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Ein Segen für die Stadt

Beim "Internationalen Tag der Bahnhofsmission" am Samstag, 16. April 2011, informierte der ökumenische Dienst mitten im Mannheimer Hauptbahnhof über seine Arbeit und seine Angebote. Pfarrerin Susanne Komorowski eröffnete den Internationalen Tag mit einer Andacht.

Internationaler Tag der Bahnhofsmission

 

„Ein Segen für die Stadt“

 

Samstag, 16. April

Andacht von Pfarrerin Susanne Komorowski

 

 

Wenn ich „Segen“ denke,

kommt mir der Frühlingsregen

in den Sinn, der uns den Duft der Erde

atmen lässt

und

- sich dem Sonnenlicht verbündend –

die Kargheit kahler Winteräste

in lichtes Grün verwandelt.

 

Mit jedem Frühlingstag

wächst in mir die Sehnsucht,

dass einer nicht müde wird,

behutsam regnen zu lassen

auf die Dürre meiner Tage,

das verborgene Leben

beharrlich hervorzulocken,

bis es sich endlich

ans Licht wagt.

(Sabine Naegeli)

 

 

„Ein Segen für die Stadt“ – unter diesem Motto steht der heutige Tag der Bahnhofsmission, den wir hier in Mannheim und in zahlreichen weiteren Städten im In- und Ausland begehen.

 

Ein „Segen für die Stadt“ ist das von den meisten Menschen unbemerkte Tun der Bahnhofsmission, das wir heute ans Licht holen möchten. Am Bahnhof, am großen Tor zur Stadt, geschieht hier täglich vielfältige segensreiche Arbeit. Vergleichbar den Tropfen des Frühlingsregens, die unsere kahlen Bäume in lichtes Grün verwandelt…

 

Ob hauptamtlich, wie Herr Knüppel es seit Jahrzehnten beim Caritas Verband und seit 20 Jahren bei der Bahnhofsmission in ökumenischer Trägerschaft ist, oder so wie die meisten hier ehrenamtlich unterwegs sind als Segensbringer, um an vielen Stellen Lebens-Hilfe zu leisten,

Sie alle sind sich bewusst, dass wir ihn nicht aus uns selbst haben, den frühlingsregengleichen Segen.

 

Dass da einer ist, der nicht müde wird, behutsam regnen zu lassen und das Leben beharrlich hervorzulocken, Leben zu ermöglichen.

 

Daran erinnern wir uns, wenn wir uns in seinem Namen begegnen: Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

 

Gebet

 

Wir beten:

Gott,  du hast gesagt:

„Ich will euch segnen und ihr sollt ein Segen sein.“

Worte von weither sind das

und sie weisen weithin.

Es sind Worte weitergegebenen Lebens.

Hab Dank für das Geschenk, leben zu können

und anderen Menschen weiterzugeben davon:

Im Halten einer Hand

Durch einen Rat, der eine Tür öffnet

Wenn wir Schulter an Schulter stehen

mit Menschen, die sonst untergehen

Wir bitten dich um deinen Segen

für diesen Tag. AMEN

 

 

Biblische Lesung     Der barmherzige Samariter (Lk.10)

25 Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?

26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du?

27 Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst«.

28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben.

29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster?

30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen.

31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber.

32 Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.

33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn;

34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.

35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme.

36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war?

37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!

 

Ansprache

 

Unheimlich viel ist gedacht und geschrieben worden zu diesem Gleichnis [vom barmherzigen Samariter im Lukasevangelium].

Es wird die „Magna Charta“ der Diakonie, der tätigen Nächstenliebe genannt

Und um die soll es ja gehen in der Arbeit der Bahnhofsmission.

 

Und wirklich: Jedes Mal, wenn ich mich auf diese Geschichte einlasse, die Jesus als Lehrbeispiel erzählt und die sich vor 2000 Jahren im Wadi el Kelt zwischen Jericho und Jerusalem hätte zutragen können – und die jeden Tag irgendwo in unserer Stadt passiert: Da ist ein Mensch und braucht Hilfe und fast alle gehen vorüber… Jedes Mal, wenn ich mich auf diese Geschichte einlasse, dann fällt mir wieder etwas anderes an ihr auf.

 

Am Anfang immer die Frage:

Warum helfen die ersten beiden nicht und der dritte hilft?

