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Synode beschließt Klimaschutzkonzept

Klimawandel: Evangelische Kirche Mannheim wird CO2-Ausstoss deutlich reduzieren

Synode beschließt Klimaschutzkonzept

(19.11.2018, Mannheim) Einstimmig hat die Mannheimer Synode als bundesweit erster evangelischer Kirchenbezirk die Umsetzung des ambitionierten Klimaschutzkonzepts beschlossen. Ziel ist eine Reduzierung des CO2-Ausstosses um 15 Prozent bis 2021 und um 85 Prozent bis 2050. Dazu beginnen vielfältige Maßnahmen und ein grundlegendes Umdenken.

„Wir verstehen unser Klimaschutzkonzept als eine Selbstverpflichtung nach innen und zugleich eine deutliche Botschaft an die Gesellschaft“, sagte Dekan Ralph Hartmann auf der zweitägigen Herbstsitzung der Stadtsynode. „Damit wollen wir unserem christlichen Auftrag, die Schöpfung zu wahren, eine weitere konkrete Form geben.“ Klimaschutz sei mehr als Energieeinsparung und Umweltschutz. „Es geht um eine menschenwürdige und lebensfreundliche Zukunft“, betonte Hartmann. „Es geht um die gerechte Teilhabe an den natürlichen Lebensgrundlagen unserer Welt. Hierbei haben die Industrieländer eine besondere Verantwortung.“

85 Prozent weniger CO2 bis 2050: Vorbild und Vorreiter sein


In 14 Landeskirchen, darunter auch die badische sowie die benachbarten in Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, liegt ein Klimaschutzkonzept bereits vor. Als erster evangelischer Stadtkirchenbezirk Deutschlands hat nun die Evangelische Kirche in Mannheim ein solches Konzept erstellt. „Wir verstehen uns als Vorbild und als Vorreiter“, sagt Dekan Hartmann.

Die CO2-Gesamtbilanz der Evangelischen Kirche in Mannheim belief sich im Jahr 2017 auf 4.701 Tonnen. Davon entfallen rund 81 Prozent auf die Gebäude, 14 Prozent auf die Mobilität und fünf Prozent auf den Bereich Beschaffung. Diese Emission soll bis zum Jahr 2050 im Vergleich zum Basisjahr 2017 um 85 Prozent reduziert sein. Dazu sollten als Teilziele eine Reduzierung um 15 Prozent bis 2021 und anschließend weitere 25 Prozent bis 2025 gesetzt werden, erläuterte Dr. Oliver Foltin von der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) in Heidelberg bei der Vorstellung des Konzepts. Gemeinsam mit der Projektgruppe um Kirchenverwaltungsdirektor Steffen Jooß hat die FEST das Konzept in den vergangenen 14 Monaten erarbeitet. „Mit diesem Beschluss will die Synode die Kirchenmitglieder auch zum Umdenken anregen: Eine verstärkte Umweltkommunikation sowie Bildungs- und Jugendarbeit vor Ort sollen den Klimaschutz noch stärker zum Thema in der Evangelischen Kirche in Mannheim machen“.

Gebäude, Mobilität und Beschaffung


Das Klimaschutzkonzept benennt für die CO2-Reduzierung zwei Aspekte: Zunächst eine Bestandsaufnahme der CO2-Emissionen in den Bereichen der Gebäude, der Mobilität und der Beschaffung. Auf dieser Grundlage wurde die erforderliche Reduktion definiert, damit die angestrebten CO2-Ziele erreicht werden können. Der zweite Schritt umfasst ein Maßnahmenbündel für die genannten Bereiche. Für diese Umsetzung soll eine vom Bundesministerium geförderte Projektstelle „Klimaschutzmanagement“ auf zunächst drei Jahre eingerichtet werden. Schulungen der Mitarbeitenden, verantwortliche Ansprechpersonen in den Gemeinden und Arbeitsbereichen sowie
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ein Controlling im Energiemanagement werden die Effizienzmaßnahmen im Bereich der Gebäude, den Ausbau von Photovoltaik und Solarthermie, die Umstellung im Einkaufsbereich und Rahmenbedingungen für umweltfreundliche Mobilität begleiten.

