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Landeskirche würdigt erste Pfarrerin Badens

Hilde Bitz im Alter von 87 Jahren verstorben

Landeskirche würdigt erste Pfarrerin Badens

(25.07.2017 Karlsruhe / Mannheim) Anlässlich des Todes von Badens erster Pfarrerin Hilde Bitz haben Vertreter der Kirchenleitung die Verdienste der Theologin aus Mannheim gewürdigt. „Hilde Bitz war eine unermüdliche Kämpferin für die Gleichstellung der Frauen im Pfarramt“, erklärte Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe). Sie habe mit ihrem Engagement „badische Kirchengeschichte geschrieben“, die Landeskirche sei ihr dafür „zutiefst dankbar“, sagte der Landesbischof.

Auch der Mannheimer Dekan Ralph Hartmann würdigte die Verstorbene als „eine Pionierin auf der Kanzel“. Die gebürtige Mannheimerin habe „in der Mannheimer Neckarstadt verwirklicht, wovon sie zu Beginn ihres Studiums kaum zu träumen wagte: Nämlich als Gemeindepfarrerin wirken zu können.“ Die Verstorbene stehe dafür, was heute längst liebgeworden und selbstverständlich sei: Das gleichberechtigte Wirken von Frauen und Männern im Pfarrberuf.

Hilde Bitz wurde 1929 geboren. Nach dem Theologiestudium in Heidelberg wurde sie 1955 ordiniert und war zunächst hauptamtliche Religionslehrerin am Elisabeth-Gymnasium in Mannheim. 1971 wurde sie als erste Frau in der badischen Landeskirche in ein Gemeindepfarramt eingeführt, nachdem dies ein entsprechender Beschluss der Landessynode im gleichen Jahr ermöglicht hatte. Die Theologin war dann zunächst Gemeindepfarrerin der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Mannheim, von 1982 bis zum Ruhestand wirkte sie als Krankenhauspfarrerin am Mannheimer Diakonissenkrankenhaus.

Hilde Bitz war auch publizistisch tätig und veröffentlichte ihre Forschungen zur Geschichte der Evangelischen Theologinnen in mehreren Aufsatzsammlungen, unter anderem im Buch „Erinnerungen und Perspektiven. Evangelische Frauen in Baden 1916 – 2016“. Sie selbst wies stets darauf hin, dass es zwar lange gedauert habe, bis Frauen der Weg in das Pfarramt offen stand, „dass es aber Theologinnen gibt, solange es die Kirche gibt“, schreibt sie in diesem Buch. Ihren Weg in das und im Pfarramt beschreibt sie als einen „langen, mitunter hügeligen, aber guten Weg“.

Noch viele Jahre später habe sie sich an manche Fragen des Bewerbungsgespräches in der Gemeinde an sie als unverheiratete Frau erinnern können, zum Beispiel „Wer öffnet die Tür, wenn es klingelt?“ oder „Wer ist da, wenn Sie auf dem Friedhof sind?“ – bei einem verheirateten Pfarrer habe das damals die Ehefrau gemacht. Sei die Pfarrgemeinde zunächst „erschrocken“ über die Bewerbung einer Frau gewesen, habe man sie später gut akzeptiert.

Die Beerdigung von Hilde Bitz fand am 1. August auf dem Hauptfriedhof in Mannheim statt. Den Trauergottesdienst leitete Prälat Traugott Schächtele (Schwetzingen). Schächtele würdigte Hilde Bitz als eine Pfarrerin, „die ihre Rolle als erste badische Gemeindepfarrerin nicht als ein persönliches Verdienst, sondern als unumgängliche und theologische folgerichtige Notwendigkeit angesehen“ habe. „Persönliche Bescheidenheit, Mut und theologische Klarheit waren bei ihr in einer Gewinn bringenden Symbiose verbunden", erklärte der Prälat.

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