Aktuelles

Vertrauen und Vitamine für den Finalisten

Evangelisches Eltern-Kind-Zentrum ist im Stadtteil Hochstätt ein wichtiger Anker

Vertrauen und Vitamine für den Finalisten

(05.02.2019, Mannheim) Das Team sieht seine Arbeit als „ganz normal“ an. Für die Jury des Deutschen Kita-Preises 2019 ist sie preiswürdig. Das Eltern-Kind-Zentrum Kieselgrund ist im Stadtteil Hochstätt inzwischenein wichtiger Stabilisator, genießt das Vertrauen der Eltern und kann dadurch den Kindern auf ihrem Bildungsweg entscheidend und konkret helfen. Als einer von bundesweit zehn Finalisten nimmt sie als einzige Kita Baden-Württembergs am 13. Mai an der Preisverleihung in Berlin teil. Dekan Ralph Hartmann überreichte dem Finalisten-Team mit weiteren Kirchenvertretern einen prall gefüllten Obstkorb voller Vitamine.

Die immer wieder sehr herausfordernde Arbeit, so die Leiterin des evangelischen Eltern-Kind-Zentrums Claudia Hauschild, erfülle sie und ihr Team mit Stolz und großer Sinnhaftigkeit. Durch das Vertrauen, das sie in der Elternschaft aufgebaut haben, durch das intensive und flexible Eingehen auf die einzelnen Kinder, durch das Anpassen vieler Abläufe an die Bedarfe sowie durch die Kooperation mit anderen Fachleuten und die Vernetzung im Stadtteil kann sie gemeinsam mit ihrem Team für die Kinder und Familien viel bewirken. „Wenn wir nicht hier wären, ginge es den Kindern schlechter“, sagt Hauschild. „Allein das ist für uns jeden Tag eine große Motivation, denn wir wissen, wie viel wir hier bewirken können. Und das macht uns auch stolz.“

Erstklassige Arbeit in schwierigem Umfeld

Die Orientierung am Kind und die Einbeziehung der Eltern, die zentrale Kriterien für den Deutschen Kita-Preis 2019 sind, finden im evangelischen Eltern-Kind-Zentrum auf der Hochstätt unter besonderen Bedingungen statt. So führt der Sozialatlas der Stadt Mannheim 2018 für den Stadtteil auf, dass 47 Prozent der unter-15-Jährigen in Bedarfsgemeinschaften leben und damit in materiell benachteiligten Haushalten aufwachsen. Die Hochstätt, ursprünglich eine Eisenbahnersiedlung, ist einer der jüngsten Stadtteile Mannheims. In den 1960er Jahren wurden dort im Zuge des sozialen Wohnungsbaus zahlreiche Gebäude errichtet. Heute leben dort viele Menschen, die sich die Mieten in anderen Stadtteilen nicht leisten können.

„Die Familien in unserem Stadtteil müssen vielfältige Problemlagen bewältigen, die oft über die finanzielle Situation hinausgehen“, sagt Claudia Hauschild. Besonders gravierend sei dabei die fast komplett fehlende Teilhabe der gesamten Familien am gesellschaftlichen und kulturellen Leben.

Das Essensangebot im Eltern-Kind-Zentrum, erläutert Hauschild, sei rasch auf Vollversorgung umgestellt worden. „So können wir den Kindern den ganzen Tag über gutes Essen anbieten. Eine Kochfrau sorgt für frisch Gekochtes, was die Kinder besonders mögen. Auch mit den Bringzeiten hat sich das Team auf die Familiensituationen eingestellt, ist von der Bringzeit bis spätestens neun Uhr abgerückt und hat diese flexibler gestaltet.

Vertrauen und Wertschätzung

„Wir konzentrieren uns nicht auf die kulturellen Gegebenheiten der Herkunftsländer der Familien“, sagt Hauschild, „sondern wir konzentrieren uns auf die Familienkultur der einzelnen Familie“. Dies gelinge so gut, weil die Familien dem Kita-Team vertrauen. „Dieses Vertrauen der Familien bedeutet uns sehr viel. Wir erleben es als eine Auszeichnung unserer Arbeit“, so Hauschild. „Weil die Eltern uns Einblicke in ihre Lebenssituationen gewähren, können wir oft vieles besser verstehen“. Auch für die Kinder sind die Teammitglieder Vertrauenspersonen. „Sie spüren unsere Wertschätzung für sie und wissen, dass wir ihnen bei ihren Anliegen zuhören“. Grundsätzlich sei die pädagogische Arbeit darauf ausgerichtet, möglichst viele Impulse der Kinder aufzugreifen und in den Alltag zu integrieren, zum Wohl des einzelnen Kindes und auch zum Nutzen der Gruppen.

Im Eltern-Kind-Zentrum Kieselgrund sind gemeinsam mit der Leitung 20 pädagogische Fachkräfte sowie zwei Kochfrauen da. Gemeinsam betreuen sie 80 Kinder aus mehr als 20 Nationen in zwei Krippen- und drei Kita-Gruppen. Für alle Gruppen gilt die Ganztagszeit, so dass die Kinder von 7 bis 17.15 Uhr betreut sind.

In den Räumen der Kita gibt es unabhängig davon, ob die Kinder einen Platz in der Kita haben, wichtige Angebote für Eltern und deren Kinder im Alter von null bis drei Jahren, beispielsweise Krabbelkreise, Babymassage und Nähkurse. Dabei wird das Kita-Team im Rahmen der „Frühen Hilfen“ der Stadt Mannheim unterstützt von einem multiprofessionellen Team, eine Kinderkrankenschwester, einer Psychologin und eine Sozialarbeiterin des städtischen Jugendsamts angehören. Vor allem wegen der Lage des Stadtteils sind viele Familien kaum in der Lage, Angebote außerhalt des Stadtteils wahrzunehmen. Deshalb finden zahlreiche dieser helfenden Angebote im Eltern-Kind-Zentrum Kieselgrund statt.

Das Eltern-Kind-Zentrum Kieselgrund ist aktiv in mehreren Arbeitskreisen und arbeitet eng mit der „Pädagogischen Werkstatt“, mit der Grundschule, dem Sozialen Dienst des Jugendamts und anderen Akteuren zusammen. Das Kieselgrund-Team ist dabei auch initiativ für den gesamten Stadtteil: So hat es beispielsweise das Projekt „Guter Schulstart leicht gemacht“ mitinitiiert für Kinder, bei denen die reguläre Einschulung bedroht ist. Auch hat das Team das Projekt „Gustav“ gegründet, das das Thema Gesundheit im Stadtteil mit Themen wie Ernährung, Bewegung und Mobilität im Alter heranführt. (dv)

Bildunterschrift: Mit einem vitaminreichen Obstkorb gratulieren Vertreter der Evangelischen Kirche Mannheim dem Finalisten: Leiterin Claudia Hauschild (Mitte) mit Abteilungsleiterin Sabine Zehenter, Verwaltungsdirektor Steffen Jooß und Dekan Ralph Hartmann (re.) Foto: ekma.

 

Zurück zur Liste

Jahreslosung 2019

sanctclara