„Vor allem im Bereich unserer Gebäude können wir durch einen effizienten Einsatz von Energie sehr viel zum Klimaschutz beitragen“, sagt Projektleiter und Kirchenverwaltungsdirektor Steffen Jooß. Die Verwaltung hat dazu bereits grundlegende Daten erfasst, auf denen nun aufgebaut werden kann: Für die 169 Gebäude der Evangelischen Kirche Mannheim, in denen 557 Einheiten wie beispielsweise Wohnungen, Kitas etc. verwaltet werden, wurden für Strom und Heizungsenergie die CO2-Emissionen ermittelt, wobei auch die Gebäude des Diakonischen Werks Mannheim und der Evangelischen Pflegedienste Mannheim (EPMA) einbezogen wurden. Aus den Verbräuchen der letzten Jahre ergibt sich ein Mittelwert von jährlich rund 3.800 Tonnen CO2, wobei rund ein Drittel auf Strom und zwei Drittel auf den Verbrauch an Heizenergie entfallen. Ergänzend zu den Maßnahmen des Liegenschaftsprojekts mit seiner Flächenkonzentration sind nun beispielsweise die weitere Optimierung von Heizungseinstellungen und die Umstellung auf LED-Beleuchtung geplant.

Auch im Bereich der Mobilität, also Dienstfahrten und Fahren der Mitarbeitenden zu Arbeitsstätten und Einsatzorten, werden Treibhausgase produziert. Hier entstehen durch die insgesamt 1.162 Beschäftigten jährlich rund 677 Tonnen CO2. Mit der Förderung von Fahrgemeinschaften durch carpooling sowie der Nutzung von Fahrrädern, der Option von Tele-Arbeitsplätzen und der Einführung von Telefon- und Videokonferenzen sowie klimafreundlichen Dienstfahrzeugen und verbesserten Angebote im Öffentlichen Nahverkehr lässt sich in diesem Bereich viel bewegen. Das Themenfeld Beschaffung mit seinen jährlich 234 Tonnen CO2 umfasst Bereiche wie Papier, EDVProdukte und vor allem im Kita-Bereich die Lebensmittel. Hier sollen Richtlinien für ökofaire Beschaffung erarbeitet und beispielsweise der Kauf energieeffizienter Büro- und Haushaltsgeräte Standard werden.

Schon jetzt 100 Prozent Ökostrom und viele „Grüne Gockel“


Die Evangelische Kirche engagiert sich schon seit vielen Jahren im Bereich Umwelt- und Klimaschutz. So nutzt der Bezirk als einziger evangelischer Kirchenbezirk in Baden ausschließlich Ökostrom, fast die Hälfte der Gemeinden gehören dem „Grünen Gockel“ für umweltbewusstes Management an, in den 48 Kitas gehören Umweltschutz sowie die Wahrung der Schöpfung zum pädagogischen Alltag dazu, auf Dächern einiger Kitas sowie von M1 und dem Gemeindehaus in Sandhofen wird Strom mit Photovoltaik-Anlagen erzeugt, die Kirchenverwaltung setzt seit Jahren Recyclingpapier ein und seit diesem Jahr sind einige E-bike-Kirchenräder unterwegs. Auch 2019 werden sich viele Gemeinden an der Fastenaktion für Klimaschutz & Klimagerechtigkeit beteiligen.

Info: Die Stadtsynode Mannheim hat auf ihrer Herbstsynode 2017 die Erstellung eines Klimaschutzkonzepts für die Evangelische Kirche Mannheim beschlossen. Das Klimaschutzkonzept wurde erstellt von Dr. Oliver Foltin und Prof. Dr. Volker Teichert von der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V. (FEST) unter Beteiligung der Arbeitsgruppe „Klimaschutz“ mit Projektleiter Steffen Jooß, Leiter der Evangelischen Kirchenverwaltung Mannheim. Das Konzept ist gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Für die Jahre 2018/2019 stellt der Mannheimer Kirchenbezirk für das Klimaschutzprojekt 100.000 Euro zur Verfügung.

Bildunterschrift: Die Evangelische Kirche Mannheim hat als bundesweit erster Kirchenbezirk ein Klimaschutzkonzept: (v.l.n.r.)Prof. Dr. Volker Teichert und Dr. Oliver Foltin von der FEST, Synodenvorsitzende Hannelore Dänzer und Projektleiter Steffen Jooß freuen sich über das klare Votum der Synode. Foto: de Vos (dv).

Klimaschutzkonzept-Langfassung: Lesen Sie hier!

Klimaschutzkonzept-Kurzfassung: Lesen Sie hier!

 

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