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Neustart: Nutzungsidee für die Thomaskirche gesucht

Neuostheim: Investor Gaul zieht sich aus Realisierung der Kirchennutzung zurück. Evangelische Kirche Mannheim plant eine neue Nutzung der denkmalgeschützten Kirche.

Neustart: Nutzungsidee für die Thomaskirche gesucht

(13.02.2020, Mannheim) Sie sollte für den Stadtteil ein markanter Begegnungsort werden. Nun gibt Investor Peter Gaul, Geschäftsführer der Thomaskirche Immobilien KG, seinen kompletten Rückzug aus dem Projekt Thomaskirche bekannt. Damit steht die Evangelische Kirche wieder am Anfang ihrer Überlegungen. Dekan Ralph Hartmann kündigt für März 2020 erste Schritte an, um für die seit einem Wasserschaden im Jahr 2009 geschlossene und seit 2011 denkmalgeschützte Kirche eine neue Nutzung zu finden.

„Ich bin enttäuscht über diesen Rückzug“, sagt Dekan Ralph Hartmann. „Wir hatten seinerzeit die Thomaskirche nach einer Analyse und nach ausführlichen Gesprächen gerne in die Hände von Investor Gaul gegeben, der für dieses Bauwerk eine gemeinschaftsstiftende Nutzung für den Stadtteil und für das Quartier Eastside realisieren wollte. Seine Ideen vertrugen sich bestens mit unserem Wirken im Gemeinwesen.“ Dass dies nun nicht zustande komme, so Hartmann, sei ein „Rückschlag für das Bauwerk, den Stadtteil und seine Bewohner“. Nun gälte es, neue Ideen zu entwickeln.

2016 vereinbarten die Evangelische Kirche Mannheim und Investor Gaul auf Basis eines Erbbaurechtsvertrags eine Nutzung der Thomaskirche als Veranstaltungs- und Seminarraum mit Catering, Restaurant, Kleikunstbühne und Wohnung, wobei die Räumlichkeiten am Wochenende dem Stadtteil als Treffpunkt und Veranstaltungsmöglichkeit zur Verfügung stehen sollte. Eine Nutzung als Tanz- und Vergnügungsstätte, als Casino oder für sportliche Zwecke war ausgeschlossen. Die Umsetzungsfrist wurde wegen Denkmal- und Brandschutzthemen verlängert. Im zweiten Halbjahr 2019 zeichnete sich eine weitere Verzögerung ab.

Mitte Dezember 2019 gab Peter Gaul der Kirchenleitung den Ausstieg aus dem Vorhaben bekannt. „Wir haben uns vor drei Jahren mit großer Begeisterung auf dieses Projekt gestürzt, haben viel Zeit und Geld in die Planung investiert und wollten noch viel mehr inden Umbau eines sakralen zu einem säkularen Versammlungsraum investieren“ betont Peter Gaul. „Leider mussten wir so lange auf eine Baugenehmigung warten, dass das Projekt Thomaskirche mit anderen Projekten und denen unserer Partner kollidiert wäre. Zumal in diesem Jahr meine lang geplante Auszeit im Kalender stand.“

Dekan Ralph Hartmann informierte am 11. Februar den Ältestenkreis der Thomasgemeinde über die nun gänzlich geänderte Situation. „Der Ältestenkreis der Thomasgemeinde ist sehr enttäuscht über diese Entscheidung, zumal wir das von Herrn Gaul geplante Konzept für die Nutzung der Thomaskirche als ausgesprochen stimmig für unseren Stadtteil empfunden haben“, äußerte sich Dr. Gerlinde Kammer, Vorsitzende des Ältestenkreises. „Wir hoffen auch weiterhin, dass sich Investoren finden, die diese guten Ideen aufgreifen und verwirklichen.“

Die nächsten Schritte für eine neue Nutzung

„Wir wollen die Thomaskirche erhalten und brauchen dafür eine neue Nutzung“, macht Dekan Hartmann deutlich. Im März 2020 soll eine Ausschreibung der Thomaskirche in Erbpacht erfolgen und ein Kuratorium zur Beratung eingerichtet werden, in dem sich Stadtkirchenbezirk und Thomasgemeinde, Stadtteilverein, Denkmalamt und die Stadt Mannheim einbringen können. „Wir planen, im Herbst 2020 eine Entscheidung über die Vergabe zu treffen“, stellt Dekan Hartmann in Aussicht.

Kulturdenkmal mit Wasserschaden

Im Dezember 2009 machte ein doppelter Wasserschaden die Thomaskirche unbenutzbar. Die seither geschlossene Kirche ernannte das Regierungspräsidium Karlsruhe 2011 zum Kulturdenkmal und stellte sie unter Denkmalschutz. Sie ist ein Spätwerk von Christian Schrade, von dem die Pläne der Christuskirche in der Oststadt stammen. Die Thomaskirche wurde 1949-1950 errichtet. Sie steht auf den Grundmauern des alten Gemeindehauses. Dieses war 1929 erbaut und im April 1945 von der US-Armee gesprengt worden, weil es in der Einflugschneise des benachbarten Flugplatzes lag. 1949 wurde die Thomaskirche auf den Grundmauern als eine einfache Saalkirche mit Satteldach und hellen Außenwänden errichtet. An der Stirnseite ist ein Fenster in Form einer Lutherrose gestaltet. Seit 2010 hatten die evangelischen Gemeindegottesdienste in der katholischen Kirche St. Pius in Neuostheim stattgefunden. Diese wird inzwischen als Ökumene-Kirche von beiden Konfessionen genutzt. In unmittelbarer Nachbarschaft der Thomaskirche wurde 2018 das evangelische Lebenszentrum ThomasCarree eingeweiht. (dv)

 

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