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4000 Besucher bei der Meile der Religionen

„Schade, dass es so etwas nicht häufiger gibt“

4000 Besucher bei der Meile der Religionen

(05.05.2016) Mit einem vielstimmigen „Hevenu Shalom – Wir bringen Frieden für alle!“ wurde die inzwischen vierte „Meile der Religionen“ auf dem Marktplatz in Mannheim eröffnet. Das „Forum der Religionen“ hat damit erneut ein deutliches Zeichen für Respekt und Toleranz gesetzt. An einer von Juden, Christen und Muslimen gedeckten Tafel kamen rund 4000 Menschen bei schönstem Sonnenschein unter freiem Himmel zusammen, um gemeinsam zu essen und zu reden.

„Wir respektieren einander und wir lernen voneinander. Wir stehen miteinander für den Frieden in unserer Stadt ein“, sagte der evangelische Dekan Ralph Hartmann beim gemeinsamen Tischgebet von Juden, Christen und Muslimen zur Eröffnung der „Meile“. Am Vorabend von Christi Himmelfahrt deckten insgesamt 49 Gemeinden und Initiativen einen 200 Meter langen Tisch zwischen der CityKirche Konkordien in R2 quer über den Marktplatz vorbei an St. Sebastian bis nach F3 an der Synagoge.

Die Veranstalter betonten ihre Verbindung im Glauben daran, dass Gott das Leben geschaffen habe und dass es Auftrag eines jeden einzelnen sei, für das Leben einzutreten. Das wurde in dem bekannten Psalm „Hebe Deine Augen auf zu den Bergen …“ deutlich, den die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Schoschana Maitek-Drzevitzky aus dem Hebräischen übersetzte. Dazu gehöre, so die Vertreter des Forums „sich gemeinsam gegen alle Strömungen und Gruppen von Innen und Außen zu wehren, die Zwietracht säen.“ Das werde möglich durch furchtlose Begegnung, Vertrauen und Barmherzigkeit, die der katholische Dekan Karl Jung anhand der Beispielerzählung vom „Barmherzigen Samariter“ aufzeigte. „Friedliches Miteinander erfordert eine Haltung, die im Willen zur Versöhnung und in der Ablehnung von Rache und Gewalt eindeutig ist.“

Dass offene Gespräche, das aufeinander Zugehen und einander Zuhören in Mannheim bestens funktionieren, war an den 99 reichlich gedeckten Tischen deutlich spürbar. Bei Pide, Chili con Carne, ökumenischem Obstsalat und Baklava ergaben sich Gespräche über Rezepte und Gemeinschaft, Gott und die Welt wie von selbst. Dabei klang der Impuls zum Meilenauftakt von Imam Cakmak vielfach nach: „Ihr Gläubigen, wenn ihr auf dem Weg Gottes wandert, sammelt erst einmal genug Wissen, und sagt zu keinem der euch freundlich grüßt: ,Du bist kein Glaubender.‘“

Auch die Abschlussgebete von Schoschana Maitek-Drzevitzky, Ekkehard Heicke (Arbeitsgemeinschaft Christliche Kirchen – ACK ) und Talat Kamran (Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog – MIID) hallten mit dem von der Sopranistin Carmen Buchert vorgetragenen Strophen von „Der Mond ist aufgegangen“ auf dem Heimweg nach. „Schade, dass es so etwas nicht häufiger gibt“, raunte eine Besucherin einer Freundin zu.

Für die Organisation der „Meile der Religionen“, bei der 17 Tische von muslimischen, 68 Tische von christlichen Gemeinden sowie Gemeinschaften und vier Tische von der jüdischen Gemeinde gedeckt worden waren, hatten im Vorfeld Peter Hübinger (Diakonisches Werk), Ulf Günnewig (katholischer Dekanatsreferent) wieder mit Bernd Knüppel (ehemals Bahnhofsmission) gesorgt. Um den Auf- und Abbau der Tische kümmerte sich ein Team der bosnischen Gemeinde und des Beschäftigungsförderungsprojekts des Diakonischen Werks.

(schu/dv // Fotos: kathma.de/ekma.de)