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60 Jahre „Wichern“: Jubiläum mit Spendenaufruf für Kirchenschiff

Ein Geschenk der Jubilarin: Künftig sind auf dem Kirchenschiff auch für „Landratten“ Taufen, Konfirmationen und andere festliche Fahrten möglich. Festgottesdienst am 22. Mai

60 Jahre „Wichern“: Jubiläum mit Spendenaufruf für Kirchenschiff

(12.05.2022, Mannheim) Am Bug hat sie ein großes blaues Kreuz, auf ihrer Fahne flattern Anker und Kreuz mit. Ihre Fracht ist leicht und doch gewichtig. Denn sie transportiert ein Angebot für Begegnung und Seelsorge. Das Kirchenschiff „Wichern“ ist seit nunmehr 60 Jahren in Deutschlands zweigrößtem Binnenhafen im Einsatz und bringt seit sieben Jahren Schifferseelsorgerin Anne Ressel zu den Binnenschiffen. Der runde Geburtstag wird am Samstag, 21. Mai mit Freifahrten und einem Erinnerungsabend sowie am Sonntag, 22. Mai mit einem Festgottesdienst um 11.30 Uhr in der Hafenkirche (Kirchenstr. 11, Mannheim-Jungbusch) gefeiert. Die Wichern ist das einzige Kirchenschiff im süddeutschen Raum.

Zwölf Meter misst sie, bringt zwölf Tonnen auf die Waage und ist mit maximal elf Knoten unterwegs. Gebaut in der Schiffswerft Ebert in Neckarsteinach ist die „Wichern“ seit 1962 unterwegs zu den Schiffern und ihren Familien, zu Trauungen und Taufen, zu Gesprächen von Bord zu Bord. Gespräche von der Wasserseite her, über Gott und die Welt, für Menschen in einer oft übersehenen Arbeitswelt, über Sorgen, wenn wegen Hochwassers auf der Wasserstraße gar nichts mehr geht oder während Corona der Markt sich radikal änderte.

Als Pfarrerin Anne Ressel 2015 ihren Dienst mit einem halben Deputat als Schifferseelsorgerin antrat, machte sie zuallererst ihren Bootsführerschein und den Funkerschein. Denn mit den Binnenschiffern spricht man lieber von der Wasserseite her, nicht vom Land aus. Dazu braucht es ein Schiff. Gemeinsam mit einem bootsbegeisterten Team von mehr als 20 Ehrenamtlichen ist Schifferseelsorgerin Ressel mit der „Johann Hinrich Wichern“ regelmäßig in den Häfen von Mannheim und Ludwigshafen unterwegs, lädt zu Gottesdiensten ein und bietet für Interessierte Gruppenfahrten an.

Ein Gotteshaus auf dem Wasser. Für Menschen auf dem Fluss und in der Stadt

Im Jubiläumsjahr wird „die Wichern“ gefeiert. Und sie macht Geschenke an die Menschen in der Stadt. Denn ab sofort bietet Schifferseelsorgerin Anne Ressel mit ihrem Team das Kirchenschiff verstärkt für besondere Anlässe an. Künftig kann es samt Besatzung angefragt werden für Taufen oder Konfirmationen, für Schul- oder Ausbildungsabschlüsse, für Geburtstage oder andere Lebensfeste, für alle Lebensübergänge, für Gespräch und Segen. In der Kabine ist Platz für zwölf Personen. „Wir sind eine Stadt an den Flüssen“, sagt Anne Ressel, und „auf dem Wasser nimmt man die Umgebung anders wahr als von Land. Solch ein Perspektivwechsel tut oft gut und passt gut zu prägnanten biografischen Ereignissen.“ Auch bei ihren Dienstfahrten können Interessierte mitfahren. „Wir zeigen den Menschen gern den Hafen und unsere Arbeit“. Mit der Schifferseelsorge sei sie für die Menschen auf dem Fluss da und für die Menschen in der Stadt. Denn „das Leben ist im Fluss“, sagt Pfarrerin Ressel, „wir begleiten Übergänge“. Außerdem sei ihr wichtig, „uns zu zeigen in dem, was wir tun, und wofür wir stehen und unterwegs sind“, so Pfarrerin Ressel. Für Fahrten mit dem Kirchenschiff kann man sich melden im Pfarramt unter 0621 24208 oder per E-Mail unter Rosa.Posternak@ekma.de

Unterwegs zu den Menschen

Mindestens zwei Mal die Woche ist die Schifferseelsorgerin mit Ehrenamtlichen unterwegs in den Häfen. „Dieser Dienst ist ziemlich einzigartig“, sagt Anne Ressel, „denn es gibt in Deutschland nur noch drei Schifferseelsorge-Einrichtungen mit Schiff und Seelsorgenden, die für die Binnenschiffer da sind, die mit ihrer Fracht in ganz Deutschland und Europa unterwegs sind. Wir wollen als Kirche für die Menschen da sein, wo sie sind. Deshalb kommen wir zu ihnen ans Boot.“ Manchmal bleibt es bei einem freundlichen Smalltalk von Schiff zu Schiff, mal gibt es eine Einladung an Bord, wo sich dann andere Gespräche und oft auch Seelsorgesituationen entwickeln. „Wir sind unterwegs zu den Menschen“, erläutert Anne Ressel.

Die „Wichern“ ist nach Johann Hinrich Wichern benannt, dem Urvater der modernen Diakonie, auf den die Schifferseelsorge zurückgeht. 1870 forderte er Seelsorge für Flussschiffer, verbunden mit dem bis heute gültigen Motto: „Wenn die Menschen nicht zur Kirche kommen können, muss die Kirche zu den Menschen gehen

Die alte Dame braucht Pflege – und Spenden

Die „Wichern“ ist in die Jahre gekommen. Sie wird liebevoll von den Ehrenamtlichen betreut. Dazu gehört die regelmäßige Pflege ebenso wie der große Jahresputz, das Streichen des Schiffrumpfes und bei Bedarf das Abkratzen festgesetzter Muscheln in der Werft. All das kostet Geld. Spenden für den Erhalt des Kirchenschiffs und für die Unterstützung der Schifferseelsorge sind willkommen:

Spendenkonto: Evangelische Kirche in Mannheim, DE44 6705 0505 0039 0030 07,
Verwendungszweck: Schifferseelsorge

Festgottesdienst am 22. Mai: Die alte Dame wird gefeiert

„Unterwegs zu den Menschen“ ist der Titel des Festgottesdienstes 60 Jahre Wichern, der am Sonntag, 22. Mai um 11:30 Uhr in der Hafenkirche gefeiert wird. Mitwirkende sind Anne Ressel für die Schifferseelsorge Mannheim-Ludwigshafen, Walter Otto Schär für die Schifferseelsorge beider Basel und Cor van Dis für die Niederländische Schifferseelsorge. Für die musikalische Begleitung sorgt der Posaunenchor Feudenheim. Nach dem Gottesdienst gibt es einen Brunch. Der Festgottesdienst wird unterstützt von dem Mannheimer Schifffahrtsverein von 1894 e.V. (dv)

 

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