Suchen

Nachgedacht

Pfingsten

 

Nachgedacht Archiv

Umwelt-Tipps

Tipps rund um das Thema Umwelt, grüner Gockel

Drucken

  Seite drucken

Intranet

Login Intranet

Texte, Vorträge, Predigten (Detailansicht)

zurück


14 Tage in Südindien

Reisebericht von Pfarrerin Martina Egenlauf-Linner, Thomasgemeinde

Glänzende Augen und strahlende Gesichter haben uns empfangen, wo wir auch hinkamen. 14 Menschen aus Mannheim waren unterwegs in Kerala in Südindien und trafen auf ganz viel Freundlichkeit und Gastfreundschaft. Es war eine Reise der besonderen Art.

Bericht über unsere Reise nach Südindien, Kerala, Cochin und Trivandrum, 28. August bis 9. September 2010

Vor 18 Jahren war ich in Trivandrum, der Hauptstadt Keralas tätig. Ich absolvierte dort mein Spezialvikariat.  Freundschaften, die ich damals schließen konnte, haben diese Zeit überdauert. Dadurch wurden uns auch jetzt wieder viele Türen geöffnet.

In Cochin lebt Heera, eine Frau, die in jungen Jahren an Polio erkrankt war. Eine Behinderung zu haben war und ist für viele Familien eine Schande. Die Menschen werden in den Wohnungen versteckt, haben wenig Chancen, ein "normales" Leben zu führen. Anders Menschen, denen Aibility Aids International hilft. Heera wurde operiert, Wirbel wurden verstärkt, ihre Haltung konnte entscheidend verbessert werden, auch wenn sie weiterhin auf den Rollstuhl angewiesen ist. Doch Heera bekam auch eine Ausbildung.

Heute ist sie Telefonistin bei der Indischen Navy. Und kürzlich erschien ihr Bild in einem Hochglanzmagazin, das über modernes Leben informiert. Heera und ihr Ehemann waren zu sehen, ein glückliches Paar und ein außergewöhnliches Paar, denn wer heiratet in Indien schon eine Frau, die nicht gehen kann? Heera meistert ihren Alltag vorbildlich. Und sie möchte anderen Menschen Mut machen, ihre Behinderung anzunehmen, und wie sie das Leben zu wagen.

Heera ist kein Einzelfall. Viele Hilfsorganisationen - oft christliche - wie Aibility Aids International, kümmern sich vor allem um die Menschen, die zu wenig Lebensmöglichkeiten haben, zu wenig Geld, um zur Schule zu gehen, zu wenig Geld, um gesunde Mahlzeiten zubereiten zu können, zu wenig Geld, um ein eigenes kleines „Geschäft“ gründen zu können. Da werden Ziegen zur Zucht zur Verfügung gestellt oder Hühner, denn durch die Vermehrung und durch die täglichen Erzeugnisse kann der Lebensunterhalt einer Familie gesichert werden.

 

Hilfe zur Selbsthilfe – es sind zukunftsweisende Projekte. Und oftmals arbeiten die Hilfsorganisationen Hand in Hand. `Brot für die Welt´ unterstützt Projekte ebenso wie die Christoffel Blindenmission. So entstehen zum Beispiel Krankenhäuser, die durch hervorragend ausgebildete Ärzte und Schwestern und durch moderne Apparate eine gute medizinische Versorgung gewährleisten. Darüber hinaus wurde jetzt sogar eine Krankenversicherung für Menschen eingerichtet, die sich „das Kranksein“ eigentlich nicht leisten können.

