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Runder Geburtstag ohne Feier

90 Jahre Kita Weidenstraße. Jubiläumsfest wird verschoben

Runder Geburtstag ohne Feier

(05.05.2020, Mannheim) Die Kita Weidenstraße in der Schwetzingervorstadt wird 90 Jahre alt. Das Geburtstagsfest für Familien und Stadtteil wird auf 2021 verschoben. Das Team prostet sich am Jubiläumstag mit Kaffee zu.

Das satte Jubiläum sollte am 9. Mai mit einem Fest für die Familien, ehemalige Mitarbeiterinnen und den Stadtteil gefeiert werden. Doch das Corona-Virus hat dem Jubilar und dem Team einen Strich durch die Rechnung gemacht. Kita-Leiterin Steffi Wiegand nimmt es sportlich und hält es wie der Profi-Fußball. „Als Vorbild haben wir uns die Fußball-EM genommen, die ebenfalls um ein Jahr verschoben wird“ erzählt Wiegand, deren Herz als SV-Waldhof-Fan blau und schwarz schlägt. „Wir feiern dann den 91. Geburtstag, auch das ist ein schöner Anlass“. Zum 90jährigen Jubiläum gratulierte Gemeindepfarrer Stefan Scholpp dem Team herzlich.

Aktiv gegen soziale und religiöse Not

Am 5. Mai 1930 kamen die ersten Kinder ab dem Alter von 2,5 Jahren in Weidenstraße. Die erste Leiterin war Diakonisse Grete Abel vom Mutterhaus Nonnenweier, die im Obergeschoss des Gebäudes einzog. Im Oktober 1930 übernahm Schwester Frieda Ratz die Leitung. Die Einrichtung war mit ihrem „Speisungsraum“ von Anfang an als Tagesstätte konzipiert. Zuvor wurde bei der feierlichen Einweihung Ende April 1930 betont, dass die evangelische Kirche in Mannheim ihr Netz von Kindergärten ausbauen wolle. Anlass waren „die soziale Not, die der Mutter den Dienst am Kleinkind so erschwert; die sanitäre Not, die dem Großstadtkind den Wohn- und Lebensraum so beengt und die religiöse Not der Zeit, die dem Kind den Zugang zu dem Kinderfreund und Heiland so erschwert“ sagte der damalige Stadtpfarrer Dr. Hoff. Bis heute sind evangelische Kitas in allen Mannheimer Stadtteilen präsent.

Das im 2. Weltkrieg zerstörte Gebäude der Kita in der Weidenstraße 13 wurde 1948 wieder eröffnet. Das Mittagsessen wurde von der Volksküche geliefert. Heute bereiten, wie in mehr als der Hälfte aller evangelischen Kitas, die Kochfrauen das Essen frisch zu, meist mit Produkten aus der Region.

Sozialer Treffpunkt und Bildungsort

Ein sozialer Treffpunkt für die Familie ist die Kita Weidenstraße heute unverändert. In dem Neubau in der Weidenstr. 17a, in dem die ehemaligen Kitas Weidenstraße und Augartenstraße seit 2013 zusammengefasst sind, betreuen bei regulärem Betrieb knapp 20 Fachkräfte 102 Kinder. In fast jeder der sechs Gruppen ist zudem eine Integrationskraft tätig, denn „wir betreuen seit vielen Jahren körperlich und geistig behinderte sowie lern- und entwicklungsverzögerte Kinder“, sagt Steffi Wiegand. Die gelernte Krippenerzieherin kam 1991 aus der ehemaligen DDR nach Mannheim. Ihr Abschluss wurde damals nicht anerkannt, weshalb sie sich nachqualifizieren musste. 1992 bewarb sie sich bei der evangelischen Kirche und begann am 15. Mai 1992 als Erzieherin in der Kita Weidenstraße. 2005 übernahm sie deren Leitung. „Und da bin ich hängen geblieben“, sagt Wiegand schmunzelnd. Derzeit besuchen in der erweiterten Corona-Notbetreuung 20 Kinder die Kita.

In den 47 evangelischen Kitas betreuen Fachkräfte bei regulärem Betrieb rund 2900 Kinder. Mit Stand von heute sind es in der erweiterten Corona-Betreuung in 45 Kitas 432 Kinder. Dort tragen die Erzieherinnen Gesichtsmasken. Dabei kommen auch Gesichtsmasken aus der Kita Weidenstraße zum Einsatz. Denn eine der dortigen Kochfrauen hat begonnen, Masken zu nähen, die anderen Kitas zur Verfügung gestellt werden. (dv)

Bildunterschrift: Kita-Leiterin Steffi Wiegand mit einem Foto der Kita Weidenstraße aus dem Jahr 1935/36. Foto: de Vos

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