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Landeskirche besorgt wegen geplanter Munitionsfabrik

Landeskirche besorgt wegen geplanter Munitionsfabrik

(19.10.2017 Lahr / Karlsruhe) Die badische Landeskirche teilt die Kritik an der geplanten Munitionsfabrik in Lahr. Mitglieder der Kirchenleitung äußerten sich am 19. Oktober 2017 in Karlsruhe „besorgt, dass die gelungene Konversionsgeschichte des Flugplatzgeländes der Stadt Lahr durch die Ansiedlung eines munitionsproduzieren Betriebes nachhaltig Schaden nehme“. Zwar sei nach Angaben der antragstellenden Firma Galtech die Produktion überwiegend für die Bundeswehr und die deutsche Polizei bestimmt. Aus andernorts vielfach belegter Erfahrung sei jedoch zu befürchten, dass die Munition „über kurz oder lang in unkontrollierbaren gewaltsamen Konflikten in Krisengebieten weltweit zum Einsatz käme“, heißt es in der Stellungnahme.

Der frühere Lahrer Dekan und heutige Oberkirchenrat Matthias Kreplin verwies auf eine von der badischen Landeskirche beauftragte Studie „Munitionsexporte in deutscher Verantwortung“. Diese habe aufgezeigt, dass ein Großteil der in Deutschland produzierten Kleinwaffenmunition exportiert werde. Nach Erkenntnissen des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit habe auch das Firmengeflecht, zu dem Galtech bzw Saltech gehört, einen „stark exportorientierten Charakter“ und präsentiere sich auf internationalen Rüstungsmessen. Die Studie zu Munitionsexporten habe deutlich gemacht, dass in der Debatte zu Rüstungsexporten oft darüber hinweggesehen werde, dass Munition das „Grundnahrungsmittel aller bewaffneten Konflikte und Kriege“ sei. „Der Export von Munition ist das tödlichste Segment des Rüstungsexportes“ heißt es in der Studie.

Die badische Landeskirche stehe im engen Kontakt mit Partnerkirchen in Krisenregionen in Afrika und im Nahen Osten, in denen auch deutsche Munition eingesetzt werde. „Wir sind erschüttert über das Leid, das durch vagabundierende Munition und Kleinwaffen in der Hand von unberechenbaren Milizen und Terrorgruppen über die Menschen in unseren Partnerkirchen gekommen ist“ sagte Oberkirchenrätin Karen Hinrichs, die in den 90er Jahren Pfarrerin in Lahr war. Man habe aus den Partnerkirchen Informationen bekommen, dass bei bewaffneten Konflikten, etwa in Nigeria, Syrien oder Lateinamerika „immer wieder auch Munition und Handfeuerwaffen eine verheerende Rolle spielen, die ursprünglich in Deutschland produziert wurden und die über dunkle und nicht kontrollierbare Wege in die Hände von Terroristen und Milizen gekommen sind. Unsere ökumenischen Partner haben uns ans Herz gelegt, uns mit Nachdruck gegen den Export von Kleinwaffen und Munition einzusetzen“ sagte Hinrichs.

Die Kirchenvertreter appellieren deshalb an die Mitglieder des Gemeinderats der Stadt Lahr und der Zweckverbandversammlung der IGZ-Industrie- und Gewerbezentrum Raum Lahr GmbH, sich vor einer Entscheidung über die Grundstücksanfrage der Firma Galtech über die oft unterschätze Problematik der Munitionsexporte genau zu informieren.  (Dr. Daniel Meier, ZfK im Evangelischen Oberkirchenrat, Karlsruhe)

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