Kirchenjahr

Kirchenjahr

Das Kirchenjahr unterscheidet sich vom Kalenderjahr. Es beginnt mit dem 1. Advent und endet mit dem Ewigkeitssonntag Ende November eines jeden Jahres. Das Kirchenjahr orientiert sich an den kirchlichen Feiertagen und läuft nach folgendem Schema ab: Advent, Weihnachten, Epiphanias, Passion, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, Trinitatis, Erntedankfest, Reformationstag, Buß- und Bettag, Toten- bzw. Ewigkeitssonntag. Am relevantesten sind der Oster- und der Weihnachtsfestkreis. (Quelle: EKD)

Ob es nun Weihnachten ist, wo daran erinnert wird, dass Gott das Dunkel menschlichen Lebens erhellt, oder Ostern, der Triumph der Auferstehung über den Tod: Wer das Kirchenjahr mitfeiert, lernt das Wesentliche des christlichen Glaubens kennen.

Das junge Christentum hat sich an der jüdischen Festtradition orientiert. Die wichtigen Ereignisse aus dem Leben Jesu und der frühen Christenheit wurden nach und nach in den Kalender eingeordnet: 

  • Pfingsten – Ausgießung des Heiligen Geistes und Entstehung der Kirche (am jüdischen Wochenfest)
  • Karfreitag und Ostern – Kreuzigung und Auferstehung (am jüdischen Passafest)
  • Weihnachten – die Geburt Jesu (wie das jüdische Lichterfest an der Wintersonnwende)

Überstrahlt werden alle Feste vom Sonntag, dem ersten Tag der Woche, an dem Jesus auferstanden ist. Daher wurde im Christentum vom Sabbat (Samstag), dem jüdischen Ruhetag, auf den Sonntag übergegangen. Schon bald wurde jeder Sonntag verbunden mit einem Ereignis aus dem Leben Jesu. Das Kirchenjahr entstand.

Spirituelle Rhythmen erleben: Gottesdienste zu Jahr und Tag

Christen glauben, dass Zeit ein Gottesgeschenk ist. Wie wertvoll dieses Geschenk ist, kann man erleben, wenn Zeit nicht einfach nur verrinnt, sondern dem Leben immer wieder eine besondere Qualität gibt: Vorbereitungszeiten, Höhepunkte und Zeiten des Nachklingens geben der Zeit einen Rhythmus, der Körper, Seele und Geist wohltut.

Unsere Zivilisation ist bis heute geprägt von einem Kulturgut, das das junge Christentum aus seiner jüdischen Wurzel übernommen hat: die Sieben-Tage-Woche mit dem Sabbat als Tag der Ruhe und des Gedenkens an Gottes Schöpfungs- und Befreiungstat. Von Anfang an feierten Christen neben dem Sabbat den ersten Tag der Woche als Tag der Auferstehung Jesu, den Sonntag. Nach und nach wurden die Ereignisse aus dem Leben Jesu den Sonntagen zugeordnet. Man orientierte sich dabei am jüdischen Festkalender: Das Fest der Geburt Jesu (Weihnachten) liegt wie das jüdische Chanukkafest in der Nähe der Wintersonnenwende; Karfreitag und Ostern nahe beim jüdischen Passafest; das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes (Pfingsten) in der Nähe des jüdischen Wochenfestes. So entstand ein spiritueller Jahreskreis, durch den jede Christin und jeder Christ die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte Gottes mit den Menschen, die im Glaubensbekenntnis zusammengefasst sind, miterleben kann. Die Gottesdienste des ganzen Jahres sind geprägt von diesen Festen mit ihren Zeiten der Vorbereitung und des Nachklingens. Das erkennt man an den biblischen Lesungen, den Liedern und auch an den Farben, die Kanzel und Altar schmücken - und manchmal auch die Stola der Pfarrerin / des Pfarrers.

Die Festtage im Kirchenjahr:

Advent: Das Kirchenjahr beginnt mit dem ersten Sonntag im Advent. Die vier Sonntage im Advent unterbrechen die vorweihnachtliche Fastenzeit.
Advent = Ankunft. Es ist die Zeit des Wartens auf die Ankunft des Messias.

Weihnachten: Am Heiligen Abend (24. 12.) feiern wir die Geburt Christi, dem versprochenen Messias. Mit ihm beginnen die Feiern zum Weihnachtsfest (25. 12.).

Weihnachtszeit: Die Weihnachtszeit umfasst die Tage der 12 Heiligen Nächte. Sie beginnen am Heilig Abend (24.12) und enden an Epiphanias (06. 01.)
(Erscheinungsfest).

Passionszeit: Die sieben Wochen vor Ostern sind die zweite lange Fastenzeit des Kirchenjahres.

Karwoche: Die Karwoche umfasst die Woche vor dem Osterfest. In ihr gedenken wir dem Leiden und Sterben Christi. In vielen Gemeinden werden in dieser Woche an den Abenden Passionsandachten gefeiert. Der Gründonnerstag erinnert an die Einsetzung des Abendmahls und der Karfreitag an die Kreuzigung Jesu und daran, dass Jesus den Kreuzestod für uns auf sich nahm, um uns von unseren Sünden zu erlösen.

Ostern: Der Ostertermin ist variabel. Am Ostersonntag feiern wir die Auferstehung von Jesus Christus, den Sieg des Lebens über den Tod.

Osterzeit und Himmelfahrt: Die Osterzeit umfasst die 50 Tage zwischen Ostern und Pfingsten. Der Fokus in dieser Zeit liegt auf dem auferstandenen Christus.
Der Himmelfahrtstag wird 40 Tage nach Ostern gefeiert. An ihm gedenken wir der Himmelfahrt, der Rückkehr Jesu zu seinem Vater.

Pfingsten: Das Pfingstfest (Ausgießung des Heiligen Geistes) feiern Christen 50 Tage nach Ostern. Es ist gleichzeitg die Geburtsstunde der Kirche.

Trinitatis: Der Sonntag nach Pfingsten ist das Trinitatisfest (Fest der Heiligen Dreieinigkeit).

Erntedank: Am Sonntag nach Michaelis (29.09.) feiern wir das Erntedankfest.

Reformationstag: Der Reformationstag symbolisiert die Entstehung der evangelischen Konfession. Der Reformator Martin Luther hatte am 31. Oktober, einen Tag vor Allerheiligen, im Jahr 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel veröffentlicht.

Buß- und Bettag: Der Buß- und Bettag ist Aufruf zur Um- und Einkehr.

Ewigkeitssonntag: Im letzten Monat des Kirchenjahres, im November, konzentrieren evangelische Christen sich auf Trauer und auf Buße: der Ewigkeitssonntag schließt das Kirchenjahr ab. (Quelle: Evangelische Landeskirche in Baden)

Foto: Alexander Kästel