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„Gottesfurcht ist das Gegenteil von Glaubensangst“

Reformationstag 2017: Prall gefüllte CityKirche beim zentralen Festgottesdienst. Mit Verleihung der Konkordienmedaille an Ingeborg und Detlef (posthum) Schmidt

„Gottesfurcht ist das Gegenteil von Glaubensangst“

(02.11.2017) Zum Abschluss des Jubiläums „500 Jahre Reformation“ setzte der zentrale Mannheimer Festgottesdienst in der CityKirche Konkordien ein Zeichen für einen deutlich artikulierten evangelischen Glauben, für die Ökumene und für den interreligiösen Dialog.

Die Reformation zu feiern und gemeinsam die geistesgeschichtlichen und gesamtgesellschaftlichen Umbrüche in den Blick zu nehmen, zu würdigen und fortzuführen – all das war spürbar bei dem feierlichen Abend in der voll besetzten CityKirche Konkordien. Das besondere Miteinander der Religionen in Mannheim, betonte Dekan Ralph Hartmann bei seiner Begrüßung, zeige sich darin, dass die Vertreter des Forums der Religionen Mannheim, dass Juden, Katholiken und Muslime beim Festgottesdienst dabei waren. Festpredigerin Dr. Heike Springhart aus Heidelberg, die „die Tiefgründigkeit und Fröhlichkeit unserer Botschaft miteinander verbindet“, wie Dekan Hartmann sagte, spannte den Bogen von Twitter-Botschaften zur biblischen Geschichte. In kernigen Worten zeichnete sie das Bild vom dem Gott, „vor dem sich Luther fürchtete“ und vom freiheitlichen Impuls der Reformation. Jenseits der „Spirale der Furcht“ gebe es noch „etwas Anderes: Die Helligkeit, die entsteht, wenn Menschen einander wie Menschen begegnen“, so Sprinthart. „Gottesfurcht ist das Gegenteil von Glaubensangst“, sagte die Predigerin. Jeder Einzelne zähle, und jedes Haar eines jeden sei von Gott gezählt.

Freiheit und Verantwortung gehören zusammen

Der Erfolg des Reformationsjubiläums, betonte Erster Bürgermeister Christian Specht in seinem Grußwort, das er als Vertreter der Stadt Mannheim überbrachte, sei deutlich und lasse sich nicht wie bei einem Event in Zahlen messen. „Denn das greift zu kurz“, so Specht. Vieles, was Kirche ausmache, lasse sich „nicht messen“ und habe gleichwohl große Wirkung. So der beeindruckende Einsatz vieler ehrenamtlich Tätigen, „die unsere Stadt lebenswert machen“ und das Postulat, dass „Freiheit und Verantwortung unmittelbar zusammengehören für uns selbst und für unsere Gesellschaft“.

Sehnsucht nach mehr

Dekan Karl Jung, der die Grüße der Katholischen Kirche Mannheim überbrachte, erinnerte an den Ökumenischen Kirchentag in Mannheim, der am 8.+9. Juli als gemeinsames Christusfest begangenen wurde. „Das große ökumenische Herz der Evangelischen Kirche“ zeige sich vor allem in Mannheim. Er selbst fühle „sich verbunden mit Luthers Wort der steten Reformationsbedürftigkeit der Kirche“ und sehe die „Sehnsucht nach weiteren Schritten“. Bei der Ökumene wolle man in Mannheim „weiterhin vorne bleiben“ betonte er, als er seinem evangelischen Kollegen Hartmann als Geschenk einen Kelch überreichte.

Das Herz muss Hände haben, die Hände ein Herz

Ein tibetanisches Sprichwort setzte Synodenvorsitzende Hannelore Dänzer an den Anfang ihrer Laudatio auf Ingeborg und posthum Detlef Schmidt, die im Jubiläumsjahr mit der Konkordienmedaille geehrt wurden: „Das Herz muss Hände haben, die Hände ein Herz“ beschreibe die Haltung, mit der sich das Ehepaar mehr als 40 Jahre lang ehrenamtlich in der Gemeinde, in der Bezirksgemeinde und vor allem in der Vesperkirche eingesetzt habe. Weit über die 37 Jahre hinaus, die ihr Mann Detlef als Kirchendiener in der Konkordienkirche tätig war, hat sich Inge Schmidt in die Gemeinde mit eingebracht. Seit 1983 ist sie im Ältestenkreis aktiv, dem sie seit langem vorsitzt. Alle Veränderungen der Gemeinde, ob Fusion oder Neukonzeption der Konkordienkirche hin zur CityKirche Konkordien haben beide „mit hohen sozialen Idealen und Hilfsbereitschaft“ mitgestaltet. In der Vesperkirche gehört Inge Schmidt zum Kern des Helfer-Teams dazu und wird ab dem 6. Januar 2018, wenn die Vesperkirche wieder ihre Türen öffnet, zum 21. Mal mit anpacken. Für beide war und ist ihr Ehrenamt „ein Geben und ein Nehmen. Sich einzubringen und zu helfen gehört einfach zu Ihrem Lebensmotto“.

Info: Die Konkordienmedaille ist die höchste Auszeichnung der Evangelischen Kirche Mannheim für ehrenamtliches Mitwirken. Sie wird ein Mal im Jahr verliehen. Mit dieser Auszeichnung wird Martin Luthers Wort vom „Priestertum aller Gläubigen“ aufgegriffen und die Bedeutung des Ehrenamts verdeutlicht. Die Medaille wird für das konkrete Engagement der Geehrten verliehen und steht gleichzeitig für eine Wertschätzung aller ehrenamtlich Mitarbeitenden. Wer alljährlich die Konkordienmedaille erhält, beschließt der Stadtkirchenrat. (dv)


PD Heike SpringhartÜber "Menschenfurcht und Gottesfurcht" sprach Festpredigerin  beim zentralen Festgottesdienst zum Reformationstag 2017 in der CityKirche Konkordien. Jenseits der Furcht, so Springhart, gebe es noch etwas Anderes: "Die Helligkeit, die entsteht, wenn Menschen einander wie Menschen begegnen". Lesen Sie hier die Predigt.

 

 

inge schmidtSeit vielen Jahrzehnten engagiert sich Ingeborg Schmidt ehrenamtlich. Dafür wurde sie gemeinsam mit ihrem Mann Detlef (posthum) mit der Konkordienmedaille 2017 geehrt - die höchste Auszeichnung, die die Evangelische Kirche Mannheim für ehrenamtliches Engagement verleiht. Ein Mal im Jahr wird sie von der Synodenvorsitzenden verliehen, am Reformationstag. Lesen Sie hier die Laudatio von Synodenvorsitzender Hannelore Dänzer.

 

dekan karl jungVon dem "großen ökumenischen Herz der Evangelischen Kirche" sprach Dekan Karl Jung in dem Grußwort, das er für die Katholische Kirche Mannheim überbrachte. Auch er spüre die "Sehnsucht nach weiteren Schritten". Als Geschenk überreichte er seinem evangelischen Kollegen Ralph Hartmann einen Kelch. Lesen Sie hier das Grußwort.




Fotos: Alexander Kästel

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