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„Jahrhundertgottesdienst“ mit „Gänsehautmoment“

Ökumenischer Festgottesdienst zur Glockenweihe in St. Pius

„Jahrhundertgottesdienst“ mit „Gänsehautmoment“

(07.05.2019, Mannheim/Neuostheim) In der Mannheimer Ökumene-Kirche St. Pius haben Christen der Quadratestadt einmal mehr ein sicht- wie hörbares Zeichen der Einheit der Konfessionen gegeben: „In einem atmosphärisch dichten Jahrhundertgottesdienst“, wie Mitfeiernde betonten, sind zwei besondere Glocken von den Dekanen Karl Jung (katholisch) und Ralph Hartmann (evangelisch) gemeinsam geweiht worden.

Denn in St. Pius wird künftig ein Geläut zu hören sein, das wie auch das konfessionsübergreifende Miteinander der evangelischen Thomasgemeinde und der katholischen Pfarrei St. Pius in ein und dem selben Sakralraum eine Sonderrolle einnimmt. Gemeinsam mit den Glocken der Thomaskirche und der Glocke von St. Pius bilden die eigens für die Ökumene-Kirche Mannheims neu gegossenen mehrere Hundert Kilo schweren Klangkörper künftig ein gemeinsames Geläut.

Die Predigt, die die katholische Pastoralreferentin Kathrin Grein und der evangelische Pfarrer Stefan Scholpp gemeinsam hielten, stellte mit Anklängen an Martin Luther Kings berühmte Rede „I have dream“ deutlich heraus, welche große Wegmarke diese Kirche und das gesamte Ökumenische Zentrum Neuostheim für Mannheim und eine gelebte Ökumene sind. „Ich habe einen Traum“, sagte Pfarrer Scholpp, „dass sich die Evangelische und die Katholische Kirche in Mannheim endlich so verhalten, wie sie es einander (in der Ökumenischen Rahmenvereinbarung) versprochen haben: nämlich überall da gemeinsam zu handeln, wo nicht Gründe des Glaubens entgegenstehen.“ Weiter wolle er, „dass die St. Pius- und die Thomasgemeinde nicht wie zwei Traditionsvereine um die weniger werdenden Traditionalisten in Neuostheim konkurrieren, sondern sich gemeinsam und deutlich an die ganze Gesellschaft im Stadtteil wenden.“

Diesem Traum stellte Kathrin Grein die Hoffnung zur Seite, dass schwindende Mitgliederzahlen Fragen aufwerfen und Wege eröffnen helfen. „Mit wachem Blick und offenen Herzen dafür, was Menschen heute brauchen.“ Das gelinge nur, wenn nicht nur in der Ökumene vor Ort genau hingehört und wertschätzend agiert werde, sondern stadtweit und darüber hinaus gemeinsam der richtige Ton in der Ökumene gefunden werde. „Wir müssen nicht immer unbedingt mit einer Stimme sprechen“, betonte Grein, schließlich ergäben sich aus fünf Glocken auch die unterschiedlichsten Kombinationen. „Aus diesem Reichtum dürfen wir schöpfen und unterschiedliches miteinander zum Klingen bringen. Die „Einheit in Vielfalt“ kann für unsere Kirchen ein gemeinsamer Weg in die Zukunft sein.“

Diesen Einklang demonstrierten der katholische Stadtdekan Karl Jung und sein evangelischer Kollege Ralph Hartmann deutlich beim gemeinsamen Segen und der Weihe der Glocken. Feierlich bezeichneten sie diese in allen vier Himmelrichtungen mit einem Kreuz mit Chrisamöl. Das heilige Öl wird in der Katholischen Kirche ausschließlich bei Taufe und Firmung, bei Priester- beziehungsweise Bischofsweihe sowie bei der Weihe von Altären, Kirchen und Glocken verwendet. Diesem Moment der erwartungsfrohen Stille folgten die ersten Töne der Ökumene-Glocken, als sie die Dekane erstmals anschlugen. „Ein Gänsehautmoment“, wie mehrere Mitfeiernde bestätigten.

Ermöglicht hat diesen ganz und gar neuen Klang die Großspende eines Paares, das auch vor Ort ökumenisch miteinander verbunden ist – also sowohl der evangelischen Thomasgemeinde als auch der katholischen Pfarrei St. Pius angehört. Die Gemeinden selbst wie auch die Dekane im Sinne der Ökumene in der Quadratestadt zeigten sich während der Feierlichkeiten zur Glockenweihe voll des Dankes dafür. (schu/dv // Bilder: St. Pius/Felix Kübler)

Hintergrund

„Ein Herr – ein Glaube – eine Taufe“ und „Wir sind eins durch Ihn“ lauten die Inschriften der beiden Ökumene-Glocken, die im Jahr 2017 und 2018 entstanden. Nachdem die größere von beiden im Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ auf dem Vorplatz des Karlsruher Schlosses öffentlich gegossen werden sollte, dann aber doch in den Räumen der Fa. Bachert gefertigt wurde. Das größere Exemplar hat einen Durchmesser von 95,8 Zentimeter, ist 95,8 Zentimeter hoch und wiegt 574 Kilogramm. Die kleinere Glocke bring 140 Kilogramm auf die Waage und misst 59 Zentimeter in Durchmesser und Höhe. Beide Exemplare bestehen aus Bronze, 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn.

 

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