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Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt

BADISCHE BISCHÖFE FEIERN ÖKUMENISCHEN GOTTESDIENST ZUR MANNHEIMER AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG

Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt

(20.05.2017 Mannheim / Freiburg) Im Jahr des Reformationsgedenkens widmen die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim eineinhalb Jahrtausenden gemeinsamer katholischer wie evangelischer Geschichte eine eigene Ausstellung. Am 20. Mai haben der katholische Erzbischof Stephan Burger und der evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh diese Ausstellung mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet.

„Ökumene und Papstamt wollen beim ersten Blick nicht so recht zusammenpassen. So manche Erblasten der Vergangenheit stehen gerade dem Dienst der Einheit der Kirchen im Wege, so manche Erfahrung der Un-Einigkeit“, sagte Erzbischof Stephan Burger (Freiburg) in der Mannheimer Jesuitenkirche. Umso beeindruckender zeigten sich Burger und Cornelius-Bundschuh darüber, dass die Reiss-Engelhorn-Museen im Jahr des Reformationsgedenkens eine Ausstellung zum Thema „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“ organisiert hätten: „Eine Reise in die Vergangenheit mit großem Potential für die Zukunft. Ein Rückblick, der den Ausblick nicht scheut.“, erklärte Burger.

Der Erzbischof von Freiburg betonte, das Wort Jesu „ut omnes unum sint“ – „dass alle eins seien“ verpflichte die Menschen auch heute, „die Hindernisse einer Einheit der Kirche anzugehen“. Diese Einheit sei nicht im Sinne bloßer Uniformität gemeint. „Die Kirche lebt und zeigt sich in einer breiten Vielfalt.“ So wünschte Erzbischof Burger, die Ausstellung möge vielen Besucher neue Einblicke in die ersten anderthalb Jahrtausende Papstgeschichte ermöglichen, die die Konfessionen verbinden. „Und noch mehr würde ich mir wünschen, dass von dieser Ausstellung Impulse ausgehen für den der Kirche anvertrauten Auftrag, Zeichen und Werkzeug für die Einheit der Menschen mit Gott und untereinander zu sein“, ergänzte er. „Gerade angesichts einer sich stark pluralisierenden bisweilen sogar zersplitternden Welt in arm und reich, in Wohlstand und Mittellosigkeit, angesichts massiver Verteilungskämpfe weltweit, die ich als Misereor-Bischof vor Ort hautnah erlebe, ist der Dienst des Papstes an der Einheit und für den Frieden in der Welt wichtiger denn je.“

In seiner Predigt in der Jesuitenkirche wertete es der evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe) als Signal, dass die Ausstellung am Vortag des Sonntags „Rogate“ („Betet“) eröffnet wird und zitierte die Aufforderung Martin Luthers: „Eines Christen Handwerk ist es zu beten.“ Das Gebet verbinde Katholiken und Protestanten in ihrem Austausch mit Gott. „Da geht es nicht um Konvention, da ist es erlaubt zu Drängen“, unterstrich der Landesbischof. Die wichtigste Schule des Betens sei der Alltag mit seinen vielfältigen Orten im Beruf, beim gemeinsamen Essen oder abends am Bett. Das Beten zu Gott sei dabei eine „Beziehung der Demut“. So lasse sich das Leben nicht machen und planen, das hätten auch die Kirchen in vielen Phasen der Geschichte immer wieder neu lernen müssen: „Sich selbst zurück nehmen, nicht um unserer selbst Willen da sein, sondern für die anderen“, fasste Cornelius-Bundschuh die Aufgabe der Kirche zusammen.

Über die Ausstellung

2017 jährt sich der Beginn der Reformation zum 500. Mal. Doch bevor Katholiken und Protestanten getrennte Wege gingen, verband sie 1500 Jahre gemeinsamer Geschichte: Aus jüdischen Wurzeln stieg das Christentum von einer kleinen Gemeinschaft im Osten des Römischen Reiches zu einer der großen Weltreligionen auf. Das Papsttum wurde zur geistlichen und weltlichen Autorität, die nicht nur die theologische Entwicklung, sondern auch die Herausbildung des lateinischen Abendlandes prägte. Die Mannheimer Päpste-Ausstellung beginnt mit Petrus und betrachtet die Entwicklung des Papsttums bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Die wichtigsten Phasen werden am Wirken herausragender Päpste vorgestellt.

Erstmalig widmet sich ein Ausstellungsprojekt der umfassenden Darstellung der Geschichte des Papsttums. Hochkarätige Leihgaben aus dem Vatikan und weiteren Museen zeigen die faszinierende Entwicklung des Papsttums von den Anfängen bis zur Renaissance. Die Ausstellung unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Norbert Lammert ist vom 21. Mai bis 31. Oktober 2017 im Museum Zeughaus C5 der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim zu sehen.

(Dr. Daniel Meier, Evangelischer Oberkirchenrat Karlsruhe, Leiter des Zentrums für Kommunikation / Pressesprecher)

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