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"Zur Zukunft unserer Häuser"

Landeskirche präsentierte Zwischenstand der Reduzierung ihrer Gebäudekosten - Vorreiter Mannheim

"Zur Zukunft unserer Häuser"

(Mannheim / Karlsruhe 25.11.2016) Kirchenvertreter haben 25. November in Mannheim eine positive Zwischenbilanz des groß angelegten „Liegenschaftsprojektes“ gezogen. Zwei Jahre nach Projektstart ist es in vielen Gemeinden bereits zu kreativen Lösungen gekommen: So wurden in alte Kirchen neue Gemeinderäume integriert, und anstelle mehrerer, veralteter Gebäude wurden in zentraler Lage neue Gemeindehäuser erbaut. Als Vorreiter des Projektes erwies sich unter anderen der Stadtkirchenbezirk Mannheim. Bis zum Jahr 2025 sollen die Gebäudekosten in der gesamten Landeskirche um 30 Prozent reduziert werden.

„Mit dem Liegenschaftsprojekt will die badische Landeskirche ihren Gebäudebestand in den Gemeinden der demographischen und finanziellen Entwicklung nachhaltig anpassen“, erklärte Oberkirchenrat Stefan Werner (Karlsruhe). Dabei sei Baden Vorreiter im bundesdeutschen Vergleich der evangelischen Kirche. Vor allem Gemeindehäuser würden derzeit auf den Prüfstand gestellt. Ziel sei es auch, „vom kirchlichen Vereinshaus-Denken weg zu kommen, hin zu einem Haus für die gesamte Gemeinde“, sagte Werner – etwa durch ein evangelisches Gemeindehaus als gemeinsam getragenes Dorfgemeinschaftshaus, als diakonisches Gemeindehaus oder auch als „Dorf-Kirchenladen“. Anderseits könnten durch eine Verlagerung des Gemeindelebens vom Gemeindehaus in die Kirche vor Ort die Gotteshäuser als „prägende und spirituelle Orte für Dörfer und Städte“ neu entdeckt werden.

Als zentrale Frage des Liegenschaftsprojektes nannte Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh im Vorfeld der Pressekonferenz: „Was müssen wir heute tun, damit unsere Kinder und Enkel kraftvolle Gottes-Erfahrungen in und mit unseren kirchlichen Gebäuden machen können?“ Die Kirche dürfe ihre finanziellen Mittel nicht derart durch den Unterhalt von Gebäuden binden, dass die Kirchenmitglieder als „lebendige Steine der Gemeinde“ kaum noch Bewegungsmöglichkeiten hätten.

Wertvolle Erfahrungen sammelten die Projektverantwortlichen in den vergangenen Jahren in den drei kirchlichen Pilotbezirken Karlsruhe, Baden-Baden-Rastatt und Adelsheim-Boxberg. Bereits vor dem Start des eigentlichen Liegenschaftsprojektes wurden in Mannheim wegweisende Vorhaben umgesetzt: So sind seit 2008 in der Philippuskirche das Pfarrbüro, die Kindertagesstätte und die Gemeinderäume integriert, die Lutherkirche wurde zur „Diakoniekirche Luther“ umgestaltet und die Martinskirche ist seit Sommer 2016 auch ein Gemeindezentrum. Dekan Hartmann erklärte: „Unsere Gebäude sind Gesichter unserer Kirche. Wir wollen die Kirchen erhalten und müssen dafür unsere Gebäudestruktur umgestalten. Auch wenn dieser Weg emotional und anstrengend ist, am Ende sind die meisten überzeugt und: So muss Kirche heute aussehen.“

Etwa 2800 Gebäude befinden sich derzeit im Besitz der Gemeinden innerhalb der badischen Landeskirche. In vielen seien seit Jahren nur geringe Instandhaltungs- oder Sanierungsmaßnahmen durchgeführt worden, meistens, weil den Gemeinden die finanzielle Mittel fehlten, bestätigte Oberkirchenrat Werner. Auch liege der Auslastungsgrad oft nur bei 30 Prozent. Bis 2020 sollen nun der Gebäudebestand in der gesamten badischen Landeskirche analysiert und Konzepte für die künftige Verteilung von Gebäuden und Räumen erarbeitet werden. Kirchengebäude sollen nur in sehr seltenen Fällen aufgegeben werden. „Entscheidend ist es, auch weiterhin Gebäude unterhalten zu können, die wir für die inhaltlich-theologische Arbeit benötigen und die attraktiv gestaltet sind“, fasste Oberkirchenrat Werner das Ziel des Liegenschaftsprojektes zusammen.
(Dr. Daniel Meier, ZfK des Evangelischen Oberkirchenrates in Karlsruhe)
(Die mit einer Haus-im-Haus-Konzeption umgebaute Martinskirche wurde im Juni 2016 mit einem Festgottesdienst wieder eröffnet. Foto: Martinsgemeinde. )