 

Stolz wurde uns das von der südindischen evangelischen Kirche geleitete Krankenhaus und das Medical College in Karakonam gezeigt, das auch mit deutscher Hilfe zu einem beachtlichen Komplex ausgebaut werden konnte. Und daneben wird an der Schule gearbeitet, der sich die Johann-Peter-Hebel-Grundschule in Mannheim Neuostheim und Neuhermsheim verbunden weiß. Ein schönes Gebäude soll es werden, das den staatlichen indischen Normen entspricht. Dann schicken alle die Kinder sehr gerne in die christliche Schule, auch wenn das Schulgeld kostet, denn der Ruf der christlichen Schulen ist sehr gut. Sie stehen für eine ausgezeichnete Ausbildung, die den Schülerinnen und Schülern gute Voraussetzungen für den Start ins eigenständige Leben bietet. Doch zunächst kostet das Gebäude viel Geld, steht es einmal, kommen mehr Kinder. Kommen die Kinder, wird mehr Schulgeld bezahlt, dann können auch die Lehrerinnen besser bezahlt werden – Startschwierigkeiten, die wir durch die großzügige Spende von 3000 € des Rotary Club Schwetzingen-Kurpfalz, durch Kollekten der Thomasgemeinde und durch Zuwendungen engagierter Freunde ein wenig verringern konnten.

 

Gottesdienste, die mindestens zwei Stunden dauern. Kirchen, die überfüllt sind. Gläubige, die vor der geöffneten Tür stehen, weil sie drinnen keinem Platz mehr finden – davon können die Kirchen hierzulande nur träumen. In Südindien ist das jeden Sonntag so. Davon konnte sich unsere Gruppe beim Gottesdienstbesuch in Trivandrum überzeugen.

  

Aber auch das Touristische kam bei unserer Reise nicht zu kurz. Die erste christliche Kirche, die erste Mosche, die Charaman-Jama-Moschee, alte Hindu-Tempel und vieles mehr konnten wir im Hinterland von Cochin besichtigen. Und auch auf einem Elefanten sind wir geritten. Kokosnüsse haben wunderbar geschmeckt, genauso wie Jackfruit und frische Ananas und rote Bananen.

 

Die Bahnfahrt nach Trivandrum, der Hauptstadt von Kerala, nahm uns ebenfalls hinein in das bunte indische Leben. Und auch hier war es zu merken: Sauber wurde die Stadt inzwischen und moderner, vor drei Jahren sah vieles noch ganz anders aus. Man merkt das Bemühen, die Armut zu bekämpfen, die Lebensqualität zu steigern. Und es schlägt sich nieder auf das Verhalten der Menschen. Männer sind nicht mehr so selbstgefällig, Frauen sind selbstbewusster. Erstaunliche Entwicklungen.

 

Doch was nach wie vor beeindruckend ist: die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Inder. In ganz einfache Häuser wurden wir eingeladen, man freute sich über unseren Besuch. Und auch der Bischof der Südindischen Diözese J.W. Gladstone, der 2008 in Mannheim auf der Seebühne den Gottesdienst mit der Thomasgemeinde und der katholischen Schwesterngemeinde St. Pius und Maria Königin gehalten hat, lud uns in sein Haus ein zum Abendessen. Freundliche Menschen, zufriedene Gesichter. Das lädt neu ein darüber nachzudenken, was im Leben wichtig ist, was Lebensqualität ausmacht. Indien in solchem Kontext berührt, macht betroffen, erfüllt und lässt die, die sich darauf einlassen, abtauchen in eine andere Welt.

 

Ich habe vor 18 Jahren dort leben dürfen, dort wirken dürfen bei Bischof und Moderator Samuel Amirtham. Viele Menschen haben mich in diesem Jahr begleitet und viele habe ich wieder getroffen, vor drei Jahren und jetzt nach 18 Jahren. Und die 18 Jahre waren beim Wiedersehen vergessen. Viele dieser wahren Freunde haben in all der Zeit oft an mich gedacht, haben für mich gebetet, für meine Arbeit in Deutschland, für meine Familie. Nein, es ist absolut keine einseitige Beziehung zwischen und hier und den Indern dort, vielmehr zeigt sich, dass das Bild des Apostels Paulus vom Leib mit vielen Gliedern ein ganz lebendiges Bild ist. Es ist ein Miteinander und Füreinander und das ist eine Bereicherung für alle Seiten. Schön, dass solches gelingt.

 

Martina Egenlauf-Linner, Pfarrerin der Thomasgemeinde Mannheim Neuostheim und Neuhermsheim

[ Eintrag von: Ekma ]

zurück