Suchen

Nachgedacht

Trinitatis - Dreifaltigkeit

 

Nachgedacht Archiv

Umwelt-Tipps

Tipps rund um das Thema Umwelt, grüner Gockel

Drucken

  Seite drucken

Intranet

Login Intranet

Nachgedacht Archiv (Detailansicht)

zurück

VOM KREUZZEICHEN MACHEN UND DER NÖTIGEN VERGEBUNG

Die junge Frau, die neben mir sitzend das Spiel Portugal-Niederlande ansah, war in Verzückung: „Luis Figo!!!“ – ausgesprochen in sehnsüchtigem, bewunderndem, ach-was-ein Traum – Ton, garniert mit Luftküsschen, hieß es nicht nur einmal. Das ist wohl ein Fußballspieler, der ankommt bei den Mädels. Später war sie dann etwas weniger begeistert. Und das kam so:

Luis Figo ist einer, der beim Betreten und Verlassen des Rasens sich bekreuzigt: Hand auf die Erde, kurzer Halt der Hand an der Stirn, dann das Kreuzzeichen. Das Spielfeld wird hier zum heiligen Raum, zu besonderem Boden, da wird gezeigt: Ich befinde mich jetzt außerhalb des Profanen, bin jetzt bei meiner Form von Gottesdienst.

Oftmals zeigt sich während des Spiels, dass Herr Figo tatsächlich von Gott mit außergewöhnlichen Fähigkeiten versehen wurde – traumgleiche Pässe, Vorausahnen von Spielsituationen, ein echter Teamplayer.

Wer so im Mittelpunkt der Öffentlichkeit steht und sich auch selbst in diesen stellt, muss damit rechnen, dass besondere Maßstäbe angelegt werden. So wird einem wie Figo ein durchschnittliches Spiel nicht so leicht verziehen wie dem Grätscher mit der Nummer 4 oder dem Mittelfeldbeackerer, der aufwendig, aber wenig spektakulär spielt.

Für seine Aktionen gestern im häßlichen Fight der beiden Achtelfinalteilnehmer muss sich Luis Figo aber noch mehr anhören. Zum Beispiel hier von mir. Erst eine Kopfnuss gegen einen Gegenspieler, dann einem anderen zum Platzverweis verhelfend. Wer Vorbildfunktion hat, darf das einfach nicht tun – erst recht nicht, wenn ihm sein Arbeitsplatz ein begnadeter zu sein scheint. (Er wird auch im Nachhinein nicht dafür bestraft oder gesperrt werden können, da er die gelbe Karte erhielt.)

Ist aber für ihn das Spielfeld eine Art heiliger Ort, wird er wohl darauf hoffen können, dass es auch ein begnadeter Ort ist – denn Gott wird ihm verzeihen müssen, was er unter seinem Zeichen tat; und wir alle werden nur durch vorbildliches Verhalten vergessen können, was gestern im gesamten Spiel geschah.

Dann kann möglicherweise die junge Frau voller berechtigter Verzückung wieder „Luis Figo!!“ hauchen.

Daniel Maier von der AG Dia

Die vorausgegangenen "nachgedacht" zur WM finden Sie hier:
- 10.06.2006: Glaubensfragen und die WM
- 12.06.2006: GEWINNEN HEISST, DASS ES VERLIERER GIBT
- 14.06.2006: VIEL REDEN HEISST NICHT, VIEL ZU SAGEN ZU HABEN
- 18.06.2006: GROSS UND KLEIN
- 21.06.2006: Regeln um der Regeln willen
- 24.06.2006:Die halbe Welt zu Gast bei Freunden

zurück