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9. November

Reichspogromnacht 1938: Gedenkgottesdienste in der CityKirche Konkordien und in der Johanniskirche.

9. November

(31.10.2019, Mannheim) Mit Gottesdiensten wird am Samstag, 9. November, der Reichspogromnacht gedacht, bei der 1938 auch die Mannheimer Hautsynagoge in F2 zerstört wurde:
Um 19 Uhr lädt der Arbeitskreis Christlicher Kirchen und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit zu einem Gedenkgottesdienst in die CityKirche Konkordien ein.
Bereits um 18 Uhr erklingen beim Gedenkgottesdienst in der Johanniskirche Worte aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück.

Der Gedenkgottesdienst in der CityKirche Konkordien um 19 Uhr wird von Schülerinnen und Schüler des evangelischen Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums sowie dem Seckenheimer Singkreis gestaltet. Dekan Ralph Hartmann hält die Predigt, Bildungsbürgermeister Dirk Grunert wird für die Stadt Mannheim sprechen. „Die Ereignisse und vor allem die Hintergründe des Anschlags auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober 2019 müssen uns die Augen öffnen und verlangen von uns allen entschlossenes Handeln: Wie ein Gift haben sich Antisemitismus und rechtsextreme Gewaltbereitschaft in unserer Mitte breit gemacht“, sagt Dekan Hartmann.

In der Johanniskirche, Lindenhof, sind im Abendgottesdienst um 18 Uhr mit dem Titel „Sie blieb dort für immer und ewig“ Worte von Frauen aus dem Konzentrationslager Ravensbrück zu hören. Dieses größte Frauen-KZ auf deutschem Gebietwurde 1939 errichtet. In einem "oral history"-Projekt wurden die Erfahrungen ehemaliger Insassen, ihre Erinnerungen und Ängste im Lageralltag gesammelt. Der Gottesdienst mit Pfarrerin Susanne Komoroswki wird musikalisch von Yolanda Diefenbach mit Improvisationen am Saxophon mitgestaltet.

Gemessen an der Gesamtbevölkerung hatte Mannheim vor dem Krieg die größte jüdische Gemeinde im heutigen Baden-Württemberg. Viele ihrer Mitglieder überlebten den Terror der Nazi-Zeit nicht. Die brutale Verfolgung der jüdischen Bevölkerung hatte mit der Reichspogromnacht 1938 ihre erste flächendeckende Konkretion: Von den nationalsozialistischen Machthabern veranlasst, wurden im ganzen Land mehr als 1.500 Synagogen niedergebrannt, Fensterscheiben zerschlagen, jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört. Es folgten Raub, Plünderung, Totschlag und Mord. Der Großteil der Bevölkerung schwieg damals, weitgehend auch die christlichen Kirchen.

Die erste zentral gesteuerte Terroraktionen gegen die jüdische Bevölkerung gab es mit der Machtübernahme Adolf Hitlers bereits Jahre vor der Reichspogromnacht: Am 1. April 1933 wurde der Boykott „Kauft nicht bei Juden“ organisiert. Bereits vorher, am 22. März 1933 und damit wenige Wochen nachdem Hitler zum Reichskanzler ernannt worden war, wurde in Dachau auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik ein Konzentrationslager für politische Gefangene errichtet. Dachau wurde zum Modellfür alle späteren Konzentrationslager, in denen viele Millionen Menschen gequält und ermordet wurden.

Wenige Jahre nach der Reichspogromnacht startet die „Aktion Reinhardt“ im Generalgouvernement Polen: Die drei Lager Bełżec, Sobibór und Treblinka waren Vernichtungslager. Im Zeitraum Sommer 1942 bis Herbst 1943 wurden dort mehr als 1,5Millionen Menschen ermordet. Nur insgesamt 150 Gefangene entgingen dem Tod in diesen drei Lagern. Foto: de Vos (dv)

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