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Gefängnispfarrer Patberg geht in Ruhestand

JVA: Gottesdienst zur Verabschiedung am 25. September

Gefängnispfarrer Patberg geht in Ruhestand

(21.09.2022, Mannheim) Elf Jahre lang war Gefängnispfarrer Gotthold Patberg für die Insassen und die Belegschaft der Justizvollzugsanstalt Mannheim da. Nun geht er in Ruhestand. Dazu findet am 25. September um 10 Uhr ein Verabschiedungsgottesdienst mit Susanne Büttner, Gefängnisdekanin in Baden-Württemberg, und Dekan Ralph Hartmann statt. JVA-Leiter Holger Schmitt und Kirchenrätin Sabine Kast-Streib sprechen Grußworte. Beim Gottesdienst wird Wolfram Sauer auf der Orgel spielen. Der Mannheimer begleitet die Gottesdienste in der JVA bereits seit 1977. Bei der Verabschiedung wirken auch die Organisten Thomas Bödigheimer und Nathan Sikner sowie das Flötenensemble flaute cantabile der evangelischen Gemeinde Feudenheim mit.

Vertrauliche Seelsorgegespräche bieten die Perspektive von Freiheit

Besonders die Gottesdienste in der schönen Kapelle unter dem Dach der JVA bleiben Pfarrer Gotthold Patberg in Erinnerung. „Sonntags einen Gottesdienst zu feiern ist für viele Gefangene eine notwendige Kraftquelle zur Bewältigung des Haftalltages,“ blickt Pfarrer Patberg zurück. Und auch das Gesprächsangebot ist für die Menschen in der JVA ein wichtiger Bestandteil des dortigen Alltags „Die persönlichen Seelsorgegespräche, die ja dem Beichtgeheimnis unterliegen und daher ganz vertraulich sind, eröffnen im Gefängnis eine Perspektive von Freiheit – nämlich offen über alles zu reden, was die eigene Seele bewegt“. Das gelte für die Gefangenen ebenso wie für die Mitarbeitenden. „Die Not der Gefangenen und die schwere Aufgabe der Bediensteten berühren mich“, sagt Pfarrer Patberg.

Nach elf Jahren in der JVA wünscht er dem Strafvollzug eine Reform und nennt beispielhaft das Überdenken und Überwinden der Ersatzfreiheitsstrafe. Außerdem hält er eine bundeslandübergreifende Evaluation des Strafvollzugs für sinnvoll, die den Erfolg der angestrebten Resozialisierung der Gefangenen untersucht. „Denn nur so wird die wichtige Frage, ob man einen größeren Teil von Gefangenen in den Freigang lassen sollte oder nicht, fundiert beantwortbar“, ist Patberg überzeugt.

Patberg trat seinen Dienst in der JVA Mannheim zum 1. Oktober 2011 an und geht zum 30.09.2022 in Ruhestand. Der gebürtige Norddeutsche hatte in seinem beruflichen Leben viele unterschiedlich Etappen: So war er geschäftsführender Pfarrer in der Diasporagemeinde Friesoythe und war im Auftrag der EKD als Auslandspfarrer auf Gran Canaria tätig. Anschließend wirkte er in Delmenhorst als Militärpfarrer, wozu auch zwei mehrmonatige Auslandseinsätze als Begleitung der Soldaten in Mazedonien und im Kosovo zählten. Daraufhin arbeitete er in Delmenhorst als Krankenhauspfarrer und wechselte später als Gemeindepfarrer an die Altstadtkirche in Pforzheim. Seit Oktober 2011 ist er als Gefängnisseelsorger für die Menschen in der JVA Mannheim da. Erste Erfahrungen sammelte Patberg bei der seelsorgerlichen Betreuung der deutschsprachigen Gefangenen im Gefängnis in Las Palmas, sowie bei Besuchen mit Soldaten im Gefängnis in Vechta (Niedersachsen). Er bot Seminare an über Strafe und Strafvollzug aus der Sicht von Tätern und von Opfern. Die Präsenz von Kirche gerade in dieser staatlichen Institution hält Gefängnispfarrer Patberg für sehr wichtig. Für den 63-Jährigen bietet der Ruhestand nun mehr Zeit für Freizeit und vor allem Familie. Seine Nachfolge steht schon fest: Bereits zum 1. November 2022 beginnt der Mannheimer Pfarrer Kurt Vesely seinen Dienst in der JVA. Derzeit ist er noch mit je einer halben Stelle als Krankenhausseelsorger und im Schuldienst tätig. Foto: ekiba (dv)

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