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Der Adventskranz - eine evangelische Erfindung

Der Adventskranz - eine evangelische Erfindung

(20.11.2011, Mannheim) Der allererste Adventskranz war ein hölzernes Wagenrad mit vielen Kerzen. Erfunden hat ihn der evangelische Theologe und Sozialreformer Johann Hinrich Wichern. In diesem Jahr wird der Adventskranz 180 Jahre alt.

Tannengrün als Zeichen ewigen Wachstums, der Kreis als Symbol der Ewigkeit, Kerzen als Licht in der dunklen Jahreszeit: All dies versinnbildlicht der Adventskranz. Als sein Erfinder gilt der evangelische Theologe und Gründer der modernen Diakonie Johann Hinrich Wichern. Im Dezember 1839 hängte er den weltweit ersten Adventskranz auf, im „Rauhen Haus“ in Hamburg-Horn. Diese „Rettungsanstalt“ für verwahrloste Kinder aus den Elendsvierteln hatte er sechs Jahre zuvor gegründet. Dort bekamen die Kinder Nahrung, elementare Schul- und auch eine Ausbildung.

Zeit veranschaulichen und zählen üben

Wichern erfand den Adventskranz, um den Kindern die Zeit des Wartens bis zum Heiligabend anschaulich erlebbar und die Tage zählbar zu machen. Der Kranz, den er im Betsaal aufhängte, unterscheidet sich deutlich von den heutigen: Er bestand aus einem Holzrad und hatte mehr als 20 Kerzen: kleine rote für jeden Werktag und große weiße für die vier Sonntage. Jeden Tag wurde eine weitere Kerze angezündet, so dass am Heiligenabend sämtliche Lichter brannten.

1851 wurde der Betsaal während der Adventszeit erstmals mit Tannengrün geschmückt. Im Jahr 1860 ergrünte dann auch der Kranz und wurde mit Schmuckbändern umwickelt. Der ursprüngliche, hölzerne Kranz hat die Zeit nicht überdauert. Für die bürgerlichen Wohnstuben war er schlicht zu groß. So wurden die Werktagskerzen weggelassen, der Kranz in kleinerem Durchmesser gebunden und mit den vier Sonntagskerzen versehen. So begleitet er heute durch die Vorweihnachtszeit.

In der Vorweihnachtszeit schmückt ein Nachbau des Wichern´schen Adventskranzes das Schaufenster von M1 – Haus der Evangelischen Kirche.

Info: Johann Hinrich Wichern (Hamburg 1808-1881) musste als ältestes von sieben Kindern nach dem Tod des Vaters zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Er erteilte Privatunterricht und arbeitete als Erziehungsgehilfe. Unterstützer ermöglichten ihm ein Theologiestudium. An einer Sonntagsschule, wo er als Oberlehrer arbeitete und die Familien der Schüler zu Hause besuchte, lernte er das Elend in den Armenvierteln Hamburgs kennen. Gönner ermöglichten die Realisierung des „Rauhen Hauses“, in das auch Wichern einzog. Über sein dortiges Engagement hinaus setzte er sich für die tätige Nächstenliebe der evangelischen Kirche ein: Wichern gilt als Gründer der modernen Diakonie. In Mannheim ist das Kirchenschiff der evangelischen Schifferseelsorge nach ihm benannt, die „Wichern“. (dv)

 

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