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„Flagge zeigen, Gesicht zeigen“

Tag der Deutschen Einheit: Demonstration, Musik, Reden, Poetry Slam, Talkrunden und die Nationalhymne bei der Veranstaltung „Für Demokratie, Menschlichkeit und Rechtsstaat“ am 3. Oktober in Mannheim

„Flagge zeigen, Gesicht zeigen“

(28.9.18, Mannheim) „Gegen etwas zu sein, ist relativ einfach. Jetzt ist es Zeit zu zeigen, wofür wir stehen“, sagte Dekan Ralph Hartmann beim Pressegespräch in den Räumen des SV Waldhof. Es sei wichtig, dass Bürgerinnen und Bürger für die Demokratie einstehen. Der Tag der Deutschen Einheit sei dafür ein starkes Datum. Deshalb hat er vor einem Monat die Veranstaltung „Für Demokratie, Menschlichkeit und Rechtsstaat“ initiiert, die von einem breiten Unterstützerkreis aktiv mitgetragen wird. Am 3. Oktober rechnet er mit bis zu 3.000 Menschen, die ab 14 Uhr an der Demonstration und Kundgebung teilnehmen.

Gemeinsam mit dem Unterstützerkreis aus Kirche und Sport, Kultur und Wirtschaft, Schule und Hochschule verdeutlichte Hartmann die Motivation, am 3. Oktober auf die Straße zu gehen. „Es ist Zeit, Flagge zu zeigen und Gesicht zu zeigen“, ist Hartmann überzeugt und erinnerte an das Wort „Demokratie braucht Demokraten“ von Friedrich Ebert.

Fairplay im Sport und im Miteinander, „Marke Deutschland“ in Gefahr

Das Stadion sei ein Spiegelbild der Gesellschaft, sagte Markus Kompp, Geschäftsführer des SV-Waldhof und Gastgeber des Pressegesprächs. „Es ist ganz klar, dass wir unsere gesellschaftliche Verantwortung gerecht werden wollen.“ Sport könne „nicht nur auf dem Platz eine Gemeinsamkeit schaffen, sondern auch im Stadion und auch darüber hinaus“, ist Kompp überzeugt. Für die Löwen Rhein-Neckar, betonte deren Geschäftsführerin Jennifer Kettemann, seinen „Respekt, Toleranz, Fairness eine Selbstverständlichkeit“. Die Mannschaft mit ihren Spielern aus neun Nationen funktioniere nur, wenn sich alle aufeinander verlassen könnten. „Wir leben von dieser Vielschichtigkeit“, die sie sich auch für die Gesellschaft als Selbstverständlichkeit wünsche. „Im Vereinsleben steht der Sport an erster Stelle. Gleichzeitig fördert es Kameradschaft, Zusammengehörigkeitsgefühl und Solidarität“, sagte Dr. Sabine Hamann, Vorsitzende Sportkreis Mannheim, „Genau darum geht es bei dem Marsch am 3. Oktober, weshalb wir ihn gerne unterstützen.“

Auch die Schülerschaft engagiert sich, denn für die Jugend zählt Gemeinschaft. „Es ist unsere Zukunft und es ist uns wichtig, mitzumachen“, sagteThilo Dieing, Vorsitzender des Stadtschülerrats Mannheim. Die Jugend sei interessiert an den gesellschaftlichen Vorgängen. „ Wir hoffen, dass möglichst viele Jugendliche zu der Veranstaltung kommen.“

Mustafa Baklan, Unternehmer und Geschäftsführer der Suntat Gruppe, erinnerte an die Migranten der ersten Generation, die das deutsche Wirtschaftswunder mit ermöglicht haben und nun in der zweiten Generation allein 80.000 türkischstämmige Unternehmer mit fast 500.000 Mitarbeitenden stellen und ein wesentlicher Teil dieser Gesellschaft darstellen. Um ökonomische Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland sorgt sich Prof. Dr. Verena König, die an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Mannheim, Immobilienwirtschaft und Markenbildung lehrt. Wenn fremdenfeindliche Bilder aus Deutschland um die ganze Welt gingen, dann schade dass letztendlich „der Marke Deutschland“, die für Vertrauen, Anstand und Qualität stünde.

Ein Zeichen setzen am 3. Oktober für eine Kultur des Miteinanders

„Ich finde es super, dass diese Veranstaltung am Tag der Deutschen Einheit stattfindet“, sagt der Filmemacher und Regisseur Philipp Kohl (u.a. Transnationalmannschaft), „denn gerade den Begriff Deutschland und was mit ihm assoziiert wird, müssen wir den Rechten auch ein stückweit wegnehmen. Deutschland steht für eine offene Gesellschaft, die wiederum für Demokratie, Menschlichkeit und Rechtsstaat steht.“ Er hoffe, dass viele an der Veranstaltung teilnehmen.

Karl Jung, Dekan der katholischen Kirche, betonte: „ Wo die demokratische Kultur in Deutschland infrage gestellt wird, wo Spielregeln der Menschlichkeit verletzt werden und wo gegen Rechtsstaatlichkeit angegangen wird, ist es wichtig, sich genau für diese Werte einzusetzen.“ Er beobachte, dass in die Gesellschaft in Deutschland auseinander zu brechen drohe. „Unsere Aufgabe sehe ich als Brückenfunktion. Denn wir stehen für eine Kultur des Miteinanders.“

Auch die Vorkommnisse in Chemnitz hatten Dekan Hartmann Anfang September veranlasst, gemeinsam mit 14 Erstunterzeichnerinnen und –unterzeichnern den Aufruf „unser Zusammenleben braucht Menschlichkeit“ zu publizieren und zur Veranstaltung am 3. Oktober aufzurufen, mit der sich auch die beiden Stadträte Marianne Bade und Gerhard Fontagnier mit der von ihnen bereits geplanten eigenen Veranstaltung verbunden haben.

Sie findet am Mittwoch, 3. Oktober statt. Beginn ist am 14 Uhr auf dem Alten Messplatz und führt als Demonstrationszug zum Mannheimer Schloss. Dort beginnt ab 15 Uhr eine Kundgebung im Ehrenhof mit einer Rede von Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und Dekan Ralph Hartmann sowie Talk-Runden mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Schule, Religion und Sport, Kultur und Bildung. (dv)

Infos zur Veranstaltung, den Aufruf vom 4. September, digitale Unterstützung sowie die Statements der Erstunterzeichner gibt es unter: www.menschlichkeit-rhein-neckar.de

Bildunterschrift: Machen sich auch am 3. Oktober bei der Kundgebung in Mannheim stark für Demokratie, Menschlichkeit und Rechtsstaat: (v.l.n.r.) Markus Kompp (Geschäftsführer SV Waldhof), Thilo Dieing (Vors.Stadtschülerrat Mannheim), Mitte: Dekan Karl Jung (kath. Kirche), Philipp Kohl (Regisseur, Filmmacher), Dekan Ralph Hartmann (evang. Kirche), vorne: Dr. Sabine Hamann (Vors. Sportkreis Mannheim), Mustafa Baklan (Gesch.führer Suntat), Jennifer Kettemann (Gesch.führerinRhein-Neckar-Löwen), Prof. Dr. Verena König (Duale Hochschule Ba-Wü, Mannheim). Foto: Domenico Marinese.

 

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