes erhoffen und ich ihnen Gutes geben kann.“

Die Weihnachtsansprache wurde in der Peterskirche zu Weinheim als Videobotschaft aufgezeichnet und kann auf www.ekiba.de angesehen werden. Hier der Wortlaut:

„Es ist Advent und es sind unsichere Zeiten. So wie damals, als Jesus geboren wurde. Da kommt der Engel Gottes zu den Hirten auf dem Feld und ruft ihnen zu: Fürchtet euch nicht, euch ist heute der Heiland geboren. Fürchtet euch nicht, das ist für mich in diesem Jahr der wichtigste Satz an der Weihnachtsgeschichte. Weil er in drei Worten ausdrückt, was die gute Botschaft ist an Weihnachten. Gottes Sohn kommt in unsere Welt und macht uns mutig und frei.

In vielen Kirchen wird in diesen Tagen das Krippenspiel vorbereitet. Am Heiligen Abend wird die Kirche voll sein. Viele Menschen werden kommen mit ihren Erwartungen, aber auch mit ihren Sorgen. Und sie hoffen auf die gute Nachricht: Fürchtet euch nicht!

Die Furcht hat ganz verschiedene Gesichter. Die großen politischen Fragen, wie überwinden wir Terrorismus und Krieg? Wie wird unser Gemeinwesen sich verändern, wenn so viele Menschen zu uns kommen, weil sie fliehen mussten. Weil sie Zuflucht suchen. Aber es sind auch ganz persönliche, kleine und große Sorgen. Ein Kind hat mir eine Karte geschrieben, auf der steht: Ich möchte so gerne, dass meine Familie zusammenbleibt und meine Eltern sich weniger streiten. Oder ein anderes: Ich hoffe, dass meine Oma gesund wird.

Die Hirten brechen auf, nachdem sie das Wort des Engels gehört haben. Sie brechen auf und begegnen anderen Menschen. Wer aufbricht, der kann hoffen. Wer aufbricht und in Bewegung kommt, der findet heraus, dass Begegnungen wichtig sind. Dass andere Menschen mich brauchen und ich andere Menschen brauche. Dass sie von mir Gutes erhoffen und ich ihnen Gutes geben kann. Viele Menschen haben das in diesem Jahr erlebt. Sie sind zu den Menschen gegangen, die in den LEAs und BEAs, in den Erstaufnahmeeinrichtungen und den anderen Flüchtlingsunterkünften leben. Und sie haben erlebt: Diese Menschen sind anders. Aber sie sind uns in ganz vielem auch ganz ähnlich. Sie suchen Frieden und Sicherheit. Sie wollen glücklich und zufrieden leben. Sie hoffen darauf, einen Ort zu finden, wo sie eine Heimat haben. Und jetzt fragen sie danach, wie können wir hier neu anfangen? Dabei bringen sie auch das mit, was sie an Traditionen, an Überlieferungen haben. Und was sie auch erst einmal verteidigen. Genau wie wir.

Fürchtet euch nicht! Dieses Wort des Engels führt uns zusammen. Es spricht uns gemeinsam an. Die Einen sind ängstlich und verzweifelt. Und dann sprechen die Anderen ihnen Mut zu und können sie stärken. Und wenn ich selber in Sorge bin, höre ich auf das Wort des Trostes.“

Vor einigen Wochen war ich im Familienzentrum in Lauchringen. 150 Menschen kommen hier jeden Tag und gehen ein und aus. Sie spielen miteinander. Behinderte Menschen und Menschen ohne Beeinträchtigung. Mittags essen Schülerinnen und Schüler und ältere Menschen gemeinsam in dem Café, das es dort gibt. Es gibt Sprachkurse für Flüchtlinge. Es gibt Krabbelgruppen. Vieles, was hier gemeinsam geschieht.

Fürchtet euch nicht! Euer Für- und Miteinander steht unter einem guten Stern. Weihnachten kommt Gott in unsere Welt. Gott fürchtet sich nicht davor, in diese Welt mit all ihren Konflikten zu kommen. Gott legt sich vertrauensvoll in unsere Arme. Und in diesen Armen erlebt er, dass er getragen ist. Und er lädt uns ein, das zu erfahren. Wir gehören zusammen. Wir sind eins in Christus.

Jesus geht weiter in die Welt, ohne Furcht. Er geht dorthin, wo Heilung gesucht wird. Versöhnung gesucht wird. Wo es um Frieden geht. Wir folgen ihm. Wir folgen ihm mal mutig und lauter. Und mal ganz leise und ganz zaghaft. Und sagen dann: Fürchtet euch nicht, euch ist heute der Heiland geboren!

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest!“

Zurück zur Liste