Warum gelingt es uns manchmal, zum Segen für andere zu werden und dann wieder überhaupt nicht?

Was für Voraussetzungen braucht es zum Helfen?

 

Und heute zwei Einsichten, ganz einfache,

aber sie haben eine tiefe Wahrheit für mich:

 

 

1. Wer helfen will, muss sein Gegenüber wahrnehmen.

 

Sehen allein reicht nicht.

Wahrnehmen ist mehr und geht weiter:

Der Priester, der Levit: Sie sehen den Mann am Boden.

Aber sie sehen nicht hin, hören weg.

Nehmen ihn nicht wirklich wahr.

Nicht als Mitmensch, als Geschöpf, in dem Gott uns begegnet.

Mit seiner verletzten aber unzerstörbaren Würde.

 

Sonst würde es uns doch berühren, was wir da sehen jeden Tag! Wir könnten uns dem nicht entziehen, würden erfahren, dass sein Leid uns selbst betrifft – und würden anfangen zu handeln, zum Segen für ihn werden.

 

 

2. Und dann: Wer sein Gegenüber wahrnehmen will, muss sich Zeit nehmen.

Zum Helfen muss ich mir Zeit nehmen.

 

Auch deshalb finde ich Ihre Arbeit so wohltuend und mehr noch: segensreich. Hier mitten im hektischen Hauptbahnhof mit all seinen Durchsagen, erhitzten Gemütern, Menschen, die ungeduldig auf die Uhr schauen oder verzweifelt hinter einem Zug her rennen, ohne auf links und rechts zu achten.

 

Die Tür zur Bahnhofsmission auf Gleis 1 wirkt für mich wie eine Schleuse in eine andere Zeitdimension.  Der Tisch, die Tasse Kaffee, die Mitarbeiterin, die für dich da ist, sagen: Ich habe jetzt Zeit. Menschen können ankommen. Jemand hört zu. Spricht in Ruhe. Oder schweigt mit dir.  Und findet oft einen Weg, wie es weitergehen kann.

 

Menschen auf ihren unterschiedlichen Wegen aus der Stadt und in die Stadt wahrnehmen und sich Zeit nehmen, hier ganz zentral am Hauptbahnhof –

das ist wirklich ein Segen für die Stadt. AMEN.

 

 

Lasst uns miteinander Fürbitte halten.

 

Herr, unser Gott, wir bitten um deinen Segen für diese Welt, damit sie durch dich geheiligt werde und wir immer mehr in deine Liebe hineinwachsen. So rufen wir zu dir:

  • Herr, unser Gott, segne die Herzen der Menschen, dass sie für deine Liebe offen und durchlässig werden.
  • Herr, unser Gott, segne unsere Familien, damit sie zur Keimzellen des Guten für unsere Gesellschaft werden.
  • Herr, unser Gott, segne alle, die im Rampenlicht der Medien stehen, damit sie zu segensreichen Vorbildern werden.
  • Herr, unser Gott, segne alle, die unserer Gesellschaft etwas zu sagen haben, damit ihr Tun zum Segen für unser Land werde.
  • Herr, unser Gott, segne unsere Kirche, damit dein Segen mit Liebe verkündet wird.
  • Herr, unser Gott, segne die Menschen aller Religionsgemeinschaften, damit dein Segen friedvoll in der Welt sichtbar wird.
  • Herr, unser Gott, segne die Arbeit der Bahnhofsmission die sich für alle Menschen einsetzen.
  • Herr, unser Gott, segne unsere Verstorbenen, damit sie in deinem Reich dein Angesicht sehen dürfen.

 

Herr, unser Gott, du hörst unser Rufen und du segnest unser vertrauensvolles Gebet zu dir. So gehen wir in deinem Namen und preisen dich in Ewigkeit. Gemeinsam beten wir mit den Worten, die Jesus Christus uns gelehrt hat: Vaterunser.

 

 

Irischer Segenswunsch

 

Möge Gott Dir immer geben, was Du brauchst:
Arbeit für Deine fleißigen Hände,
Nahrung für Deinen hungrigen Leib,
Antworten für Deinen fragenden Geist,
Freude und Liebe für Dein warmes Herz
und Frieden für Deine suchende Seele.

 

Es segne und behüte euch

der allmächtige und barmherzige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

 

AMEN.

 

[ Eintrag von: Ekma ]

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