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"Wirkungsgeschichte der Reformation"

Jahresempfang der Landeskirchen im Neuen Schloss in Stuttgart

"Wirkungsgeschichte der Reformation"

(Stuttgart 06.12.2016) Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat beim Jahresempfang der Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg am 6. Dezember 2016 in Stuttgart die Bedeutung der Reformation für die moderne Gesellschaft gewürdigt: „Individualität und Gleichheit, Freiheit und Verantwortung sowie Bildung und Mündigkeit sind die Merkmale einer modernen und aufgeklärten Gesellschaft. Dass dies so geworden ist, haben wir auch der Reformation und ihrer Wirkungsgeschichte zu verdanken“, erklärte der Ministerpräsident im Neuen Schloss in Stuttgart. Mehrere hundert Repräsentanten des öffentlichen Lebens nahmen an dem Empfang teil, der unter dem Motto „Reformation seit 500 Jahren“ stand.

Das Reformationsjubiläum ist laut Kretschmann „nicht nur ein kirchliches Fest, sondern auch ein gesellschaftliches und politisches Ereignis.“ Deshalb sei es richtig, dass im Jubiläumsjahr der Reformation an die geschichtlichen Hintergründe erinnert werde und die Errungenschaften gefeiert würden – „als ganze Gesellschaft, über alle Konfessions- und Weltanschauungsgrenzen hinweg.“

Auch Landtagspräsidentin Muhterem Aras erinnerte in ihrem Grußwort an die „Errungenschaften der Reformation“. Angesichts des Umstandes, dass gegenwärtig „fundamentale Selbstverständlichkeiten unserer demokratischen Ordnung infrage gestellt und bekämpft werden“, rief Aras dazu auf: „Wir haben alle eine kulturelle, politische, theologische und gesellschaftliche Gesamtverantwortung, dem entgegenzutreten.“ Vorrangiges Ziel sei es, sich über die gemeinsamen Werte zu verständigen. Dieses Ziel liege u.a. einer Veranstaltungsreihe im Landtag zugrunde, die im Januar kommenden Jahres stattfindet.

Der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh hob den Aspekt der Freiheit hervor, welchen die Reformatoren stark gemacht hätten. „Wir wollen das Gedenkjahr der Reformation nutzen, um über die heutige Freiheit in ein Gespräch zu kommen und um den Geist der Freiheit zu stärken: in unseren Landeskirchen, mit unseren ökumenischen Geschwistern, mit politisch Verantwortlichen, mit anderen Religionen, mit Verbänden und Vereinen, sagte Cornelius-Bundschuh. Wichtig sei die Bereitschaft der Kirchen „sich zu positionieren und zugleich zuzuhören.“ Für diesen Austausch sei besonders die Bildung wichtig - „Bildung eröffnet uns den Spielraum der Freiheit, in dem es Regeln gibt, aber eben auch Anstößiges und Widersprüchliches“, erklärte der badische Landesbischof.

In seinem Schlusswort äußerte sich der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July beeindruckt von den gezeigten „Szenen aus 500 Jahre Reformation“. Reformation sei hier nicht als abstrakter, zu erklärender Begriff präsentiert worden, sondern als „Begegnungsgeschehen vom Anfang bis heute“, sagte July. In der „Freiheit eines Christenmenschen“ erlebe die Kirche auch heute neue Begegnungen, neue ökumenische Aufbrüche und eine „gesellschaftliche Sensibilität“. Gleichzeitig lobte er das Interesse der Politik am Thema Reformation: „Die Gesellschaft, die Politik und das Land brauchen diesen Austausch: dass wir uns auf eine gute Weise begegnen und das je Unsere einbringen, damit alle Menschen die Chance haben, ihr Leben in Freiheit und Würde zu gestalten“, sagte der württembergische Landesbischof.
(Daniel Meier, Evangelischer Oberkirchenrat Karlsruhe, Zentrum für Kommunikation)