Aktuelles

Was die Welt im Innersten zusammenhält

Ökumenischer Filmempfang beim Internationalen Filmfestival

Was die Welt im Innersten zusammenhält

(18.11.2016) Filmtipps zweier Päpste, eine ökumenische Fachjury und die Suche nach Wahrheit von Theologen und Regisseuren lieferten die Vorlagen für einen spannenden Filmempfang im Haus der Katholischen Kirche. Hausherr Dekan Karl Jung und sein evangelischer Kollege Dekan Ralph Hartmann hatten zur 65. Auflage des Internationalen Filmfestivals Mannheim/Heidelberg die Juroren, die am Samstag, 19. November den Gewinner des mit 1500 Euro dotierten Ökumenischen Filmpreises küren werden, eingeladen. Auch Festivaldirektor Dr. Michael Kötz, Experten und Filmschaffende waren gekommen.
 
Überraschend war der Exkurs Dekan Jungs, als er aus Papst Franziskus` Schreiben „Amoris laetitia“ den Filmtipp zu „Babettes Fest“ zitierte. Ein Novum in einer päpstlichen Veröffentlichung, wie Jung hervorhob, ebenso wie die Botschaft des Films, die Papst Franziskus Botschaft an die Welt in wunderbaren Bilder gefasst habe: Freude mit anderen zu teilen und Freuden auch zu genießen. „Dadurch wird die große Chance, die in jedem Film liegt, deutlich: Nämlich dass dieser, wenn er gut ist, helfen kann, die Welt zu verändern“. Damit zeige sich auch die Bedeutung und Aufgabe von Filmfestivals: Sie identifizieren Themen, die anstehen, und leisten damit einen Beitrag, Veränderungen anzustoßen.
 
Dass sich genau das schon Papst Pius XII., der Filme noch durchaus kritisch im Blick hatte, vom Kino erhoffte, zeigte Dr. Peter Hasenberg auf. Die Rückblende in die 50er Jahre – also die Geburtsstunden des Internationalen Filmfestivals Mannheim/Heidelberg – umriss der Referent für Film- und Grundsatzfragen im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz wie folgt: Der Pontifex wünschte sich damals Filme, die Zuschauer froher, freier und innerlich besser machen sollten. In einer als postfaktisch charakterisierten Zeit auch heute ein überaus aktueller Wunsch, so Hasenberg. Denn der Prozess des Sehens löse in Kopf und Herz ein differenzierteres Erkennen aus, dass die Realität komplexer und spannender sei als das, was in kühlen Verstandskategorien zu erfassen ist. „Das Bauchgefühl sagt, was Realität ist.“
 
Und genau hier gäbe es große Überschneidungen im Tun von Theologen und Filmemachern konstatierte Dekan Hartmann: „Beide sind auf der Suche nach Wahrheit.“ Denn Filme seien nicht einfach Fenster zur Welt. „Auch sie suchen nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält. Sie zeigen, was nicht direkt sichtbar und greifbar und dennoch da ist.“ Um diese besondere „Gestimmtheit“, die Filme erzeugen können, wenn sie die Zuschauer wirklich erreichen, ging es Kötz bei der Filmauswahl in seinem 25. Jahr als Festivaldirektor. „Wenn man 65 wird, kann man entweder ein großes Fest feiern oder nur die besten Freunde einladen.“ Die Entscheidung fiel gegen flüchtigen Konsum aus, zugunsten von Newcomern mit Weltkino-Format.
 
Keine leichte Aufgabe also für die ökumenische Jury bestehend aus Mitgliedern des Netzwerks kirchlicher Filmarbeit INTERFILM und der Katholischen Filmkommission SIGNIS, wie Präsidentin Ingrid Glatz-Anderegg aus Aarwangen (Schweiz) bestätigt. Sie wählt gemeinsam mit Nicolae Cara, Bukarest (Rumänien), Dominik Gehringer, Schweinfurt (Deutschland), Franz Indra, Hamburg (Deutschland) und Magali Van Reeth, Aix-en-Provence (Frankreich) aus 19 Wettbewerbsbeiträgen den Gewinnerfilm für den Ökumenischen Filmpreis. (schu/dv // Bilder:kathma.de/schu// ekma.de/dv)