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Die Angst vor der eigenen und der Einsamkeit der anderen

Weihnachten 2020: Bei der ökumenischen TelefonSeelsorge werden die Sorgen vieler hörbar

Die Angst vor der eigenen und der Einsamkeit der anderen

(17.12.2020, Mannheim) Bei der Ökumenischen TelefonSeelsorge Rhein-Neckar geht es bei vielen Anrufenden um die Sorge, wie Weihnachten in diesem Jahr gefeiert werden kann. „Wir hören aktiv zu und zeigen Möglichkeiten auf, mit diesem Thema umzugehen“, sagt Leiterin Pfarrerin Elke Rosemeier.

Die Erlebnisse rund um Weihnachten kommen als gehäuftes Thema sonst eher nach den Weihnachtsfeiertagen, wenn alle wieder zu Hause sind und die Zusammenkünfte nachwirken. In diesem Jahr, so die Leiterinnen Elke Rosemeier und Diana Beetz, gehe es schon früher um Weihnachten. Die Frage, ob die Eltern besucht werden können oder ob die Kinder sie alleine lassen, die Angst vor der eigenen Einsamkeit und die Einsamkeit, in der Angehörige gelassen werden, die Frage, wie das Fest überhaupt begangen werden könne und wie es gehen solle, wenn die Familie sich aufteilen muss oder wie eine Patchwork-Familie sich organisieren kann, all das beschäftige die Anrufenden stark. „Die Menschen wollen ihren Familien nah sein und können es in diesem Jahr nur sehr eingeschränkt oder gar nicht“, so Elke Rosemeier. „Und es zeige sich an Weihnachten auch, ob man jemanden zum gemeinsamen Feiern hat oder nicht“.

„Auszusprechen, wovor man Angst hat, hilft schon sehr“

Wer eine der beiden kostenfreien Telefonnummern der TelefonSeelsorge wählt, die rund um die Uhr an jedem Tag im Jahr besetzt ist, erreicht sorgfältig geschulte Zuhörende. Das ehrenamtliche Team von derzeit rund 160 Frauen und Männern teilt sich den täglichen 24-Stunden-Dienst in drei Schichten auf. Die Gespräche sind anonym und vertraulich. „Wir geben keine Empfehlungen“, betont Rosemeier, „Wir hören aktiv zu und versuchen auszulosten, um was es den Anrufenden geht“. Das gemeinsame Hinschauen sei wichtig. „Allein schon auszusprechen, wovor jemand Angst hat, hilft sehr“. Ist es in Bezug auf Weihnachten beispielsweise die Angst, dass die alten Eltern erkranken könnten. Oder dass ein Geschwister die Planung durchkreuzen wird. Oder die Angst vor der eigenen Einsamkeit. „Wir ermutigen dazu, Dinge auszusprechen und mit den anderen Beteiligten zu sprechen, um so die eigenen Gedankenspiralen zu durchbrechen“. So können die Anrufenden sich oft klarer werden über die eigenen Sorgen und die eigenen Wünsche. „Wir ermutigen die Menschen“. Wer niemanden zum Feiern hat, könne beispielsweise jemanden anderes anrufen, der oder die ebenfalls alleine ist.

An den Weihnachtstagen ist die TelefonSeelsorge wie immer voll besetzt: An den drei Telefonen sowie an den Mail- und Chat-Arbeitsplätzen sind Ehrenamtliche rund um die Uhr im Einsatz. Viele von ihnen wählen ganz bewusst diese Feiertage für ihren Dienst. An Weihnachten, sagt eine langjährige Ehrenamtliche, arbeite sie aus Solidarität mit ihren Kolleg*innen, die Familie haben. Denn sie selbst sei Single. Und sie fühle sich auch solidarisch mit den Anrufenden, die an Heiligabend kein schönes Fest mit der Familie verbringen, weil es Streit gibt oder sie dieses Erleben mit jemand anderem teilen wollen. Diesen Dienst empfinde sie an diesem besonderen Tag als eine sinnvolle Aufgabe.

Ein kirchlicher Dienst für alle, unabhängig von Religion und Konfession

Die TelefonSeelsorge ist ein kirchlicher Dienst, den die Evangelische und die Katholische Kirche gemeinsam anbieten für alle Menschen, unabhängig von deren Religion und Konfession. Die Gespräche sind vertraulich, die Anrufe kostenfrei. Der Dienst mit seiner hauptberuflichen Leitung, der evangelischen Pfarrerin Elke Rosemeier und ihrer katholischen Kollegin Diana Beetz, besteht aus einem Team von Ehrenamtlichen. Die Mitarbeitenden erhalten eine sorgfältige Schulung und kontinuierliche Supervision. Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn sind stark in der TelefonSeelsorge.

Die TelefonSeelsorge ist kostenfrei rund um die Uhr erreichbar unter den Nummern: 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Infos: www.telefonseelsorge-rhein-neckar.de

Übrigens: im nächsten Jahr wird die TelefonSeelsorge Rhein-Neckar 60 Jahre alt. (dv/schu)

 

 

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