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Rede von Dekan Ralph Hartmann

„Für Demokratie, Menschlichkeit und Rechtsstaat“ Demonstration und Kundgebung in Mannheim, 3. Oktober 2018

Rede von Dekan Ralph Hartmann

Es gilt das gesprochene Wort


Liebe Mitmenschen,

freut mich, dass so viele gekommen sind und dass so viele unserem Aufruf gefolgt sind. Es ist Zeit, dass wir ein Zeichen setzen, dass wir miteinander aufstehen. Miteinander auf die Straße gehen. Es ist Zeit dass wir deutlich machen, wofür wir stehen. Für Demokratie, für Menschlichkeit, für Rechtsstaat

Es ist Zeit, dass wir das als Bürgerinnen und Bürger zeigen, wofür wir aufstehen und einstehen.

Für Demokratie, Menschlichkeit und Rechtsstaat.

Manche haben gesagt: „Das wird schwer heute. Du kriegst Menschen viel leichter gegen etwas auf die Straße. Aber nur schwer – für etwas.“

Aber uns war es wichtig, es genau so zu machen und das FÜR in den Vordergrund zu stellen.

Weil man immer zuerst mal FÜR ETWAS sein muss, bevor man GEGEN sagt. Weil dieses FÜR aus einer Meinung eine Haltung macht. Und das ist es, was wir brauchen: Haltung.

Ganz ehrlich will ich sagen: Ich bin es satt,

dieses ständige Gegeneinander
dieses Draufhauen in den sozialen Netzwerken
diese Lust am Polarisieren
diese Sucht nach Destruktiven und am Misstrauen
diese Haltungen, die nur Freund oder Feind kennen und vergessen haben, dass Zusammenleben und Zusammenhalt nur mit Toleranz und Kompromiss gelingt.

Unter uns grassiert eine Art Virus. Das sind Kräfte, die Ängste und Sorgen von Menschen schüren, manipulieren und missbrauchen. Das sind Kräfte, die uns schwächen, indem sie systematisch Misstrauen und Unsicherheit säen.

Das sind Kräfte, die uns schwächen, weil sie alle unsere Institutionen diskreditieren Das sind Kräfte die auf berechtigte Fragen die falschen Antworten geben, weil sie Feindbilder schüren, weil sie Identität durch Ausgrenzung versprechen, weil sie Menschen gegeneinander aufbringen und Gräben schaufeln, statt Brücken zu bauen.

Ein Virus ist unterwegs, der unsere Grundwerte schwächt und diskreditiert, der unsere Demokratie und Rechtsstaat aushöhlt, der uns Menschlichkeit abgewöhnt.

Es ist Zeit, dass wir als Bürgerinnen und Bürger für die Grundwerte aufstehen und einstehen, die uns seit 70 Jahren tragen und die in unserem Grundgesetz niedergelegt sind.

Es ist Zeit, dass wir der Idee unseres Grundgesetzes folgen und dieses durchbuchstabieren:

Artikel 1: “Die Würde des Menschen ist unantastbar“.

Das bedeutet,

den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen unabhängig davon, wie er aussieht, wo er herkommt, woran er glaubt und wie er lebt.
den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, damit sich Menschen mit ihren Gaben und Möglichkeiten frei entfalten können.
den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen mit seinem Vermögen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Es mag in manchen Ohren naiv klingen, wenn man von Miteinander spricht, von Zusammenhalt., von Menschlichkeit, von Nächstenliebe, von Solidarität - und von der Freiheit, die immer auch in gleichem Maß Verantwortung bedeutet. Und von Verantwortung, die nur mit Freiheit möglich ist.

Das mag in manchen Ohren naiv klingen. Aber das heißt noch lange nicht, dass es nicht wahr ist. Ich glaube daran, dass wir unsere Zukunft am besten gestalten, wenn wir
dieser Spur folgen, die unser Grundgesetz gelegt hat: :Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieser Artikel gilt allen Menschen.

Ich will in einem Land leben, in dem niemand Angst haben muss, wegen seines Aussehens, Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Religion, Lebensweise und sexueller Orientierung beschimpft, bedroht oder angegriffen zu werden. Ich will in einem Land leben, in dem wir uns zuerst als Menschen begegnen – und nicht in Schubladen und Feindbildern denken. Ich will in einem Land leben, in dem wir offen über unsere gesellschaftlichen Fragen und Probleme sprechen,

gerne über Integration, über die Praxis unseres Asylrechts,
gerne auch über die Mieten über Renten und Kindergeld
über sozialen Zusammenhalt + die Scheren, die sich auftun.

Offen darüber reden und diskutieren – aber nicht, wenn die Antworten Feindbilder kultivieren und wenn einfache Scheinantworten Vorteile auf Kosten von Minderheiten versprechen.

Ich will in einem Europa leben, das sich über Freiheit und Verantwortung definiert – und nicht über Zäune und Ausgrenzung. Ich will in einem Europa leben, das Minderheiten schützt. Ich will in einem Europa leben, das Menschen aufnimmt, die verfolgt werden, die vor Krieg und Hunger fliehen.

Und ich will in einer Stadt leben, die auf Begegnung setzt, auf das Miteinander von verschiedenen Religionen, Kulturen und Lebensweisen.

Es ist Zeit, dass wir ein Zeichen setzen, dass wir Miteinander aufstehen. Miteinander auf die Straße gehen. Miteinander einstehen: Für Demokratie. Für Menschlichkeit. Für Rechtsstaat.

Es ist Zeit, dass wir uns als Bürgerinnen und Bürger zeigen und deutlich machen, dass wir aus der Mitte unserer Gesellschaft heraus zu unseren Grundwerten stehen.

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