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Grußwort Pfarrer Stefan Scholpp, stellvertretender Vorsitzender der Stadtsynode, im Gottesdienst zur Verabschiedung von Helmut Bühler Kaufm. Direktor des Diakonischen Werks Mannheim in der Citykirche Konkordien 27. Februar 2019,

Grußwort Pfarrer Stefan Scholpp, stellvertretender Vorsitzender der Stadtsynode, im Gottesdienst zur Verabschiedung von Helmut Bühler Kaufm. Direktor des Diakonischen Werks Mannheim in der Citykirche Konkordien 27. Februar 2019,

Gottesdienst zur Verabschiedung von Helmut Bühler Kaufm. Direktor des Diakonischen Werks Mannheim in der Citykirche Konkordien 27. Februar 2019.

Grußwort Pfarrer Stefan Scholpp, stellvertretender Vorsitzender der Stadtsynode

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder, und natürlich vor allem: lieber Herr Bühler,

im Namen der Stadtsynode der Evangelischen Kirche in Mannheim und in Vertretung ihrer Vorsitzenden Hannelore Dänzer darf ich heute zu Ihnen sprechen. Bitte lassen Sie mich zunächst die herzlichsten Grüße von ihr an Sie übermitteln. Frau Dänzer bedauert ganz außerordentlich, dass sie heute wegen eines Trauerfalls im engsten Familienkreis nicht hier sein und zu Ihnen sprechen kann, sodass Sie mit mir vorlieb nehmen müssen.

Wenn wir heute Helmut Bühler aus seinem Dienst als kaufmännischer Direktor unseres Diakonischen Werkes verabschieden müssen, dann verlieren wir innerhalb weniger Wochen auch den zweiten Teil der diakonischen Doppelspitze in Mannheim. Sicherlich verrate ich Ihnen kein Geheimnis, wenn ich sage, dass – offensichtlich – unsere Idee, dem Badischen Kirchenleitungsdogma auch in der Diakonie eine institutionelle Gestalt zu geben, zwar gut gemeint war, aber nicht wirklich gut gemacht.

Die Idee war und ist ja, dass die Leitung unserer Kirche und eben auch ihrer Diakonie „geistlich und rechtlich in unaufgebbarer Einheit“ geschehe. Gut gemeint war, diese Leitung deshalb zwei Personen mit unterschiedlichen Professionen, aber mit derselben Verantwortung anzuvertrauen. Nicht ganz so gut gemacht war es aber anscheinend, dadurch eine institutionelle Konfliktsituation zu schaffen. Und schon in
der Beschreibung dieser Konfliktsituation – die, das möchte ich vorneweg betonen, nichts mit persönlichen Animositäten zu tun hat – lässt sich nicht so leicht Einigkeit herstellen. Würde ein wirtschaftlich Geschulter womöglich meinen, „es gab dadurch einen, der vor allem Geld ausgeben will und einen, der es vor allem zusammenhalten muss“, so würde eine theologisch Interessierte vielleicht sagen: „Es gab so einen, der Diakonie als praktizierte Nächstenliebe in der Nachfolge Jesu – und einen, der sie als soziales und sozialpolitisches Engagement für Schwache verstehen wollte.“ Nach meinem Verständnis sind so Grabungslinien gezogen worden, wo im Grunde keine Gräben sind und auch keine sein sollen.

Wie dem auch sei. Helmut Bühler hat solche großen Fragen nach dem Wesen der kirchlichen Diakonie selten einmal aufgeworfen. Aber er hat sie durch sein profundes Wissen um sozialpolitische Gegebenheiten, durch seine stupende Vernetzung mit anderen Akteuren im diakonischen und sozialen Bereich, durch seine klugen und zupackenden Entscheidungen in den verschiedenen Funktionen, die er bei uns innehatte, er hat sie durch seine aufmerksame, fast möchte man sagen liebevolle Mitarbeiterführung und nicht zuletzt durch seine aufmerksame Wahrnehmung von Menschen in vielfältigen Notlagen – Helmut Bühler hat solche großen Fragen nach dem Wesen der kirchlichen Diakonie durch seine Tat beantwortet. Und dies alles sehr zum Nutzen der ihm anvertrauten Menschen und dadurch auch zum Nutzen unseres Diakonischen Werkes.

Dekan Hartmann hat die wesentlichen Verdienste Ihrer Zeit als stellvertretender und dann als geschäftsführender Direktor bereits genannt; ich brauche sie hier nicht zu wiederholen. Ergänzen darf ich vielleicht, dass einen diese vielfältigen Erfolge nicht zu wundern brauchen. Denn: Helmut Bühler ist ein Schwabe. Und das Schwabenland ist, neben allen großen Dichtern und Denkern, die es hervorgebracht hat (Schiller! Schelling! Hölderlin!), vor allem bekannt für seine zahllosen Häuslesbauer und Kehrwöchnerinnen, also für seine Schaffer.

Zum Denker Bühler sei gefragt: Wussten Sie, dass er im Erststudium Jurist, im Zweitstudium BWLler und im Drittstudium Master der Unternehmensführung im Wohlfahrtsbereich ist? Zweifellos sind hier die Grundlagen seiner überragenden Fachlichkeit zu suchen. Und woher kommen dann seine Feinfühligkeit, seine Sensibilität im Zwischenmenschlichen, von der nicht nur Klientinnen und Klienten, sondern vor allem auch Mitarbeitende geradezu schwärmen können? Ganz klar! Aus seiner Zeit als Barkeeper. Der Barkeeper ist ja der Seelsorger par excellence, sein Urbild sozusagen, und als solcher hat sich Helmut Bühler sein Studium verdient. Zuhören und schweigen können: das zeichnet eben nicht nur den Barkeeper, sondern auch den Diakoniker Helmut Bühler aus. Alle, die Helmut Bühler kennen, werden nun noch eine dritte Eigenschaft vermissen, die ihn prägt – vielleicht noch mehr als die beiden vorgenannten. Ich meine seine Tatkraft, seine Fähigkeit, für Richtig Erkanntes dann auch um- und gegebenenfalls durchzusetzen. Wir bekommen es hier mit dem Soldaten Helmut Bühler zu tun, dem Oberstleutnant der Reserve, der er aktiv immer noch ist. Wer aber meint, sein Soldatsein erschöpfe sich im Befehle geben – oder Befehle ausführen – der irrt. Von diesem Konzept hat sich die Bundeswehr seit ihrer Gründung ja verabschiedet. „Innere Führung“ ist das Stichwort. Dass Sie, lieber Herr Bühler, solche „Innere Führung“ stets auch in ihrem DW praktiziert haben, das danken wir Ihnen sehr.

Erlauben Sie mir bitte noch eine vierte und letzte küchenpsychologische Herleitung. Jeder Mensch braucht, um etwas geben zu können, Quellen, aus denen er schöpft. Ressourcen also. Liebe Frau Bühler, verzeihen Sie mir bitte, wenn ich Sie jetzt als eine Ressource in Anspruch genommen habe. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, was Partnerinnen und Partner von kirchlichen Mitarbeitenden so alles mittragen und manchmal auch auffangen müssen. Also habe ich einen Blumenstrauß für Sie besorgt. Wofür Sie den selbst verdient haben (und nicht nur als Ehefrau!), das gehört wahrlich nicht hierher. Aber ich bin mir sicher, dass Sie ihn verdient haben. Ich verbinde ihn mit unserem Dank an Sie, dass Sie in all diesen Jahren Ihren Mann mit uns geteilt haben.

Lieber Herr Bühler. Die Evangelische Kirche in Mannheim dankt Ihnen für alles, was Sie für ihre Diakonie in Mannheim und darüber hinaus in Baden getan haben. Die Menschen dieser Stadt und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter danken Ihnen für das, was Sie für sie erreicht haben. Die Evangelische Gesellschaft in Stuttgart kann stolz sein und wird sich darauf freuen, dass Sie nun ihr als Vorstandsmitglied und Verwaltungschef dienen werden. Sie selbst können sich darauf freuen, ab und zu ein Gläschen Württemberger in seiner (des Württemberger Weines) Heimat zu trinken. Vielleicht darf’s ein Trollinger sein? Wenn wir das tun, dann werden wir jedenfalls gern an Sie denken. Und wenn uns der Trollinger dann ein wenig trocken vorkommen sollte – dann erinnert uns das umso mehr an Sie. Wir wünschen Ihnen jedenfalls, und wir wünschen es uns, dass Sie an die Jahre in Mannheim gern zurückdenken. Hier haben Sie ja nicht nur gearbeitet. Hier haben Sie ja auch gelebt.

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