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Tag des offenen Denkmals 2017

Entdeckungstour in Kirchen zum Motto „Macht und Pracht“

Tag des offenen Denkmals 2017

(15.08.2017) Ein Motto, das bestens zum Reformationsjahr 2017 passt: Beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September geht es um „Macht und Pracht“. Dieses Motto verbindet sich für die evangelische und die katholische Kirche im Jubiläumsjahr „500 Reformation“ mit Martin Luthers Auseinandersetzung mit den Mächtigen seiner Zeit. In den reformierten Gebieten hat sich das erkennbar auf Kunst und Architektur ausgewirkt.

Besonders Kirchen sind Geschichtszeugnisse und Informationsquellen im Sinne ihrer Bauzeit. Die bauliche Form, das verwendete Material, künstlerische Ausgestaltung und Raumkonzept sind Programm. Wie wirken Pracht und deren scheinbarer Verzicht? Drei Kirchen laden in Mannheim dazu ein, genauer hinzuschauen.

Einen reizvollen Kontrast bilden dabei die katholische Jesuitenkirche (Innenstadt) mit ihrer üppig-barocken Innenausstattung und die evangelische Matthäuskirche (Neckarau), deren geradezu minimalistischer Innenraum vor zehn Jahren komplett neu gestaltet wurde. Zudem lädt die sonst nur auf Anfrage geöffnete Kapelle Maria Magdalena in Straßenheim zu einer Besichtigung ein. Dieser Bau ist das älteste Gotteshaus auf Mannheimer Gemarkung.

Die 1891-93 nach Plänen von Hermann Behagel erbaute Matthäuskirche (Rheingoldstr. 30, 68199 Mannheim-Neckarau) ist ein Gotteshaus mit Aha-Effekt: Außen sieht sie aus wie eine typische neugotische Kirche. Das 2007 komplett renovierte Innere gilt als wegweisendes Beispiel für die Neugestaltung sakraler Räume und erhielt die Auszeichnung „Beispielhaftes Bauen“. Klarheit und Reduktion auf das Wesentliche bestimmen den hellen Raum. Dadurch kommen die 1967 von Claus Arnold in kräftigen Farben entworfenen Kirchenfenster bestens zur Geltung. Ein Raum, der predigt, ohne dass gesprochen wird. Die Matthäuskirche ist von 12-17 Uhr geöffnet. Dabei ist auch eine Turmbesteigung mit Besichtigung des Glockenturms möglich. Um 17 Uhr erklingt ein Konzert des Duos „Ein paar Töne“ mit Julia Ackermann und Alexander Mudrow..

Sie gilt als eine der bedeutendsten Barockkirchen in Südwestdeutschland: Die Jesuitenkirche in A4 (Innenstadt) wurde 1738-1760 nach Entwürfen von Alessandro Gallo da Bibiena als Hofkirche errichtet. Sie ist seitdem lebendiger Ort des Gebets: Das Gotteshaus ist täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet und mindestens einmal täglich wird eine Heilige Messe gefeiert. Glanzstück ist die Rekonstruktion des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hochaltars von Peter Anton von Verschaffelt. Er stellt die Verbindung zwischen der göttlichen Weltordnung aus Sicht der Bauherren Carl Philipp, Kurfürst von der Pfalz (1716-1742) sowie Kurfürst Carl Theodor (1742-1799) und den Patronen der Kirche her. Pastoralreferent Ulf Günnewig wird weitere steingewordene theologische Besonderheiten der „Basilica Carolina“ um 16.30 Uhr bei einer Führung erläutern.

Von 15 bis 17 Uhr ist die Kapelle Maria Magdalena (Ortsstraße, 68259 Mannheim-Straßenheim) geöffnet. Das kleine Gotteshaus geht vermutlich auf das 13. Jahrhundert zurück und diente beiden Konfessionen als Gebetsort: Bis zur Reformationszeit wurde sie von Katholiken genutzt – im 15. Jahrhundert wurde sie eine lutherische Kirche und im Jahr 1665 wieder katholisch. Das Innere mit dem reich geschnitzten Altar, den Putten sowie der Immakulata wurde 1750 geweiht. (dv/schu)

Foto: Matthäuskirche (Christian Buck, mit freundlicher Genehmigung der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau).