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KinderVesperkirche ist Mahnung und Hilferuf

Evangelische Kirche Mannheim: KinderVesperkirche fordert Kindergrundsicherung

KinderVesperkirche ist Mahnung und Hilferuf

(26.11.2022, Mannheim) Ein gutes Wir-Gefühl für die Kinder und ein deutlicher Appell an die Politik: Am 28. November startet die 15. Mannheimer KinderVesperkirche und macht auf die schwierige Situation von Kindern aufmerksam, die finanziell und damit auch in ihren Lebensläufen benachteiligt aufwachsen. Bis zum 9. Dezember erwarten die Organisatoren rund 1.500 junge Gäste an den beiden Standorten Rheinaugrundschule und Jugendkirche (Waldhof). Am Montag, 28. November um 9.30 Uhr eröffnen Dekan Ralph Hartmann und KinderVesperkirchen-Leiterin Svenja Hauseur die KinderVesperkirche in der evangelischen Jugendkirche im Stadtteil Waldhof. Dabei singt der Kinderchor der Friedrich-Ebert-Schule auch das Kinder-Vesperkirchen-Lied.

„Die KinderVesperkirche ist Mahnung und Hilfe“, sagte Dekan Ralph Hartmann beim Pressegespräch in der Jugendkirche. Kinder könnten an den Verhältnissen, in denen sie aufwachsen, nichts ändern. Und ein Aufwachsen in Armut beeinflusse die Biografie stark. Hier seien Politik und Gesellschaft gefordert. „Uns ist wichtig, den Kindern bei uns eine schöne Zeit zu bieten und zeichenhaft aufzuzeigen, dass alles vorhanden ist, was wichtig ist an Gemeinschaft und Aufmerksamkeit“. Zugleich stelle die KinderVesperkirche politische Forderungen: „Die Kindergrundsicherung muss jetzt schnell kommen, damit die Kinder direkt unterstützt werden“, sagte Hartmann. „Zusätzlich müssen diejenigen Sozialräume wie Kitas und Schulen, in denen benachteiligte Kinder betreut sind, endlich besser und ausreichend für ihre wichtige Arbeit ausgestattet werden.“

„Die KinderVesperkirche ist ein Leuchtturm“

„Wir wollen aufmerksam machen auf das Thema Kinderarmut,“ sagt Matthias Binder, 2. Vorsitzender der Hilfsinitiative Adler helfen Menschen e.V.. Die KinderVesperkirche biete dabei viel mehr als ein warmes Mittagessen. Hier gehe es um Teilhabe und um schön verbrachte Stunden in Gemeinschaft. Der Verein setze auf „langfristige Projekte. Die KinderVesperkirche ist dabei ein Leuchtturm“, betont Matthias Binder. Deshalb mache sich der Verein gemeinsam mit seinem großen Netzwerk seit 2008 für die Mannheimer KinderVesperkirche sowie das Projekt in Ludwigshafen und auch in Heidelberg stark. Auch er richtet einen Appell an die Politik: „Die Kindergrundsicherung muss eher heute als morgen eingeführt werden“.

Ein starkes Netzwerk für eine aufrüttelnde Aktion

Die KinderVesperkirche basiert auf einem stabilen Netzwerk von langjährigen Spendern und Partnern, zu denen auch das Team des Spielmobils der Stadt Mannheim sowie die Mannheimer Elektrofirma VOLZ zählen. Von ihr sind täglich rund zehn Auszubildende vor Ort, um dort tatkräftig mitzuhelfen und mit den Kindern an den großen Tischen zu basteln, berichtet Stadtjugendreferentin Svenja Hauseur. Gemeinsam mit zwölf Ehrenamtlichen, die im Kirchenraum mithelfen, gehören auch die Vorlesepatinnen der Stadtbibliothek Mannheim fest zum Team dazu.

„Kinder lieben Geschichten. Vorlesen ist elementar wichtig“

Kinderarmut sei inzwischen als Thema auch in den Kinderbüchern angekommen, beobachtet Kirsten Brodmann, Leiterin der Bibliothekspädagogik in der Stadtbibliothek Mannheim. Deren Vorlesepatinnen bereichern das Angebot in der KinderVesperkirche von Anfang an. „Vorlesen ist elementar wichtig. Kinder lieben Geschichten, die ihnen vorgelesen oder erzählt werden.“ Sandra Schleissner, die das Vorlesepaten-Projekt koordiniert, berichtet, „die Kinder genießen das Geschichtenhören sehr“. Und sie freuen sich über das Buchgeschenk, das es im Vorleseraum gibt: Denn aus den Buchspenden, die die Buchhandlung Waldkirch, Feudenheim, gesammelt hat, kann sich jedes der Kinder ein Buch mit nach Hause nehmen.

KinderVesperkirche auch in der Rheinaugrundschule

„Ob Kinder gute Leser:innen werden, entscheidet sich im Elternhaus“, weiß auch Tweila Wittmann, Leiterin der Rheinaugrundschule. Dort ist die KinderVesperkirche nun zum dritten Mal zu Gast und werde von allen sehr gut angenommen. Besonders wichtig sei das Gemeinschaftsgefühl. Diese besondere Atmosphäre mache das Angebot so einzigartig. „Gemeinsam mit den Mitschüler:innen an einem großen Tisch zu essen und zu reden, ohne dass der Fernseher dabei läuft oder das Tablet mit auf dem Tisch liegt, ist ein tolles und besonderes Erlebnis für viele der Kinder“, berichtet sie. Für die Schule als Bildungsort fordert die Schulleiterin eine Unterstützung, die nicht nach dem Geißkannenprinzip organisiert sei. Vielmehr müsse die Maxime heißen: „Wo mehr Bedarf ist, muss mehr an Ressourcen hin.“

1 Aktion an 2 Standorten: In der Jugendkirche und in der Rheinaugrundschule

Die 15. Mannheimer KinderVesperkirche findet vom 28. November bis zum 9. Dezember statt und ist auf zwei Standorte verteilt: In der Rheinaugrundschule kommen im Lauf der zwei Wochen alle 430 Schüler:innen in den Genuss des Kreativangebots im dafür ausgestatteten Bastelraum sowie des gemeinsamen Mittagessens im jeweiligen Klassenzimmer. Der traditionelle Ort Jugendkirche im Stadtteil Waldhof ist von Montag bis Freitag geöffnet für den Besuch der Schulklassen und anschließend der Kinder aus der Umgebung. Morgens um 9.30 Uhr kommen die angemeldeten Schulklassen dorthin und können im großen Kirchenraum an den großen Tischen basteln und rund um den Altarraum spielen sowie in der Sakristei den vorgelesenen Geschichten lauschen. Bevor es dann um 12 Uhr das Mittagessen gibt, singen die Kinder – begleitet von Eckhard Stadler auf der Gitarre – das KinderVesperkirchen-Lied. Nachdem die Klassen dann wieder in ihre Schule zurückkehren, ist die Jugendkirche bis 14 Uhr geöffnet für Kinder aus dem Stadtteil, die nach Schulschluss zum Essen kommen. Die Organisatoren rechnen mit täglich rund 40 Kindern aus dem Stadtteil. Für die Vormittage haben sich Klassen aus 23 Schulen der umliegenden Stadtteile angemeldet.

Mitinitiiert von Udo Scholz von „Adler helfen Menschen e.V.“ macht die KinderVesperkirche der Evangelische Kirche Mannheim seit 2008 auf das Thema Kinderarmut aufmerksam. Die Aktion wird durch Spenden finanziert. Diese kommen auch dem Mittwochstisch für Schüler:innen aus der Umgebung, zwei Ferienfreizeiten im Sommer, dem Kinderkaufhaus Plus in der Neckarstadt sowie dem Projekt Begleitpaten zugute. Außerdem unterstützt das Team das ganze Jahr über Kinder, wenn in den Familien das Geld knapp ist beispielsweise für Schulmaterial, den Sportverein oder auch eine Klassenfahrt. Die KinderVesperkirche ist nur dank der ehrenamtlich Helfenden sowie der vielen Spender:innen möglich.

Spendenkonto: Evangelische Kirche Mannheim, Sparkasse Rhein Neckar Nord, IBAN: DE44670505050039003007, BIC: MANSDE66XXX. Stichwort: „KinderVesperkirche“.
Infos: www.kindervesperkirche.de  und www.facebook.com/kindervesperkirche . (dv)

 

 

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